Eutin : Zehn Jahre selbstständig mit der „Schnittstelle“

Das Team Am Rosengarten in Eutin mit Kahn Aali Khan (re.): Mohamad Fitahe (27, li.) und Narin Kader.
Das Team Am Rosengarten in Eutin mit Kahn Aali Khan (re.): Mohamad Fitahe (27, li.) und Narin Kader.

Kahn Ali Khan übernahm 2008 den Friseursalon Rönfeldt in Eutin. Zehn Jahre später hat er eine Filiale und ist deutscher Staatsbürger.

Avatar_shz von
15. November 2018, 15:19 Uhr

Fast 20 Jahre ist es her, dass Abdulwahed Khan zum ersten Mal deutschen Boden betrat. Ein Cousin vermittelte ihm 1999 Arbeit in einem Friseurgeschäft in München, vier Monate später zog Khan weiter nach Neumünster und später Kiel und arbeitete dort als Friseur.

Heute ist der 43-Jährige seit zehn Jahren mit seiner „Schnittstelle“ in der Eutiner Peterstraße selbstständig und besitzt seine erste Filiale Am Rosengarten.

Da er in Deutschland als Kahn Aali Khan bekannt ist, wie er sagt, lässt er den Namen gerade amtlich eintragen. Vor wenigen Tagen erst hatte Kahn Aali Khan seine deutsche Staatsbürgerschaft von der Kreisverwaltung entgegengenommen.

Das Handwerk habe er von seiner Familie gelernt. Das sei im Irak üblich. Schon als Schüler arbeitete er im Friseurgeschäft seiner Familie. Wenn er Zeit hatte, malte der junge Mann in seiner Heimatstadt Erbil Bilder. Er machte das Abitur und ging ins Friseurgeschäft.

Die politischen Unruhen unter Saddam Hussein und auch die gesellschaftliche Situation hätten ihn 1999 nach Deutschland getrieben. „Ich habe in meiner Heimat immer nur Kriegszustände gesehen“, sagt Khan.

Der größte kulturelle Unterschied für ihn sei damals der in Deutschland direkte Umgang zwischen Männern und Frauen gewesen. Der sei im Irak ungewöhnlich. Dort gingen die Schüler ab der 7. Klasse nach Geschlechtern getrennt zur Schule. Deshalb hätten viele Mädchen, die mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen seien, nicht zu einer weiterführenden Schule gehen dürfen. Das sei heute erfreulicherweise anders. Aber auch noch 1964 hätten sich die Frauen im Irak viel freier bewegen können, Studentinnen seien in kurzem Rock zur Universität gegangen. Der Irak habe sich leider zurückentwickelt.

Heute lebt der 43-Jährige mit seiner Familie mitten in Eutin. Seine Frau Narin Kader (34) arbeitet als Friseurin in der Filiale. Tochter Darin (14) und Sohn Dauan (9) gehen in der Stadt zur Schule. Nach dem Deutschen Recht sind Khan und Kader nicht verheiratet, das wollen sie bald ändern, des geringeren Aufwands wegen werden sie das aber wahrscheinlich in Dänemark tun, wie sie sagen.

Den Wechsel von München, Neumünster und später Kiel nach Eutin bereut Khan nicht. München sei extrem teuer. „Die Kleinstadt mit ihren kurzen Wegen ist praktischer als München. Hier ist alles, was wir brauchen.“ Nach einem Wunsch für Eutin befragt, antwortet Narin Kader spontan: „Bitte, schön bauen.“ Kahn Aali Khan fehlen die Angebote für Jugendliche. Es gebe keine Disco oder ähnliches. „Früher soll es hier mehr gegeben haben. Die jungen Menschen müssen nach Kiel oder Lübeck fahren.“

Khan hatte die „Schnittstelle“ übernommen, als sie noch im oberen Teil der Peterstraße gegenüber der Pflegeeinrichtung Protalis angesiedelt war, dann aber der Sanierung der Straße weichen musste. Khan übernahm zwei Mitarbeiterinnen. Eine von ihnen arbeite heute noch stundenweise bei ihm mit. Mit der Eröffnung der zweiten Filiale habe er einen Herren- und einen Damenfriseur einrichten wollen. Doch seine langjährige Mitarbeiterin habe an der Peterstraße bleiben wollen und die Kunden orientierten sich eher an Kriterien wie einem barrierearmen Zugang als der Trennung von Herren- oder Damenfrisör. So bedient Khans achtköpfiges Team beide Geschlechter, sowohl dort als auch in der Filiale.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen