„Zeigen, wo wir Spitze sind“

Gestalteten das Wirtschaftsforum in Plön: (v. li.) Moderator Jörn Meyer, Landrätin Stephanie Ladwig, Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz, Konsul Klaus-Hinrich Vater und Moderator Knut Voigt.
Gestalteten das Wirtschaftsforum in Plön: (v. li.) Moderator Jörn Meyer, Landrätin Stephanie Ladwig, Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz, Konsul Klaus-Hinrich Vater und Moderator Knut Voigt.

Dr. Bernd Buchholz, Wirtschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein, war zu Gast beim „Wirtschaftsforum Kreis Plön“

shz.de von
06. September 2018, 11:15 Uhr

Wie steht es um die Wirtschaft im Kreis Plön und im gesamten Bundesland Schleswig-Holstein? Diesem Thema widmeten sich die Wirtschaftsförderungsagentur Kreis Plön und die Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK) auf dem „Wirtschaftsforum Kreis Plön“, zu dem sie in das Plöner Schloss eingeladen hatten. Als Gastredner hatte man Dr. Bernd Buchholz, den Wirtschaftsminister des Landes, gewonnen, der sich nach ganztägiger Landtagssitzung auf der Abendveranstaltung als sehr gut aufgelegt präsentierte.

Der Minister sprach die gesamte Bandbreite der Wirtschaftsthemen an. Als Schwerpunkte nannte er dabei die Digitalisierung, den Tourismus, die Selbstdarstellung des Bundeslandes und die Zukunftsaussichten. Auch Landrätin Stephanie Ladwig und Konsul Klaus-Hinrich Vater, Präsident der IHK zu Kiel, hatten zuvor diese Themenbereiche sowie den Fachkräftemangel angesprochen.

„Wir sind ja in Wahrheit nicht schlecht und müssen zeigen, wo wir Spitze sind“, resümierte Buchholz trotz einiger angesprochener Mängel. Als Ausgangspunkt seiner Betrachtung nannte er die Wirtschaftsstruktur, die von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt sei. Im Land gebe es zwar 198 000 Unternehmen, doch nur vier Prozent davon hätten mehr als 300 Mitarbeiter. Das Bundesland erbringe nur 2,9 Prozent der Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik Deutschland und habe im Vergleich der westlichen Bundesländer die geringsten Durchschnittslöhne.

„Kleine Betriebe haben auch keine Forschungs- und Entwicklungsabteilungen“, betonte der Wirtschaftsminister. „Innovationen kommen daher oftmals von anderswo. Aber wir haben eine exzellente Wissenschaftsszene im Land. Wir möchten fördern, dass Unternehmen und Wissenschaft zusammen geführt werden.“ Allerdings gebe es im Land „auch tolle Unternehmen“, die man stärker in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit stellen müsse. „Unternehmensansiedlungen sind heutzutage nicht nur in Städten möglich. Die Digitalisierung macht auch den ländlichen Raum für innovative Betriebe interessant.“ Bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen, die einen schnellen Datenaustausch ermöglichen, liege Schleswig-Holstein bundesweit sogar an der Spitze, teilte Buchholz mit.

Als bedeutende Wirtschaftsbereiche nannte der Minister die Gesundheits- und Ernährungswirtschaft und wies auf gute Beispiele aus der maritimen Wirtschaft hin. Dennoch sei es auch wichtig, neue Industriearbeitsplätze zu schaffen. „Wir sollten Entwicklungen aus der Metropolregion Hamburg aufnehmen“, wünschte er. „Und auch die Möglichkeiten, die die künftige feste Fehmarnbeltquerung bietet, sollten wir bedenken. Jungen Startup-Unternehmen müssen wir sagen, ,wir bieten euch den Platz‘.“

Buchholz blickte ebenfalls auf die Entwicklung des Tourismus. „Schleswig-Holstein zählt zu den Top-Qualitätsanbietern in Deutschland“, betonte er. „Orte wie Scharbeutz oder Heiligenhafen haben eine sensationelle Entwicklung genommen. Das Binnenland hat jedoch noch einigen Nachholbedarf.“ Er empfahl den Orten im Binnenland, sich stärker gemeinsam als Urlaubsregion zu präsentieren. „In Plön ist das in dankenswerter Weise ja schon geschehen.“

Landrätin Stephanie Ladwig berichtete, dass über eine Million Übernachtungen in Unterkünften mit mehr als zehn Betten zu verzeichnen gewesen seien. „Zusätzlich gibt es noch die Übernachtungen in kleineren Unterkünften“, sagte sie. Die Vernetzung mit der Tourismuszentrale Holsteinische Schweiz sei erfolgreich. Positiv sei auch, dass der Tourismus in alle anderen Wirtschaftsbereiche ausstrahle. Ladwig hob die Bedeutung der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsagentur hervor. „Durch sie leisten wir einen Beitrag zur Wirtschaftsentwicklung im Kreis.“ Allerdings seien auch der Kreis und die Einzelunternehmen vom Fachkräftemangel betroffen.

Diesen Themenkomplex griff Klaus-Hinrich Vater auf. Eine Ursache sei „eine verfehlte Bildungspolitik“. Jeder meine, er müsse unbedingt das Abitur machen, vergesse dabei aber, dass eine duale Ausbildung in einem Beruf viele Chancen eröffne. „Es müssen doch nicht alle studieren“, erklärte er. „Wir müssen junge Menschen begeistern, eine Ausbildung zu machen.“ Das schließe eine anschließende ständige Weiterbildung natürlich nicht aus.

„Doch wie mache ich meinen Betrieb schick?“ Auch dafür hatte der Präsident der IHK einige Ratschläge zur Hand. „Junge Leute erwarten gute Rahmenbedingungen. Sie möchten einen sicheren dauerhaften Arbeitsplatz. Langfristigkeit und Perspektive sind gefragt.“ Der Verdienst stehe gar nicht mal an erster Stelle, betonte Klaus-Hinrich Vater.

Abschließend wies er auf die Wichtigkeit der guten Anbindung des Kreises Plön hin. Dies gelte für den Verkehr wie auch für die Breitbandversorgung. „Durch die Digitalisierung haben wir ganz andere Anforderungen als früher zu erfüllen“, sagte Vater. „Wir müssen die Digitalisierung als Chance sehen. Der Norden kann dadurch stärker werden, und das bestehende Nord-Süd-Gefälle kann abgebaut werden.“



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