Zeitreise über Gräber in der Kirche

Pastor Jörn Kress zeigt auf das Stadtbild Plöns, das sich in einem der großen Rundbogenfenster im Altarraum befindet.
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Pastor Jörn Kress zeigt auf das Stadtbild Plöns, das sich in einem der großen Rundbogenfenster im Altarraum befindet.

Pastor Jörn Kresse präsentiert die Nikolaikirche in einer „Alternativen Kirchenführung“ im Wandel der Zeit

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14. Juli 2015, 15:46 Uhr

„Diese Kirche ist komplett unterkellert und in den Gewölben befinden sich Särge. Wenn Sie nun durch den Mittelgang auf den gelben Steinen auf den Altar hinzuschreiten, machen Sie sich einmal bewusst, dass unter Ihnen eine Vielzahl von Menschen bestattet ist“, verrät Pastor Jörn Kress den Besuchern. Bis zum September findet jeweils dienstags um 11 Uhr eine „Alternative Kirchenführung“ durch die Hauptkirche statt, die sich der einzigartigen Geschichte des Gebäudes widmet.

Für Besucher und Einheimische der Kreisstadt ist sie beim Betreten des Marktplatzes unübersehbar – die große, kreuzförmig angelegte Nikolaikirche aus rotem Backstein. „Der Turm ist fast 70 Meter hoch und ein Zufluchtsort für Falken. Jedes Jahr beherbergt er ein Turmfalkenpärchen“, sagt Jörn Kress, der vor sechs Jahren nach Plön zog. Und die Turmhöhe hat eine besondere Bedeutung, denn der Turm ist genauso hoch wie der Große Plöner See an seiner tiefsten Stelle, verrät der 53-Jährige.

Aber die Kirche sah nicht immer so aus wie heute. 1691 löste eine im Barockstil angelegte Backsteinkirche den hölzernen Vorgänger ab, brannte aber aufgrund eines Blitzeinschlags in den Kirchturm fast komplett nieder. „Löscharbeiten waren wegen des starken Windes am
24. Juni 1864 vergeblich“,
berichtet Kress. Bereits vier Jahre später war der Neuaufbau vollendet und die Kirche prägt ein neuromanisches Erscheinungsbild mit typischen Rundbogenfenstern. Noch heute wird an der Restauration des Gebäudes gearbeitet. „Durch den Verkauf des ehemaligen Pastorats vor zwölf Jahren an die Familie Stolz konnte das Dach der Kirche neu gedeckt werden. Und die Türen brauchen auch mal wieder einen neuen Anstrich von der Innenseite“, erklärt der Pastor.

Das hölzerne Tonnengewölbe in Grau- und Blautönen sei sehr selten in norddeutschen Kirchen zu finden und lässt den Innenraum groß und hell erscheinen. Der Ahrensböker Künstler Carl Frey hat die ehemals dunkelbraunen Profilhölzer Mitte der 1960er Jahre angemalt, und aufgrund der kleinen goldenen Elemente wirkt die Decke wie ein Sternenzelt. Die Kirche verfügt über wenig Schmuck, erscheint aber dennoch schmuckvoll.

„Die Bänke und das Gestühl auf den ansteigenden Emporen in den Querschiffen sind in hellblauen und grauen Farbtönen gehalten, die oft in skandinavischen Ländern zu sehen sind“,
sagt Jörn Kress. Die fünf
großen Fenster im Altarraum zeigen in bunten
Farben die Stadt Jerusalem, die Weihnachtsgeschichte, Christi Himmelfahrt, Pfingsten und sogar das Stadtbild von Plön mit dem Schloss, dem Kirchturm und den treppenartigen Giebeln der Häuser in der Fußgängerzone.

Wer erfahren möchte, wie das Kirchendach trotz fehlender Stützpfeiler von den recht dünnen Kirchenwänden von nur rund einem halben Meter gehalten wird, was mit dem ehemaligen Hochaltar und seinem Gemälde „Auferstehung Christi“ geschehen ist und warum der Altarraum für eine Vielfalt an Veranstaltungen nutzbar ist, der besucht eine der kostenlosen „Alternativen Kirchenführungen“, die dienstags um 11 Uhr und im Juli auch donnerstags um 11 Uhr stattfinden.  


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