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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 04:30 Uhr

Wüstes Gepöbel nach Jägermeister-Gelage

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 14:06 Uhr

Es war eine regelrechte Kanonade übler Beschimpfungen: Die Wortwahl eines 18-Jährigen aus Timmendorfer Strand war offenbar auch für hartgesottene Beamte zu viel. „Ich habe zuvor in Lübeck gearbeitet, aber in dem Ausmaß hab ich das auch da noch nicht erlebt“, erinnerte sich ein 31-jähriger Polizist gestern vor dem Eutiner Amtsgericht. Dort musste sich der 18-Jährige wegen Beleidigung verantworten. Die Quittung für sein Verhalten: 30 soziale Arbeitsstunden.

Die Anzahl der Beschimpfungen, die der Vertreter der Staatsanwaltschaft in der Anklage auflistete, ist beachtlich und größtenteils nicht druckreif: „Scheißbulle“ und „dickes Bullenschwein“ waren noch die harmloseren Worte. Vor Gericht konnte oder wollte sich der Angeklagte daran nicht mehr erinnern. Er sprach von einem Filmriss, was durchaus glaubhaft erscheint. Dann als der bislang unbescholtene junge Mann am 14. Juni dieses Jahres die Beleidigungen ausstieß, lag er wegen Verdachts auf Alkoholvergiftung auf der Trage eines Rettungswagens. Zuvor hätten er und andere Partygästen in Scharbeutz jeweils eine 0,75-Liter-Flasche „Jägermeister“ geleert – und das bereits in angetrunkenem Zustand, wie er berichtete. Siebeneinhalb Stunden nach dem Vorfall hatte er noch 1,2 Promille Alkohol im Blut.

Da er sich aggressiv gebärdete, half die Polizei den Sanitätern, konnte den Angeklagten aber jeweils nur kurz beruhigen. Er sei immer wieder von der Trage hochgeschnellt und habe aufs Neue gewütet, erinnerte sich der Beamte, der als Zeuge aussagte. Der Angeklagte nutzte die Chance, sich im Gerichtssaal zu entschuldigen: „Kommt nicht wieder vor“, versprach der nun zurückhaltend wirkende Timmendorfer. Amtsrichter Otto Witt nutzte die Gelegenheit, diesem ins Gewissen zu reden: „Weil Sie sich eine Flasche Jägermeister reinknallen, müssen die Beamten mit fünf Leuten anrücken und sich so beleidigen lassen.“

Witt machte dem Angeklagten klar, dass angesichts der Qualität der Beleidigungen eine Geldbuße von 300 Euro oder eine entsprechende Zahl von Sozialstunden unausweichlich seien. Der junge Mann, der sich derzeit mit einem Praktikum auf eine Lehre im Handwerk vorbereitet, entschied sich ohne Zögern fürs abarbeiten. Dafür beließ es Witt bei einer Verwarnung und stellte das Verfahren vorläufig ein.

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