zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

23. Oktober 2017 | 14:04 Uhr

Zeitverträge treiben Lehrer aus dem Land

vom

Fast fünf Prozent aller Lehrkräfte haben befristeten Vertrag: neuer Höchststand

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

kiel | Bis zu sieben Verträge in anderthalb Jahren, teils sogar auf nur zwei Monate befristet - und während der Sommerferien die Ungewissheit, ob es im neuen Schuljahr überhaupt an irgendeiner Schule weitergeht: Das ist kein Einzelfall, sondern für Junglehrer in Schleswig-Holstein nichts Ungewöhnliches. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert ebenso wie der Philologenverband, die für Betroffene und Schulalltag gleichermaßen nervenaufreibende Praxis der Vergabe kurzer Zeitverträge zu stoppen. Die Vorsitzende des Bildungsausschusses des Landtags, Anke Erdmann (Grüne), will noch im August beantragen, dass das Bildungsministerium Möglichkeiten aufzeigt, wie sich die Befristungen eindämmen lassen.

"Unzumutbar" findet Blanka Knudsen, Vize-Landesvorsitzende der GEW, die Unsicherheit für Inhaber von Zeitverträgen. Der schlimmste Fall sei, wenn Verträge zum Ende eines Schuljahres auslaufen. Dann komme zum Rätselraten über eine Verlängerung noch Arbeitslosigkeit während der Ferien.

Die Schüler sieht Knudsen ebenso als Leidtragende: "Die befristeten Beschäftigungsverhältnisse gefährden die pädagogische Kontinuität und Planungssicherheit. Beides aber sind tragende Säulen einer vernünftigen Arbeit an den Schulen."

Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologenverbandes, sagt: "Es ist geradezu antipädagogisch, wenn andauernd die Lehrer wechseln." Er weiß: "Auch bei Eltern sorgt dies immer wieder für Unmut." Beide Lehrerverbände warnen davor, dass das Abspeisen mit Zeitverträgen zum Bumerang für das nördlichste Bundesland werde. "Wer es sich leisten kann, kehrt Schleswig-Holstein den Rücken", weiß Siegmon. Hamburg etwa biete deutlich zügiger feste Stellen an, sagt Knudsen. Dabei herrsche in Mathe und Naturwissenschaften bereits akuter Lehrermangel.

Nach Angaben des Bildungsministeriums waren Mitte Juni 1862 Lehrkräfte mit befristeten Verträgen beschäftigt. Das entspricht 4,8 Prozent aller Stellen und ist offenbar ein neuer Höchststand: Ende Mai waren es 1619, so das Ministerium in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion. Von den Verträgen der 1862 befristet Beschäftigten Mitte Juni reichten laut Ministerium 80 Prozent zumindest durch die Sommerferien hindurch bis zum 31. Juli. 20 Prozent oder 373 Lehrer hatten dieses Glück nicht - die meisten wegen Rückkehrern aus Elternzeit zu Ferienbeginn.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen