WM-Fußball greift kranke Herzen an

Experte warnt: Erhöhtes Infarkt-Risiko während Deutschland-Spiele

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23. Juni 2014, 12:54 Uhr

Bevor die deutsche Nationalelf heute Abend in den Wohnzimmern das Fernsehprogramm dominiert, sollten herzkranke Männer bei einem Spaziergang noch schnell frische Luft tanken. Das empfehlen Mediziner. Begründung: „Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass während eines Deutschland-Spiels bei einer Fußball-Weltmeisterschaft der Blutdruck, aber vor allem auch das Herzinfarkt-Risiko messbar steigt“, so Prof. Dr. Peter Radke.

Der Kardiologe, Chefarzt in der Schön-Klinik Neustadt, hat dabei vor allem Männer im Blick, bei denen bereits ein Herzleiden diagnostiziert wurde. Ihr Risiko, während eines Spiels der deutschen Nationalelf einen Herz-Anfall zu erleiden, sei über zweieinhalb Mal so hoch wie in Zeiten ohne Fußball-Weltmeisterschaft. „Das ist eine beachtliche Zahl, die nicht unterschätzt werden darf“, sagte Prof. Radke.

Er verwies auf eine Studie des Klinikums Großhadern in München zur Fußball-WM 2006: Sie habe die damals gestiegene Anzahl an Herz-Attacken auch dem erhöhten emotionalen Stresslevel zugeschrieben. Zu ähnlichen Ergebnissen sei eine Studie der Universitätsklinik Lübeck während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 gekommen.

Radke will seine Warnung nicht so verstanden wissen, dass Herzkranke besser gleich ganz auf die TV-Übertragung des Spiels verzichten sollten. „Aber ein paar Richtlinien sollte man als Betroffener – und als Angehöriger – auf jeden Fall beachten“, sagt der Chefarzt.

Seine Ratschläge: „Machen Sie vor einem Spiel einen langen Spaziergang, gehen Sie Ihrem Lieblings-Hobby nach und atmen Sie in jeder spannenden Spiel-Situation einmal mehr bewusst kräftig durch.“ In Absprache mit einem Arzt könnten Betroffene gegebenenfalls ihre Medikamentierung dem erhöhten Stresspegel anpassen.

Radke weiter: „Sollten während eines Spiels die typischen Symptome eines Herzinfarktes auftreten, ein andauerndes starkes Druckgefühl auf der Brust, darf nicht gezögert werden, den Notruf 112 zu wählen.“




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