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Ostholsteiner Anzeiger

17. August 2017 | 10:12 Uhr

Grebin : Wird Mühlen-Café zum Euro-Grab?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der von Alt-Bürgermeister Hans-Werner Sohn vorangetriebene Ankauf des Mühlen-Cafés in Grebin steht in der Kritik.

Für das Mühlencafé unterhalb der Grebiner Mühle gibt es offenbar keine Hoffnung mehr. Das vor ein paar Tagen in Umlauf gebrachte „touristische Entwicklungs- und Nutzungskonzept zur Revitalisierung des Areals der Grebiner Mühle“ geht in allen Vorschlägen von einem „Rückbau“ des Hauses aus – das bedeutet: Abriss. Die Konzepte werden Dienstag in Grebin vorgestellt.

Das jedoch könnte für die Gemeinde Grebin am Ende eine teure Tasse Tee werden, denn der damalige Bürgermeister Hans-Werner Sohn hatte die Immobilie auf dem rund 1200 Quadratmeter großen Grundstück im Herbst 2012 noch für rund 190 000 Euro inklusive aller Nebenkosten von den Eigentümern erworben. Seither steht das Gebäude allerdings leer. Skeptiker fürchten einen Verlust für die ohnehin finanziell gebeutelte Gemeinde Grebin von rund 100 000 Euro und sprechen von der Verschwendung von Steuergeld.

Das Mühlen-Café wurde Mitte der 50er Jahre vom damaligen Müller Bruno Rentzow gebaut und war gut besucht. Bis die Gemeinde Grebin Eigentümer wurde, gab es zwei weitere Besitzer, die offenbar nicht viel an dem Haus machten. Davon zeugt heute ein erheblicher Investitionsstau. Das Gebäude scheint abrissreif.

Der im Herbst 2012 von Bürgermeister Hans-Werner Sohn ausgehandelte Kaufpreis für die Gemeinde Grebin scheint damit aus heutiger Sicht überteuert zu sein. „Die CDU-Fraktion hatte damals über den Kauf beraten aber nicht abgestimmt, der Hauptausschuss und die Gemeindevertretung hatten zugestimmt“, erinnerte sich der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Karl Schuch, der bei der jüngsten Kommunalwahl als fraktionsloser Einzelbewerber direkt in die Grebiner Gemeindevertretung gewählt wurde.

Offensichtlich, so erinnert sich Schuch heute, hatte der gemeindliche Hauptausschuss die Aussage von Bürgermeister Sohn überzeugt, die Kommunalaufsicht des Kreises Plön sei auch damit einverstanden. Doch: Sohn sei als Privatmann auch als Makler tätig gewesen. Hätte er nicht besser um den Wert der Immobilie Mühlen-Café wissen müssen?, fragt Karl Schuch. Übrigens: Alt–Bürgermeister Hans-Werner Sohn soll in ein paar Tagen zum Grebiner Ehrenbürger ernannt werden. Die alte Gemeindevertretung hatte den Selbstvorschlag von Hans-Werner Sohn noch deutlich abgelehnt.

So habe auch die Gemeindevertretung damals sehr schnell über den Ankauf des Mühlen-Cafés entscheiden müssen, weil das Gebäude nach damaligen Aussagen Sohns angeblich auch andere Interessenten gefunden haben sollte. Der Kaufpreis des Gebäudes hatte sich bis zum notariellen Ende der Verhandlungen sogar um 5000 auf 175 000 Euro verteuert. Mit der Äußerung „sonst kaufen das Russen...“ setzte Hans-Werner Sohn damals die Gemeindevertretung unter Druck, erinnerte sich Karl Schuch.

Seither steht das Gebäude leer und kostet die Gemeinde noch die Unterhaltung. Karl Schuch taxiert den Wert vorsichtig auf „Grundstückskosten minus Abriss“ und beklagt: „Hans-Werner Sohn hat ein Geschäft zum groben Nachteil der Gemeinde Grebin gemacht.“ Der Aufbau einer neuen Gastronomie würde um 300 000 Euro und mehr betragen. Eine zur Kreditaufnahme erforderliche Pachtzahlung von rund 3000 Euro sei für das Mühlen-Café nicht zu erwirtschaften.

Grebins aktueller Bürgermeister Jochen Usinger ist sich sicher: „Wir sollen auf dem Mühlenberg etwas Tolles gestalten.“ Und das für bezahlbares Geld und einer überschaubaren Finanzierung. Usinger: „Der Zug fährt weiter und wenn wir mutig sind, dann wird daraus sogar ein ICE.“ Den Grebinern werden am Dienstag, 3. Juni, um 19 Uhr im „Grebiner Krug“ von den beauftragten Planern drei Szenarien eines touristischen Entwicklungs- und Nutzungskonzeptes zur Revitalisierung des Areals der Grebiner Mühle vorgestellt. Danach tagt gleich der gemeindliche Geschäftsausschuss.

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erstellt am 20.Mai.2014 | 17:53 Uhr

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