Zensus sorgt in Plön für Kopfzerbrechen

Blumen zur Begrüßungder neuen Schulleiterin Bettina Busch brachten Schulverbandsvorsteher Jens Paustian (links) und der Vorsitzenden des Schulleiterwahlausschusses Oliver Hagen mit.  Foto: emm
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Blumen zur Begrüßungder neuen Schulleiterin Bettina Busch brachten Schulverbandsvorsteher Jens Paustian (links) und der Vorsitzenden des Schulleiterwahlausschusses Oliver Hagen mit. Foto: emm

Neue Einwohnerzahlen bescheren Plön ab 2014 ein Minus von 1,9 Millionen Euro

shz.de von
01. Juni 2013, 03:59 Uhr

Plön | In Schleswig-Holstein leben 33 640 Menschen weniger als in den Melderegistern bisher verzeichnet. Den prozentual größten amtlichen Bevölkerungsschwund hat die Kreisstadt Plön zu verzeichnen: Statt 12 834 offiziell bisher gemeldeter Bürger leben dort nur noch 8686 Menschen - ein stattliches Minus von 32 Prozent. Das hat die Volkszählung von 2011, der sogenannte Zensus, ergeben.

Dass die aktuelle amtliche Zahl der Plöner Einwohner von nur noch 8686 auch genau die Telefonnummer von Alt-Bürgermeister Uwe Jes Hansen ist, das ist natürlich reiner Zufall. Aber in die Amtszeit Hansens fällt die Ursache für den jetzt von

allen Seiten beklagten Einwohnerschwund: mit erstem Wohnsitz gemeldete Lehrgangssoldaten der Marineunteroffizierschule und der Pioniere, die durch Verwaltungen in den neuen Bundesländern in Plön nicht ordentlich abgemeldet wurden.

Bürgermeister Jens Paustian war geschockt: "Mit so wenig Einwohnern haben wir in Plön dann doch nicht gerechnet." Das für die Stadt Plön Positive: "Wir müssen ab 2014 nicht mehr so viel Kreisumlage zahlen - etwa eine Million Euro weniger", schmunzelte Paustian im OHA-Gespräch. Der Einwohnerschwund sorge aber auch für 2,9 Millionen Euro weniger an Schlüsselzuweisungen - am Ende fehlen ab 2014 also jährlich 1,9 Millionen Euro im Stadthaushalt, die nicht einfach aufgefangen werden können. Noch eine Hiobsbotschaft: für Plön kündigt sich in diesem Jahr nach OHA-Informationen eine Mindereinnahme bei der Gewerbesteuer von einer halben Million Euro an.

Paustian wünschte sich dann auch eine Kompensation durch das Land Schleswig-Holstein. Erster Schritt in Plön wäre für den Verwaltungschef eine Haushaltssperre: "Alle Ausgaben müssen jetzt auf den Prüfstand gestellt werden." Die hohe Diskrepanz der Einwohnerzahlen entstand bei der Stadt Plön bereits 1990/91, blickte er zurück. Lehrgangsteilnehmer aus den damals ganz neuen Bundesländern zweier Plöner Bundeswehreinheiten, die länger als drei Monate in Plön blieben, mussten sich bei der Stadt mit erstem Wohnsitz anmelden. Offensichtlich, so Paustian, hat es bei der Abmeldung durch die gerade im Aufbau befindlichen Verwaltungen der neuen Bundesländer Probleme gegeben. So sei die Einwohnerzahl von 1990 mit 10 600 auf 1991 mit 12 234 erheblich gestiegen. Und diese Einwohnerzahlen seien ständig fortgeschrieben worden.

Nun erwartet die Stadt Plön ab 2014 mit Bösdorf und Ascheberg zwei neue Gemeinden in ihrer Verwaltung. Die zahlen zwar pro Einwohner für die Verwaltung durch die Stadt Plön, bringen aber auch neun Mitarbeiter aus der Amtsverwaltung mit. Damit steigt die Verwaltung auf deutlich über 50 Stellen. "Die Verwaltung von Bösdorf und Ascheberg wird unsere Steuersituation in Plön nicht verbessern, das bringt uns keinen Cent", sagte Paustian auf OHA-Nachfrage.

Oliver Hagen (CDU), Ratsherr sowie Haupt- und Finanzausschussvorsitzender, hätte sich zu seinem heutigen Geburtstag bessere Nachrichten gewünscht: "Wir müssen die Haushaltskonsolidierung noch verstärken." So habe die Stadt bereits in den vergangenen zehn Jahren 16 Stellen in der Verwaltung ohne Kündigungen abgebaut. Dennoch habe die Stadt keine Aufgaben verloren - im Gegenteil.

Die Personalkosten seien auf 13 000 Einwohner ausgerichtet, rechnete Hagen vor: "Jetzt müssen wir sehen, ob es noch passt." Personalausgaben seien der größte Posten im Haushalt der Stadt.

Tafelsilber habe die Stadt Plön auch kaum noch. Häuser, Wohnungen und Grundstücke seien alle verkauft - bis auf ein Gewerbegrundstück am Behler Weg. "Und der Verkauf des Rathauses, um sich als Stadt dann dort wieder einzumieten, wäre fatal und der falsche Weg", sagte Oliver Hagen. Das Baugebiet Seewiesen müsse jetzt schneller vorangebracht werden, um neue Familien nach Plön zu holen und die Einwohnerzahlen zu steigern. Der Haushalt müsse weiter konsolidiert werden. Dazu müsse auch das Land seinen Beitrag über die bisher gewährten Fehlbetragszuweisungen hinaus leisten.

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