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Anwohner gegen Biker : Wut über illegale Motocross-Fahrten bei Malente

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Lärmgeplagte Anwohner in Ostholstein sehen sich von Crossfahrern in einer alten Kiesgrube gestört. Sie fordert konsequenteres Durchgreifen.

Malente | Der Unmut hat sich über eine lange Zeit angestaut. In einem dringenden Appell entlud er sich in der Einwohnerfragestunde der Gemeindevertretung in Malente (Ostholstein). Thema war die alte Kiesgrube am Malkwitzer Wald. „Dort wird seit Jahren mit Geländemotorrädern und Quads ohne Genehmigung gefahren“, kritisierte Prof. Gerd Neumann. Er gehörte zu einer zehnköpfigen Gruppe um Dorfvorsteher Norbert Neu, die zur Sitzung gekommen waren.

Die Hügel und Kurven in Ostholstein sind bei Bikern beliebt. Verlassene Kiesgruben sind für Crossfahrer eine Gelegenheit, ihre Maschinen auszureizen ohne andere zu gefährden oder Biotope zu zerstören. Legale Crossstrecken sind kaum vorhanden.

Bei den Fahrten, oft mit „aufgebohrten Auspufftöpfen“, entstehe penetranter Lärm, viele Malkwitzer litten darunter. Das Problem sei bislang nicht gelöst worden, klagte Neumann. Im Gegenteil: „Es ist sogar so, dass die Fahrten immer mehr zugenommen haben.“ Zwar hätten die umliegenden Dorfschaften – Malkwitz, Sieversdorf und Neukirchen – schon versucht, das Gelände abzusperren, doch ohne Erfolg, weiß Neu. Absperrungen würden abgeräumt und auch die Polizei habe kaum eine Chance. Die Motorradfahrer flüchteten einfach durch den Malkwitzer Wald.

Mittlerweile werde auch immer mehr im Wald und auf den umliegenden Feldwegen gefahren, erklärte Neumann. „Wir haben keine Chance, die Fahrten zu stoppen.“ Die Fahrer seien unter ihren Helmen und mit zugeschmierten Nummernschildern nicht zu erkennen. Auf Ansprache reagierten sie teilweise aggressiv.

Seit Jahren sei der Motorradlärm immer wieder Thema auf den Dorfschaftsversammlungen. Die Probleme seien der Gemeindeverwaltung und einigen Gemeindevertretern daher bekannt. Doch passiert sei bis jetzt nichts, klagte Neumann. „Wir werden mit diesen Problemen alleine gelassen.“ Bereits vor bald einem Jahr habe der Dorfvorstand einen Brief an Bürgermeister Michael Koch geschrieben und die Problemlage geschildert.

Bürgermeister Koch entgegnete, er habe beim Eigner der Kiesgrube, die nach Informationen des Ostholsteiner Anzeigers Peter Stamer gehört, um ein Gespräch gebeten, an dem auch die Dorfvorsteher teilnehmen sollten. Doch bislang habe der Eigentümer nicht reagiert.

Die Kiesgrube liege in einem Landschaftsschutzgebiet, hatte Neumann zuvor erläutert. Dort sei eigentlich jeglicher Lärm verboten. „Es ist ein rechtsfreier Raum entstanden“, klagte er. Er stellte zahlreiche Fragen: Warum seien keine Schritte gegen den Lärm unternommen worden? Warum habe sich der Umweltausschuss der Gemeinde nicht mit dem Thema befasst? Warum befasse sich die Untere Naturschutzbehörde des Kreises nicht mit dem Problem? Was täten die Eigentümer der Kiesgrube, um die Fahrten zu unterbinden?

Neumann listete eine ganze Reihe von Rechtsvorschriften auf, die gebrochen würden, vom Immissionsschutzgesetz über das Gewerberecht bis zum Ordnungsrecht. Koch selbst sprach von einer „Vielzahl von Gesetzesverstößen“.

Doch Neumann fordert mehr als nur ein Ende des Lärms, es müsse generell über die Zukunft des Geländes gesprochen werden: „Es ist kein Versuch unternommen worden, eine zielführende Vorstellung zu entwickeln, was mit der Grube passieren soll“, kritisierte er. Dabei handele es sich um ein landschaftlich reizvolles Gebiet mit größeren Wasserflächen, das Entwicklungspotenzial biete.

Wie groß der Leidensdruck inzwischen ist, machte Erika Echterhof deutlich: „Ich bin sowas von zornig, dass da überhaupt nichts passiert.“ Ein Bohrer beim Zahnarzt sei gar nichts dagegen, beschrieb sie den Lärm der Cross-Maschinen. Es werde vier bis fünf Stunden gefahren, auch feiertags und in der Mittagsruhe. Wandergruppen oder auch Radler hätten vor den Motorradfahrern bereits Reißaus genommen. Insofern schade der Lärm auch dem Tourismus in der Gemeinde.

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erstellt am 19.Mär.2016 | 04:00 Uhr

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