Abfischen in Kasseedorf : Zentnerweise Karpfen gefischt

Viele helfende Hände waren nötig, um die Fische am Wehr unterhalb des Mühlenteichs aus der Schwentine zu ziehen und zu sortieren. Foto: Marc Dobkowitz
Viele helfende Hände waren nötig, um die Fische am Wehr unterhalb des Mühlenteichs aus der Schwentine zu ziehen und zu sortieren. Foto: Marc Dobkowitz

Seit 30 Jahren Tradition: Die Gemeinde Kasseedorf verkauft Fische aus dem Mühlenteich.

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23. November 2009, 12:30 Uhr

Kasseedorf | Seit mehr als 30 Jahren zieht es Feinschmecker aus ganz Ostholstein am letzten Sonnabend vor dem ersten Adventswochenende nach Kasseedorf. Dann wird dort das Wasser des aus der Schwentine aufgestauten Mühlenteichs abgelassen, um an die Fische zu gelangen. Der Verkaufserlös geht in die Gemeindekasse; wichtiger aber ist das Gemeinschaftserlebnis beim Fischzug, bei dem Gemeindevertreter, Feuerwehr und Vereine Hand in Hand arbeiten.

Mit dem aktuellen Ergebnis zeigte sich der ehemalige Gemeindevertreter und Abfisch-Organisator Günter Maaß zufrieden. "Wir haben sechs Zentner Karpfen und einige Hechte und Schleie verkauft." Das Angebot war allerdings wieder ein wenig größer als die Nachfrage. Rund ein Zentner Fische wurde am Ende des Tages wieder zurückgesetzt - man wird sie vermutlich in einem Jahr wiedersehen.
"Wir mästen die Fische nicht"
Der Käscher, den Sascha Galkin an diesem Sonnabend aus dem aufgewühlten schwarzen Wasser hebt, ist prall gefüllt. Neben Karpfen gehen den Männern auch Hechte und Schleie ins Netz. Nur vereinzelt sind auch Barsche dabei. Ingo und Christian Lembke und weitere Helfer sortieren unter den Blicken zahlreicher Zuschauer noch am Wehr die Fische aus, die sich bis zum nächsten Jahr noch einige Kilos anfressen dürfen. Alle anderen finden mit Hilfe der Bauhofmitarbeiter Gerd Runge und Werner Bahr ihren Weg zur Alten Schulscheune, wo sich bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart um halb elf Uhr lange Schlangen gebildet haben. In großen Edelstahlwannen gilt es dann die richtige Wahl zu treffen und "seinen" Karpfen zu finden. Volker Dose und Regina Voss helfen dabei und beraten hier und da auch über die erforderliche Größe, um die ganze Familie verlässlich satt zu bekommen. Einige Kunden kommen schon seit Jahren und nehmen lange Wege in Kauf. So kommen Kasseedorfer
Karpfen auch in Grömitz oder gar in Travemünde auf den Tisch. Günter Maaß, der an der Kasse steht, kennt den Grund: "Wir mästen die Fische nicht. Sie
müssen sich ihr Futter suchen und wachsen langsamer. Das macht das Fleisch schmackhafter."

Wer will, bekommt seinen Fisch vor Ort geschlachtet und ausgenommen. Diese nasse und glitschige Aufgabe haben Siegfried Stoll, Kurt Lemster und Martin Ausborn übernommen. Eine nicht ganz einfache Arbeit, da die Karpfen vor ihrem drohenden Ende durch heftiges Zappeln noch einen letzten Fluchtversuch unternehmen. Das größte Tier des Tages, das ihnen unters Messer kam, wog 6,9 Kilo. Bei einem Kilopreis von 5,70 Euro kostete es 39 Euro. Hechte und Barsche wechselten für fünf Euro pro Kilo den Besitzer. Im benachbarten Vereinshaus des Kyffhäuserbunds gab es Punsch und vom Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes Erbsensuppe.

Damit auch im kommenden Jahr jeder "seinen" Karpfen bekommen kann, sind
für die kommende Woche vier Zentner Besatzfische geordert. Die Jungtiere wiegen bereits ein Kilo und mehr, um nicht so schnell den Kormoranen als Futter zu dienen.

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