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Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 06:26 Uhr

Stendorf : Zankapfel B-Plan 7

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Kasseedorfer Bauausschuss konnte sich über ein lange betriebenes Bauleitplanverfahren für Stendorf nicht einigen.

Mit einem Patt endete Dienstag im Kasseedorfer Bauausschuss die Abstimmung über den B-Plan 7, mit dem Stendorf als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen worden wäre. Unklar blieb, warum wirklich eine Hälfte der Gemeindevertreter für eine Verschiebung der Entscheidung plädierte.

Seit 1963 betreibt ein Lensahner Unternehmer wenige hundert Meter vom Gut Stendorf entfernt ein Asphaltmischwerk samt Kiesabbau. Wegen einer Modernisierung des Betriebes war die Gemeinde 2013 in eine Bauleitplanung, den B-Plan 14, für das Industriegebiet eingestiegen. Im gleichen Atemzug nahm man auch die Arbeit am 2002 auf Eis gelegten B-Plan 7 wieder auf. Mit ihm sollen die denkmalgeschützten Wohngebäude des Gutes Stendorf als allgemeines Wohngebiet ausgewiesen und der Bau weiterer Gebäude im Stil der Bestandsbauten ermöglicht werden.

Dienstag sollte eigentlich der endgültige Satzungsbeschluss für den B-Plan 7 fallen. Doch die SPD-Fraktion stellte den Antrag, das wieder von der Tagesordnung zu nehmen. Begründung: In der vergangenen Woche seien in einem Gespräch mit dem Planungsbüro zum B-Plan des Asphaltmischwerkes Probleme mit der Höhe der Schallemissionen auf den Tisch gekommen. Die Werte überstiegen die nächtlich zulässige Grenze von 40 um ein Dezibel.

Das Dilemma, so der Ausschussvorsitzende Mirko Strunge (SPD): Eine Planung dürfe eine andere nicht einschränken. Zudem weise der Flächennutzungsplan Stendorf bereits als allgemeines Wohngebiet aus. Strunge war bemüht, deutlich zu machen, dass der Planer Andreas Nagel und die Verwaltung geraten hätten, den Satzungsbeschluss für den B-Plan 7 zurückzuhalten, weil die Auswertung des Schallgutachtens und mögliche Lösungen dieses „planerischen Problems“ Zeit in Anspruch nähmen.

Die zahlreich zur Sitzung gekommenen Stendorfer Anwohner und die Vertreter von CDU und WUB sahen darin eher einen Winkelzug des Unternehmers. Lothar Moos (WUB) sah keinen Grund, den Satzungsbeschluss für Stendorf nicht zu fassen. Alle Fristen seien eingehalten und keine Einsprüche erhoben worden. Für die nun dem Planer zugeschrieben Empfehlung, mit einem Beschluss zu warten, fand der WUB-Fraktionsvorsitzende klare Worte: „Wo die Felle wegschwimmen, kommt der durch die Hintertür. Irgendjemand spielt falsch.“

Auch Martin Boesmann (CDU) nannte das Vorgehen von Verwaltung und Bürgermeisterin Regina Voß (SPD) „völlig nebulös“ und zielte dabei auch auf den Informationsfluss. Das Gespräch zum B-Plan 14 habe nachmittags stattgefunden, daran hätten viele arbeitende Gemeindevertreter nicht teilnehmen können. Und das Schreiben des Unternehmers vom 8. Mai, in dem er mit der Forderung nach einer 45-Dezibel-Grenze faktisch auch die Herabstufung des allgemeinen Wohngebietes zum Mischgebiet fordere, habe ihn erst einen Tag vor der Sitzung per Mail erreicht.

Falk Herzog (WUB), der als Betroffener an der Ausschussberatung nicht teilnehmen durfte, äußerte sich in einer Sitzungsunterbrechung als Anwohner. Nach seiner Wahrnehmung wollte der Planer mit dem Gespräch zum Schallgutachten den Weg für eine Änderung des F-Planes für den Bereich des Gutes Stendorf ebnen. An die SPD stellte er die Frage, warum diese von ihrer deutlichen Haltung für ein allgemeines Wohngebiet so kurz vorm Ziel abrücke und welche Rolle der Planer spiele?

Der sei zwar von der Gemeinde beauftragt, werde aber vom Investor bezahlt. „Das ganze hat für mich langsam ein Geschmäckle“ pflichtet er Lothar Moos bei. Ähnlich äußerten sich Anwohner, denen nicht einleuchten will, was der B-Plan 7 mit dem Mischwerk zu tun hat. Angesichts des geltenden Bestandsschutzes wäre das eine Dezibel über dem Grenzwert doch unkritisch. Nur wenn vom allgemeinen Wohngebiet abgerückt werden solle, mache eine Verzögerung Sinn, hieß es.

Dies wiesen jedoch alle Fraktionen einschließlich der SPD von sich. Alle wollten am Status Stendorfs festhalten. Dennoch gab es bei der von Lothar Moos geforderten Abstimmung zum Satzungsbeschluss keine Mehrheit, sondern ein Patt zwischen SPD sowie CDU und WUB. Mit sechs Stimmen der CDU und SPD wurde der B-Plan 7 an die Gemeindevertretung übergeben, die am 24. Juni tagt. Die Anwohner übergaben der Bürgermeisterin Regina Voß eine kurzfristig erfolgte Unterschriftensammlung mit dem Wunsch, endlich einen B-Plan zu beschließen.

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erstellt am 22.Mai.2014 | 14:30 Uhr

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