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Ostholsteiner Anzeiger

21. August 2017 | 03:13 Uhr

Eutin : Zaunpflege im Küchengarten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schlossfreunde nehmen ihre Aktivitäten in einem Teil des Schlossgartens wieder auf: Ein 60 Meter langer, vor vier Jahren gepflanzter Zaun wurde wieder in Form gebracht.

Dietmar Nass ist begeistert. „Das ist hier wirklich ein Kleinod. Ich habe nicht geahnt, dass es so etwas schönes in Schleswig-Holstein gibt“, sagt der Lehrer der Norddeutschen Fachschule für Gartenbau in Ellerhoop und blickt sich im Küchengarten um, der Teil des Eutiner Schlossgartens ist.

Während Nass über die künftige Gestaltung des Areals spricht, das von roten Mauern gesäumt und auf einer Seite von der aufwendig restaurierten Orangerie gekrönt wird, macht ein Süddeutscher auf einen Superlativ aufmerksam: „So etwas wie den lebenden Zaun hier gibt es meines Wissens nach nirgendwo anders“, merkt Hermann Fritz Block an.

Block, einst Leiter der Stadtgärtnerei Bad Wildungen und seit 1996 in Bad Grönenbach (Allgäu) lebend, ist Spezialist für „Pflanzenarchitektur“. Der Autor des Buches „Wir pflanzen eine Laube“ hat die Methode, Bäume miteinander zu verknüpfen, über Jahre entwickelt.

Block war schon im März 2010 dabei, als der lebende Zaun im Küchengarten als Abgrenzung zwischen Nutzgarten und einem damals vom städtischen Baubetriebshof als Schuttplatz genutzten Teil des Geländes angelegt wurde. Aktive aus dem Freundeskreis Eutiner Schloss und Schüler der Wisser-Schule waren vor viereinhalb Jahren an dem Zaunbau beteiligt.

Die Schloss-Freunde haben gestern nach einem Jahr Pause wieder einmal Pflegearbeiten an dem fast 60 Meter langen Zaun vorgenommen. Differenzen mit der Schloss-Stiftung hätten vergangenes Jahr das ehrenamtliche Engagement im Küchengarten gebremst, erzählt Dr. Lutz Werner. Er ist ehemaliger Vorsitzende des Vereines.

Nun gebe es bei dem Versuch, den Küchengarten zu revitalisieren, einen neuen Anlauf, ergänzt der amtierende Vorsitzende Dr. Wolfdieter Schiecke. Vereinsmitglieder wollen den lebenden Zaun wieder regelmäßig pflegen, der zweimal im Jahr beschnitten werden müsste. Fachliche Hilfe leistet Dr. Hermann Buchwald (Krummsee).

Für diesen 60 Meter langen Zaun waren März 2010 einige hundert Heister – so nennt der Experte junge, bereits zweimal verpflanzte Laubbäume – gesetzt worden, die von Trieben befreit waren. Die Hölzer wurden so geführt, dass sie wie ein Jägerzaun ein Gitter aus Rauten bilden, und viele sind an den Knotenstellen miteinander verwachsen.

Vor vier Jahren seien acht verschiedene Hölzer mit der Absicht gepflanzt worden, ihre Tauglichkeit zu beobachten. Mittlerweile sei klar, dass zum Beispiel Hainbuche und Birke ganz hervorragend mit anderen Hölzern verwachsen, während Winterlinde und Kornelkirsche für lebende Zäune ungeignet seien. Werner: „Wir wollen trotzdem alle Hölzer lassen, um die Unterschiede zu zeigen.“

Hermann Fritz Block ist sicher, dass es einen derartigen lebenden Zaun zurzeit nirgendwo anders gibt. Die Schlossfreunde hoffen nun, dass im Küchengarten die barocken Strukturen wieder sichtbar werden – zu denen der lebende Zaun passe.

Dafür notwendige Pflanzen werden gerate in der Fachschule für Gartenbau in Ellerhoop gezogen: Sogenannte Kesselbäume. Das sind Obstbäume (Apfel, Birne und Kirsche) mit einer offenen Krone, die seit dem Barock aus der Mode gekommen sind. „So etwas macht kein Mensch mehr“, berichtet Dietmar Nass, „deshalb haben wir das mal versucht.“ Etwa 30 Bäume warteten in Ellerhoop darauf, einen neuen Standort in einem Eutiner Küchengarten zu finden.

 

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erstellt am 08.Aug.2014 | 04:00 Uhr

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