Wo Monster die Realität verdrängen

Nicht alles entspricht beim Chatten der Wahrheit. Das wissen nun auch Niklas (von links), Leon und Marvin.
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Nicht alles entspricht beim Chatten der Wahrheit. Das wissen nun auch Niklas (von links), Leon und Marvin.

Weber-Schüler lernten bei einem Erlebnisparcours die Gefahren des Internets einzuschätzen

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29. Oktober 2011, 07:07 Uhr

Eutin | Ein 15-jähriger Junge spielt in seinem Zimmer ein Computer-Spiel. Die Welt um ihn herum interessiert ihn nicht. Freunden, mit denen er sonst zum Fußballtraining oder Joggen ging, öffnet er nicht mehr die Tür. Sie sind für ihn unwichtig geworden. Auch seine Freundin bleibt unbeachtet. Viel wichtiger ist der Kampf gegen ein virtuelles Monster und eine "Party" in der Computerwelt. Erst ein Computerabsturz lässt ihn aus seiner virtuellen Welt auftauchen. Sein Zimmer ist ein Ort der Verwüstung.

Soweit der Inhalt eines fünfminütigen Films, der im Rahmen eines Erlebnisparcours zur Mediennutzung unter dem Titel "Online=Offline?" im Carl-Maria von Weber-Gymnasium den 7. bis 9. Klassen in dieser Woche gezeigt wurde. "Krass" sei die häufigste Reaktion der Schüler auf den Film gewesen, erzählte die Präventionsbeauftragte der Schule, Gesche Greinert. Der Film soll zum Nachdenken anregen und ist zugleich Diskussionsgrundlage, in der die Schüler von ihren Erfahrungen erzählen.

In dem Vier-Stationen-Parcours werden den Schülern Chat-Begriffe erläutert und Chat-Tipps gegeben. Sie erfahren, dass nicht alles der Wahrheit entspricht, was andere im Chat schreiben. In einem Medienkonsum-Schätztest und einem Quiz zur Mediennutzung erfahren sie mehr über die virtuelle Welt. Und in einem Rollenspiel werden Probleme zwischen Eltern und ihrem Kind, das nicht mehr vom Computer wegzubekommen ist, simuliert. Dadurch soll auch Verständnis für die Eltern vermittelt werden, die sich um ihr dauerhaft am PC spielendes Kind Sorgen machen.

"Die Vermittlung von Medienkompetenzen und die Bewusstseinmachung bei Schülern ist unbedingt notwendig", betonte Wolfgang Päpcke von der Awo-Suchtprävention Ostholstein. Fragen wie "Was ist Mediensucht?", "Wo lauern Gefahren und Missbrauch?" werden durch den Erlebnisparcours interaktiv beantwortet und sollen für die Sensibilisierung im sicheren Umgang mit den Medien sorgen. Darüber hinaus sind die Stärkung der Persönlichkeit und die Reflexion des eigenen Verhaltens Ziele des Projektes.

Der Erlebnisparcours wurde von Schülern der Fachschule für Sozialpädagogik, eine Außenstelle der Beruf lichen Schulen des Kreises Ostholstein, in Lensahn entwickelt. Die Awo-Suchtberatungen Ostholstein und Neumünster sowie die Präventionsbeauftragen der Polizeidirektion Lübeck begleiten das Projekt konzeptionell. Für die Koordination und den Verleih zeichnet die Awo Ostholstein verantwortlich.

Die Inhalte basieren auf den Erfahrungen der interaktiven Parcours zu AIDS und Sucht der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln und dem ersten Parcours-Projekt der Lensahner Fachschule zum Thema Alkohol-Sucht aus dem Jahr 2007. Sie begleiteten die Schüler auch bei der Nutzung des Erlebnisparcours. Die Produktion des Films wurde durch Stiftungsgelder und durch Unterstützung den Kiwanis Club Ostholstein finanziert.

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