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Ungewöhnliches Projekt : „Wir wollen Waisenkindern helfen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die aus der Gemeinde Grebin stammende Leonie Mielke (26) hat ein seltenes Hobby: Sie engagiert sich für Benachteiligte in Bulgarien.

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erstellt am 26.Apr.2014 | 04:00 Uhr

Eine kleine Weltverbesserin steckt durchaus in Leonie Mielke. „Wir sollten uns in Deutschland viel häufiger bewusst machen, wie gut es uns geht verglichen mit Menschen in anderen Ländern.“ Etwa in Bulgarien, seit 2007 EU-Mitglied.

Besonders die Jüngeren haben unter den vergleichsweise geringen Lebensstandards zu leiden. „Es gibt vor allem in Waisenhäusern Kinder, die sitzen den Großteil des Tages vor dem Fernseher, weil es an Freizeitbeschäftigungen mangelt“, berichtet Mielke, die aus Görnitz in der Gemeinde Grebin stammt. „Das geht schon morgens vor der Schule los.“

Andere wohnten unter teils chaotischen und unhygienischen Zuständen in ihren Unterkünften. „Aber es ist nicht überall in Bulgarien so, man kann nicht alle über einen Kamm scheren.“ Mielke weiß dies aus eigener Erfahrung. Sie nahm sich Urlaub und reiste im Dezember nach Bulgarien, um bedürftigen Einheimischen Weihnachtsgeschenke zu überreichen. Aber die 26-Jährige war nicht allein: Vier Freunde begleiteten sie, darunter drei Bulgaren. Zusammen hatte das Quintett, das sich durch das Studium kennenlernte, 2011 in Berlin den gemeinnützigen Verein „Kinderhilfe Bulgarien“ gegründet. „Wir wollen Waisenkindern und vor allem solchen mit Behinderungen helfen“, sagt sie.

Für dieses Ziel bekam der Verein 10 000 Euro von der Stiftung einer Koblenzer Lokalzeitung. Von dort stammt Maximilian Ambros, der Vereinsvorsitzende. Ein Viertel der Summe spendete der Verein für die behindertengerechte Sanierung eines Waisenhauses.

Ein weiterer Teil ging für die Geschenke-Aktion im Dezember drauf. Mielke: „Die Kinder haben uns ihre Wunschzettel über die Heimleitungen zukommen lassen.“ Nicht Flachbild-Fernseher, Spielkonsole oder Tablets standen auf den Zetteln der Kinder, sondern Puppen, Fußbälle und Süßigkeiten. „Die Geschenke haben wir kurz vor Weihnachten mit einem Sprinter nach Bulgarien transportiert.“ Dafür hat Mielke gern ihre Freizeit geopfert.

Derzeit absolviert sie ein Volontariat bei einem Zeitungsverlag in Neubrandenburg in Kombination mit einem Journalismus-Studium. Den Anstoß gab ihr ein Praktikum in der OHA-Redaktion.

Auf diesen Erfahrungen ruhte sich Mielke nicht aus. Gleiches gilt für ihr Engagement im Kinderhilfe-Verein. Denn dort steht nun das nächste Projekt in den Startlöchern: „Wir üben im Sommer mit 150 bulgarischen Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren ein selbstgeschriebenes Musical ein und führen es anschließend in Sofia auf“, sagt Mielke.

Für sie und die weiteren Organisatoren bedeutet das eine Menge Arbeit – und die hat längst begonnen: „Wir haben kürzlich eine Woche lang intensiv geplant.“ Denn während der dreiwöchigen Vorbereitungsphase der bulgarischen Musical-Teilnehmer in Kleingruppen sollen ganz bewusst Heimkinder mit solchen aus intakten Familien zusammenkommen. „Viele Heimkinder sind Sinti und Roma und werden in Bulgarien diskriminiert – wir wollen mit dem Musical Vorurteile gegenüber ihnen abbauen.“ Die Aufführung ist Teil eines Konzertabends, bei dem die Kinder und Jugendlichen als Chor auftreten.

Das kommt nicht von ungefähr. „Kulturelle Bildung findet in Bulgarien fast gar nicht statt, das Musical-Projekt wird aus EU-Mitteln finanziert“, sagt Vorsitzender Maximilian Ambros. Überhaupt werde in dem armen Land viel zu wenig ins Bildungssystem gesteckt. „Das ist ein Teufelskreis: Ohne Geld gibt es keine Fördermöglichkeiten und Perspektiven für die Kinder und Jugendlichen, von denen etliche daher als Erwachsene eine kriminelle Karriere starten.“

Diese Entwicklung wollen Ambros, Mielke und ihre übrigen Mitstreiter unbedingt stoppen. Da stört sie es wenig, dass es Probleme bei der Sprachverständigung gibt. „Die wenigsten Bulgaren sprechen Englisch.“ Dieses Hindernis lasse sich aber mit Gesten, Mimik und Bulgaren vor Ort problemlos überwinden.

Schwieriger sei es, die finanzielle Hürde bei den Projekt-Umsetzungen zu meistern. Denn Ideen gibt es zur Genüge. „Wir haben bislang zwei Benefiz-Konzerte in Koblenz veranstaltet und würden so etwas auch gern in Plön oder Ostholstein machen“, sagt Mielke. Auch Spenden oder passive Mitgliedschaften im Verein seien möglich.

 

 

>Informationen im Internet:

www.bulgarien-kinderhilfe.de

oder bei Leonie Mielke

unter der E-Mail-Adresse:

mielke@bulgarien-kinderhilfe.de.

 

 



 

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