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Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 20:29 Uhr

Wochenmarkt beginnt am 26. August 1719

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

von
erstellt am 17.Sep.2014 | 12:47 Uhr


Der zweite Eutiner Wochenmarkt


Nach über 100 Jahren war der erste Wochenmarkt in Vergessenheit geraten, denn der Stadtmagistrat stellte im Frühjahr 1832 an die Großherzogliche Regierung in Eutin folgenden Antrag: „Es ist mehrfach der Wunsch ausgesprochen, auch in unserer Stadt einen Wochenmarkt, wie er schon seit mehreren Jahren in unseren Nachbarstädten besteht, eingerichtet werden möge….Die Einwohner möchten den größten Teil ihrer nötigsten Lebensbedürfnisse leicht, gut und nicht überteuert kaufen können.“

Der Magistrat wies zusätzlich auf die kommerziellen Beziehungen zwischen den Stadt- und Landbewohnern hin, die durch Verkauf und Kauf der Handelswaren die für beide Teile nötige Existenzsicherung gewährleiste.

Die Regierung stimmte zu und schlug vor, wöchentlich zwei Markttage abzuhalten. Die Stadt wollte jedoch erst den Erfolg eines Markttages abwarten und später darauf zurückkommen.

Am 25. April 1832 machte dann der Magistrat das von der Regierung genehmigte „Reglement für den in der Stadt Eutin errichteten Wochenmarkt“ bekannt. Darin war festgelegt worden, dass der Wochenmarkt an jedem Sonnabend in der Woche stattfindet (1842 wurde er auf den Freitag verlegt). „An diesem Tage muß sich ein jeder, welcher hier Fettwaaren, Gemüse, Federvieh, Grütze, Graupen u. dgl., Holz und Torf, Korn und Stroh u. dgl. verkaufen will, damit sofort auf den Marktplatz verfügen und seine Waaren dort bis 12 Uhr Mittags feilbieten.“

Auch wo welche Produkte auf dem Marktplatz verkauft werden durften, war genau festgelegt: „Verkäufer von Fettwaaren, Gemüse, Federvieh, Grütze, Graupen u. s. w. dürfen ihren Platz nur auf dem innern Marktplatz nehmen; Verkäufer von Holz, Torf, Heu, Stroh und Korn, falls letzteres auf dem Wagen bleibt, müssen außerhalb der Stangen an der Seite der Häuser rechts vom Rathause, vor dem Haus der Witwe Duncker und bei der Stange am herrschaftlichen Palais bleiben.“

1898 kam die Regierung auf ihre Anregung zurück, die 1832 empfohlene Abhaltung eines zweiten Wochenmarkts anzuordnen. Der Magistrat kam aber auch diesmal nicht der Aufforderung nach, „weil ein Wochenmarkt für die hiesigen Bedürfnisse ausreicht, da nur noch Schweine, Gänse und in geringen Mengen Butter verkauft werden.“ Alle anderen Erzeugnisse wie Eier und Käse, der tägliche Gemüsebedarf oder auch die Einkellerungskartoffeln wurden durch die Erzeuger, damals als Hausierer bezeichnet, an den Haustüren verkauft, die zwischenzeitlich eine feste Kundschaft in der Stadt hatten und nicht mehr auf den Wochenmarkt angewiesen waren.

Dieser Trend setzte sich in den folgenden Jahren immer mehr durch, so dass nach dem Ersten Weltkrieg kein Wochenmarkt mehr an einem bestimmten Tag stattfand. Dafür stellten jetzt Gewerbetreibende mit Duldung der Stadt täglich Verkaufsstände auf dem Marktplatz auf, von denen die Waren ständig verkauft wurden. Dafür verlangte die Stadt aber auch Standgebühren mit der Maßgabe, dass die Stände täglich nur bis 15 Uhr aufgestellt bleiben durften.


Der dritte Eutiner Wochenmarkt


Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es anfangs noch keinen Wochenmarkt. Das war deshalb nicht möglich, weil schlichtweg keine Waren des täglichen Bedarfs zur Verfügung standen. Alle Lebensmittel wurden „bewirtschaftet“ und durften nur gegen entsprechende Berechtigungsmarken abgegeben werden in vorher festgelegten stationären Geschäften. Dies änderte sich erst nach der Währungsreform am 20. Juni 1948.

Ab dem 1. Juli 1948 waren Gartenbauerzeugnisse inländischer Herkunft, Geflügel, Eier, Bienenhonig inländischer Erzeugung und Süßwasserfische frei verkäuflich. Dies hatte zur Folge, dass die Stadtverwaltung die Abhaltung eines Wochenmarktes auf dem Marktplatz ab dem 21. Juli 1948 verfügte, der jede Woche mittwochs und sonnabends von 8 bis 13 Uhr stattfinden sollte.

Die Beschickung des Wochenmarktes stand allen Erzeugern gärtnerischer und landwirtschaftlicher Produkte frei, es sollten lediglich die Preisvorschriften beachtet werden. Ab August 1948 wurden dann auch die Verkaufspreise veröffentlicht. So kostete zum Beispiel das Pfund Kartoffeln fünf und sechs Pfennige, ein Pfund Äpfel 40 bis 45 Pfennige, ein Pfund Rotkohl zehn Pfennige, ein Kohlrabi fünf Pfennige, ein Pfund grüne Heringe 45 Pfennige und Schnitt- und Topfblumen (Alpenveilchen) 2,50 DM. Einschließlich der Kurz- und Hausstandswaren wies der Wochenmarkt 67 Stände auf.

Quellen: Landesarchiv Schleswig und Stadtarchiv Eutin

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