Eutin : Zehn Jahre Hängepartie

Enttäuscht aber doch nüchtern rechnet Thomas Hüstreich mit dem endgültigen Scheitern seines Projekts „Gesundheitscampus“ im Eutiner Gewerbegebiet.
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Enttäuscht aber doch nüchtern rechnet Thomas Hüstreich mit dem endgültigen Scheitern seines Projekts „Gesundheitscampus“ im Eutiner Gewerbegebiet.

Drittes „Aus“ für Eutiner Gesundheitscampus? Mögliche Investoren sind abgesprungen – sie dürfen kein Einzeleigentum bilden

shz.de von
26. Januar 2018, 11:38 Uhr

Dem geplanten Gesundheitscampus von Thomas Hüstreich (A-K-Tiv) droht zum dritten Mal und nun wohl endgültig das Aus. Der Sportunternehmer ist bereit, der Stadt sein Grundstück zu verkaufen.

Das teilte Hüstreich gestern Journalisten mit und erklärte: Zwei Großinvestoren seien abgesprungen, weil Eutin die Bildung von Einzeleigentum im Wohnbereich des Campus nicht zulassen wolle und das Wohnen an den Betrieb gekoppelt wäre. Sprich: Wollte ein Investor später einen Teil des Campus kaufen, vielleicht den Therapiebereich, müsste er den gesamten Campus erwerben.

Die beiden potenziellen Geldgeber sprangen ab, weil sie Eutin als Investitionsstandort etwa im Vergleich mit Lübeck für zu schwierig hielten, wie Hüstreich sagte. Der Bauunternehmer Andreas Cordes bestätigte das. Ihn habe das Projekt interessiert, sagte er gestern dem OHA, dann habe er aber doch davon Abstand genommen: „Es ist für mich nicht mehr interessant, weil ich kein Einzeleigentum bilden kann, was für mich als Geschäftsmann aber erforderlich ist.“

Eutins Stadtmanagerin Kerstin Stein-Schmidt sagte gestern auf Nachfrage nur, dass Einzeleigentum laut Stadtbauamt in einem Gewerbegebiet nicht vorgesehen sei.

Damit steht das 20-Millionen-Euro-Vorhaben von Hüstreich da, wo es schon zweimal stand, zuletzt im November 2016: Die Stadt wird es, wenn sie sich treu bleibt, nicht genehmigen. Die Enttäuschung ist Hüstreich anzumerken. Zwar habe ein Gutachter in einer Sitzung mit Vertretern der Stadtverwaltung noch die Einhaltung der Lärmschutzvorgaben auch für nachts zugesichert – eine der Nachbesserungen, die Hüstreich bis Ende 2017 hatte liefern müssen. Doch durch den Rückzug der potenziellen Investoren rechnet Hüstreich nun nicht mehr mit einer Zusage seitens der Stadtvertreter.

Denn nur, wenn die zwei Hektar Fläche des Physio- und Fitnesszentrums vom Sonder-Nutzungs-Gebiet zum Gewerbegebiet umgewidmet würden und der Verkauf einzelner Wohnungen später möglich sei, könne er sein Vorhaben umsetzen – dann auch als Alleininvestor, fügte Hüstreich hinzu.

Der Gesundheitsberater im Sport und Trainer (A-Lizenz) möchte Wohnraum in Verbindung mit Betreuung und Bewegung auf der Grundlage des Konzepts „Active Assisted Living“ anbieten. Mit dem AAL-System soll mit Hilfe auf den Nutzer ausgerichteter Technik älteren oder körperlich beeinträchtigten Menschen das Leben erleichtert werden. Der medizinische Therapie- und Trainingsbereich würde um eine Fortbildungsstätte ergänzt werden. Den ersten Antrag für den notwendigen Umbau des Fitnesszentrums stellte Hüstreich 2011. Damals hatte sich der Planungsausschuss einstimmig dafür ausgesprochen. Die Bedenken waren erst von Eutins Bauverwaltung eingebracht worden.

Hüstreich hat die Stadtverwaltung von der jüngsten Entwicklung unterrichtet. Der Ausschuss für Stadtentwicklung wird in der Sitzung am 1. Februar um 18 Uhr im Bauamt offiziell davon erfahren. Hüstreich hofft, dass die Stadtvertreter bald zu einer Entscheidung kommen und diese klar formulieren werden. „Eutin nach vorne zu bringen, ist extrem schwierig“, lautet ein Fazit von ihm.

In dem Projekt Gesundheitscampus stecken zehn Jahre Arbeit, Investitionen von rund 150 000 Euro und zahllose Gespräche. Der 57-Jährige will sein Vorhaben, einen Sport-, Therapie- und Wohncampus mit Fortbildungszentrum zu etablieren, dennoch nicht aufgeben. Dann setze er das eben andernorts um.

Die zehnjährige Hängepartie nimmt Hüstreich trotz aller Enttäuschung sportlich: „Ich bin für weitere Gespräche offen.“ Der Stadt hat der Unternehmer sein insgesamt drei Hektar großes Gelände angrenzend an ein FFH-Gebiet zum Kauf angeboten. „Für drei Millionen Euro kann sie es haben“, sagte der Gesundheitsberater. Für den Fall, dass die Stadt tatsächlich Interesse haben sollte, hat sich Hüstreich bereits umgesehen und ein anderes, leer stehendes Objekt in der Innenstadt ins Auge gefasst.

Seinen Kunden im Therapie- und Fitnesszentrum versicherte Thomas Hüstreich: „Hier geht es wie bisher weiter. Nur belassen wir es erst einmal bei Modernisierungen.“ Langfristig wolle er über die Zukunft seines Therapie- und Fitnesszentrums in Verbindung mit dem Erfolg seiner Vorhaben in Schleswig-Holstein und Niedersachsen entscheiden.

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