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Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 18:48 Uhr

WVE bittet um eine Denkpause

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kaufleute möchten, dass die Stadtsanierung dem Einzelhandel keinen Garaus macht / Menke befürwortet Straßen-Überdachung

Es ist von großer Sorge, sogar von Existenzangst die Rede. Und von verschiedenen Wegen, auf denen Eutiner Geschäftsleute versuchen, eine mutmaßliche Gefahr abzuwenden: Über Jahre gehende Bauarbeiten zur Sanierung von Peterstraße, Markt und Königstraße. „Was nutzt es uns, wenn wir am Ende einen neuen Straßenbelag haben, aber keine Geschäfte mehr?“, fragt Thomas Menke, stellvertretender Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Eutin (WVE).

Der Vorstand hatte gestern zum Pressegespräch geladen (siehe auch Seite 1). Das Ziel, wie Menke offen bekannte: Keine Konfrontation, keine schlechte Stimmung. Sondern eine positive Botschaft: Die Kaufleute freuten sich über die Impulse, die mit der Landesgartenschau gesetzt worden seien, und sie befürworteten auch eine Stadtsanierung. Allerdings hegten sie die begründete Furcht, dass über drei Jahre gehende Bauarbeiten dem ohnehin unter Druck stehenden Einzelhandel den Garaus machen könnten.

Menke weiter: „Der Citti-Park in Lübeck rüstet auf, das Luv-Center soll erweitert werden, das Outlet-Center
in Neumünster wird vergrößert, und das Gewerbegebiet in Raisdorf ist – was kaum jemand weiß – die größte ,grüne Wiese‘ in der Bundesrepublik.“ Hinzu komme, dass der Einzelhandel in den Ostseebädern stärker geworden sei. „Dort wird klar die neue Strategie gefahren, dass die Gäste im Ort gehalten werden sollen, auch bei schlechtem Wetter nach dem Motto Strand oder Gastronomie und Shoppen.“

Und nicht zuletzt, so ergänzt der designierte WVE-Vorsitzende Hans-Wilhelm Hagen, habe der Online-Handel eine Bedeutung gewonnen, die man sich vor drei Jahren gar nicht habe vorstellen können, als die Überlegungen zu der Stadtsanierung begonnen hätten.

Wie bei der Diskussion über die neue Verkehrsstrategie hoffe der Vorstand der WVE auf die Bereitschaft von Stadtvertretung und Verwaltung, gemeinsam mit der WVE und Fachleuten der IHK sowie Vertretern des Landes über eine neue Strategie nachzudenken: „Wir wünschen uns eine Denkpause“, sagt Hagen, und auf die Frage, wie lange diese Pause sein soll, ergänzt Klaus Wietfeld: „Die Dauer ist nicht entscheidend, da kann eine zweitägige Klausur reichen.“ Entscheidend sei, dass am Ende dieses Prozesses ein Konzept stehe, das von allen getragen werde. Eutin müsse als Einkaufsstadt und Touristenziel ein Alleinstellungsmerkmal finde.

Thomas Menke empfiehlt eine Überdachung von Straßen als gute Idee, die er schon einmal in einer Kleinstadt in den Niederlanden gesehen habe: „So etwas gibt es in Schleswig-Holstein noch nicht“. Bevor man mit der Peterstraße anfange, könnte man zu Beginn die Twieten zwischen Markt und Stadtgraben überdachen, was nach seiner Schätzung 400  000 Euro pro Twiete koste – allerdings nicht so, wie der Hofmeier-Gang überdacht wurde: „Genau so sollte es nicht sein.“ Es gebe noch viel mehr Ideen, und die WVE hoffe, diese in einem intensiven Dialog auch einbringen zu können.

Am Ende des Pressetermins leidet kurz die Harmonie, das Thema Bürgerbegehren zum Stopp der Stadtsanierung bringt Menke in Harnisch, weil dieser Weg keine Strategie der WVE sei – „und wir haben dabei 90 Prozent der Mitglieder hinter uns“. Allerdings ist gehört mit Marcus Gutzeit auch ein Vorstandsmitglied der WVE zu den Initiatoren des Bürgerbegehrens. Hagen beschwichtigt: Es sei verständlich, dass Menschen aus Sorge um ihre Existenz diesen Weg einschlügen, aber die WVE setze auf Dialog.

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erstellt am 23.Dez.2016 | 12:32 Uhr

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