Zarnekau: Ringreiten steht vor dem Aus

Das Ringreiten in Zarnekau  ist beim Publikum beliebt und war bisher ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Feuerwehr. 2015 aber soll das Fest ausfallen.
Das Ringreiten in Zarnekau ist beim Publikum beliebt und war bisher ein Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Feuerwehr. 2015 aber soll das Fest ausfallen.

Feuerwehr beschließt einstimmig Verzicht auf die Veranstaltung im nächsten Jahr

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17. Dezember 2014, 15:55 Uhr

Die Schule ist seit 40 Jahren weg, der Kaufladen und die letzte Gastwirtschaft sind auch schon lange geschlossen. Während in jüngster Vergangenheit in Zarnekau die Einwohnerzahl stetig zugenommen hat, sind Einrichtungen und Arbeitsplätze in Handwerk und Landwirtschaft verschwunden. Als nächstes droht einem traditionellen Fest mit überregionaler Bedeutung das Aus: Die Freiwillige Feuerwehr hat in einer Dienstversammlung einstimmig beschlossen, im kommenden Jahr kein Ringreiten zu organisieren.

„Ich kann nicht ausschließen, dass in diesem Jahr das 33. Zarnekauer Ringreiten auch das letzte gewesen ist", sagte danach Wehrführer Maik Kramp. Den klaren Beschluss der offiziell 23 aktiven Mitglieder, von denen 17 anwesend waren, haben mehrere Gründe befeuert: Wachsende Ausgaben für die Gema, Versicherungen und Verwaltungsgebühren, eine sinkende Zahl von Helfern und die Verunsicherung über die Zukunft der Kameradschaftskasse.

Vordergründig gab allerdings den Ausschlag, dass die Wehr am 20. Juni 2015 das 25-jährige Bestehen der Jugendfeuerwehr und ihr eigenes 120-jähriges Bestehen groß feiern will. Dazu werden aus dem bayrischen Pertolzhofen Mitglieder der Feuerwehr, die Blaskapelle und eine Rockband erwartet.

Große Feste gab es auch schon in der Vergangenheit, das Ringreiten war trotzdem nicht ausgefallen. Die Entscheidung, nächstes Jahr aufs Ringreiten zu verzichten, fiel nach intensiver und teilweise leidenschaftlicher Diskussion: Allen war klar, dass dies ein endgültiges Aus für die Veranstaltung sein könnte.

Der enorme Arbeitsaufwand für Vorbereitung, Ausrichtung und Abbau beim Ringreiten, der fast eine Woche Arbeit fordere, stehe in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen, die sich der Null näherten, sagte der Wehrführer. Zu schaffen machten der Wehr wachsende Ausgaben für Haftpflicht-Versicherung, Verwaltungsgebühren und seit zwei Jahren auch noch Gema-Gebühren für die Musik. Kramp: „Wir hatten immer traditionelle Blasmusik. Stücke von Komponisten, die länger als 80 Jahre tot sind, waren früher gemafrei. Das ist seit zwei Jahren vorbei.“ So seien der Wehr für die Umzüge zur Abholung des Schützenkönigs jeweils um die 50 Euro in Rechnung gestellt worden und für die Veranstaltung zusätzlich eine Pauschale zwischen 169 und 180 Euro. Kramp: „Zu der Gema kommt ja noch das Honorar für die Musiker dazu.“

Auf der Einnahmenseite macht sich ein langsamer, aber steter Rückgang bei der Teilnehmerzahl am Ringreiten und damit bei der Startgebühr bemerkbar. Mit Reiterzahlen, die zwei Mal über 100 lagen, war Anfang dieses Jahrtausends das Zarnekauer das größte Ringreiten in Schleswig-Holstein. In den vergangenen vier Jahren waren noch etwa halb so viele Pferdesportler zur Jagd nach Ringen gekommen.

Es gibt aber noch einen Grund, der den Zarnekauern die Freude an der Ausrichtung von Festen verleidet: die jüngsten Hinweise auf neue gesetzliche Regelungen für die Kameradschaftskassen. Jugendwart Timo Plath, Mitarbeiter des Finanzamtes, fasste in der Dienstversammlung zusammen: „Die Freiwillige Feuerwehr ist eine Einrichtung der Gemeinde. Damit gehört eigentlich auch das Geld in der Kameradschaftskasse der Gemeinde. Theoretisch hätte die Gemeindevertretung die Möglichkeit, über das Geld zu bestimmen.“ Das sei aber das letzte, was sich die Wehr angesichts des sehr angespannten Verhältnisses mit Teilen der Gemeindevertretung wünschen könne.

Ein Ausweg aus dem Dilemma: Die Gründung eines Fördervereines für die Feuerwehr, der zwar dem Finanzamt Rechenschaft ablegen müsste, nicht aber der Gemeinde. Nur: „Es müssen sich Mitglieder finden für diesen Verein und ein Vorstand, das ist alles wieder zusätzlicher Aufwand und zusätzliche Zeit“, gibt Kramp zu bedenken. Das alles trage nicht dazu bei, ehrenamtliches Engagement bei der Feuerwehr zu erleichtern und zu fördern.


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