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Ostholsteiner Anzeiger

20. November 2017 | 09:06 Uhr

Eutin : Zehn Jahre am Steuer des Bücherbusses

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Volker Andresen ist seit zehn Jahren kraftfahrender Büchereiverwaltungsangestellter.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2016 | 06:45 Uhr

„La Cucaracha“ – als die unverkennbare mexikanische Melodie laut über die Dorfstraße trötet, kommen die Bewohner Güldensteins aus ihren Häusern, mit Leinenbeuteln und Strohkörben, bis an ihre Belastungsgrenze mit Büchern gefüllt. Seit zehn Jahren betätigt Volker Andresen nun schon das Folgetonhorn beim Einfahren in die Dörfer und Städte mit dem Bücherbus. „Einen besseren Job kann man gar nicht haben,“ sagt der 44-Jährige. Nachdem er den Bus geparkt hat, öffnen sich die Türen für die wartenden Kunden, die nicht nur Bücher abgeben, sondern auch neue ausleihen wollen. Volker Andresen nimmt hinter einem kleinen Tisch, auf dem der Bibliothekscomputer – dem Verwaltungssystem der Fahrbücherei – steht, Platz.

„Ah, ein neuer Landwirt“, stellt Andresen schmunzelnd fest, als er die Bücher des kleinen Erik einscannt, darunter „Traktoren“ und „Neue Schlepper Klassiker“. Doch der Vierjährige ist längst wieder im hinteren Teil des Busses verschwunden, um nach weiterer Lektüre zu suchen. „Diese strahlenden Gesichter zu sehen, wenn sie ein spannendes Buch gefunden haben, das ist das Schönste an meinem Job“, erklärt Andresen, als Erik ihm schon die nächste Errungenschaft, ein Buch mit dem Titel „Die Feuerwehr“, entgegenstreckt. „Man kennt die Kinder, die in den Bücherbus kommen, teilweise schon von klein auf“, sagt der Vater zweier erwachsener Töchter. „Viele kommen als Kleinkinder, ab der 5. Klasse sieht man sie eine Weile nicht mehr, und mit 14 Jahren stehen sie dann wieder hier im Bus und man denkt sich: ‚Dich kenn ich doch.‘ Dann klönt man mit den Eltern, wie schnell die Zeit vergeht“, sagt Andresen lachend. Es bleiben nur 15 Minuten in Güldenstein, aber für einen kurzen Schnack mit den Kunden hat Andresen immer Zeit. „Man kennt sich eben, weiß nach den Jahren einiges über die Familien, Scheidungen, Beerdigungen und Geburten.“ Claudia Schatte nutzt das Angebot des Bücherbusses und den Service Volker Andresens seit vier Jahren: „Volker ist immer freundlich und zuvorkommend. Und er sagt mir , welche Filme gut sind.“ Ein Bücherwurm sei er nicht, sagtVolker Andresen, „ich bin eher der Handwerker“. Darum lese er pro Jahr auch nur etwa sechs Bücher. Sein letztes Buch: der Krimi „Mord am Leuchtturm“.

Im Jahre 2006 hatte sich der gelernte Fleischermeister auf eine Stellenanzeige der Fahrbüchereien Schleswig-Holstein beworben. „Leider habe ich den Zuschlag nicht bekommen.“ Zwei Wochen später bekam er jedoch das Angebot, als Krankheitsvertretung in Eutin einzuspringen. „Niemand wusste, wie lange das sein würde. Aber das war mir egal.“ Am 2. Mai 2006 startete Andresen seine neue Karriere als Büchereiverwaltungsangestellter und zugleich Kraftfahrer. Drei Jahre sollte es dauern, bis aus der Krankheitsvertretung eine Festanstellung wurde. Aber das Warten habe sich gelohnt, versichert Andresen: „Das mache ich bis zur Rente, wenn ich darf.“

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