Woche der Geschwindigkeit

Während die Polizei mit Videowagen und hochauflösender Kamera aktiv ist, misst der Kreis in der 30er-Zone vor St. Elisabeth in Eutin.
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Während die Polizei mit Videowagen und hochauflösender Kamera aktiv ist, misst der Kreis in der 30er-Zone vor St. Elisabeth in Eutin.

Polizei und Kreis suchen in dieser Woche verstärkt nach „Temposündern“ / Messungen auf der A 1, aber auch innerorts

shz.de von
09. August 2018, 08:45 Uhr

Dennis Dankert beschleunigt das Fahrzeug und folgt einem offensichtlich zu schnell fahrenden Wagen. Der Polizeihauptkommissar ist mit seinem Kollegen Olaf Specht auf der Autobahn 1 unterwegs. In dieser Woche kontrolliert die Polizei landesweit vermehrt die Geschwindigkeit auf den Straßen und geht gegen Aggressionsdelikte vor.

Polizeihauptkommissar Specht blickt auf die Anzeige an der Mittelkonsole. Nach 300 Metern Verfolgungsfahrt ist klar, der Wagen mit dem Schweizer Kennzeichen ist zu schnell. Der Fahrer verstößt gegen das Geschwindigkeitslimit von 80 Kilometern pro Stunde (km/h). Die Messung ergibt 125 km/h.

Specht klappt die Sonnenblende runter. In der Blende blinkt jetzt nervös der Hinweis „Stopp Polizei“, in den Spiegeln des Vorausfahrenden nicht zu übersehen. Nach einigen Sekunden setzt der Fahrer vor ihnen den rechten Blinker und zieht rüber. Die Polizeibeamten halten beim Überholen kurz die Höhe, prüfen, ob der Fahrer sie wahrgenommen hat. Er hat, und so lotsen ihn die Polizisten die Abfahrt Giddendorf hinab bis zu einer großzügigen Feldeinfahrt.

Dort erklären Specht und Dankert ihm, dass er gegen das Tempolimit verstoßen habe und eine Sicherheitsleistung zahlen müsse. Der Fahrer ist erstaunt über den Verstoß. Er habe das 120er-Schild gesehen, sagt er, glaubt den Beamten aber sofort und erklärt, die folgenden Begrenzungen auf 100 und 80 übersehen zu haben. Der in der Schweiz lebende Mann verzichtet auf den Videobeweis. Obwohl er Deutscher ist, muss er eine Sicherheitsleistung zahlen, er hat keinen festen Wohnsitz in Deutschland.

Bei 125 km/h werden 120 Euro Bußgeld fällig und 28,50 Euro Verwaltungsgebühr. Da der Mann nicht so viele Euros dabei hat, zahlt er mit Kreditkarte. Das erleichtere den Ablauf, sagt Dankert und zückt das Kartenlesegerät.

Mit der Zahlung ist es noch lange nicht getan. Specht und Dankert füllen verschiedene Formulare aus. Nicht nur der Verstoß wird schriftlich festgehalten, auch die Zahlung, zusätzlich zum elektronischen Ausdruck. Auf einem der Formulare ist die Anschrift des Bevollmächtigten zu finden, der einen möglichen Widerspruch entgegennähme. Die Kopie erhält der Fahrer. Danach bekommt er seinen Ausweis, Führerschein und Fahrzeugschein zurück. Nach 20 Minuten Schreibarbeit ist der Vorgang beendet. Specht und Dankert wissen: „Wer bezahlt, der widerspricht später nicht.“

Die Polizeibeamten machen während ihrer Kontrollfahrten überwiegend gute Erfahrungen. Sie erlebten nur vereinzelt verbale Aggression: „Unsere Arbeit wird voll akzeptiert“, sagt Specht.

Während die beiden weiter nach Temposündern suchen, kontrolliert Toni D.* in einer der 30er-Zonen in Eutin. Er hat sein „Leivtec“ vor dem Elisabeth-Krankenhaus an der Plöner Straße aufgebaut. Der Laser misst in Lichtgeschwindigkeit, wie schnell die Fahrzeuge unterwegs sind. Der Kreismitarbeiter erklärt: Das Tempo ergibt sich aus der Differenz zwischen zwei Impulsen.“ Das Gerät arbeite mit 50 Impulsen pro Sekunde. Es löse erst aus, wenn ein Fahrzeug mit mindestens 39 km/h in der 30er-Zone unterwegs sei. Denn ab 6 km/h mehr werde überhaupt erst geahndet – plus 3 km/h Toleranz, sagt D.

Vergebens ist sein Einsatz nicht. Bereits in der ersten Stunde hat das Gerät 50 Tempoverstöße gemessen. Um 10.45 Uhr steht fest: Seit 8.30 Uhr fuhren 421 Fahrzeuge vorbei, 120 von ihnen waren maximal 20 km/h zu schnell (Verwarngeld), vier weiteren Fahrzeughaltern wird der Kreis einen Bußgeldbescheid schicken. Denn sie waren noch schneller, einer fuhr 62 km/h in der 30er-Zone. D.: „Rund 30 Prozent Überschreitungen haben wir nicht jeden Tag.“

Zur gleichen Zeit messen Regine Persson und Olaf Meyer in Grömitz die Geschwindigkeit. Die Polizeiangestellten haben das „Eso 8.0“ eingesetzt, das die Polizei seit Januar in Betrieb hat. Der Vorteil der Geräteeinheit sei, dass es kabellos arbeite, sagt Meyer.

Das Duo hat sich in einer Nebenstraße hinter einem Knick postiert. Der Sensor und die zwei Kameras sind mit Tarnnetzen auf der anderen Seite des Buschwerks kaum zu erkennen. Während der Sensor das Tempo misst, nimmt die eine Kamera die zu schnell fahrenden Fahrzeuge beider Fahrtrichtungen auf. Die andere Kamera macht Seitenansichten von den Fahrern auf der Gegenfahrbahn.

Meyer und Persson genießen die kabellose Arbeit. „Eso 8.0 liefert mit seiner hochauflösenden Kamera und 12 Millionen Pixeln exzellente Bilder“, schwärmt Meyer. Nach der Erhebung fließen die Daten an die Zentrale Ordnungswidrigkeitsstelle in Neumünster – übrigens auch die von Polizeibeamten im Dienst, es sei denn, sie verfolgen einen Temposünder.

Es wird Mittag. Dankert und Specht fahren noch einige Male Kontrolle auf der A 1, dann kehren sie zum Bezirksrevier nahe der Autobahn in Scharbeutz zurück.



* Der vollständige Name ist der Redaktion bekannt

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