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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 10:21 Uhr

„Wir wollen die Dakar gewinnen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dirk von Zitzewitz wurde bei der Rallye in Südamerika an der Seite von Giniel de Villiers Dritter und hat den Gesamtsieg im Visier

„Du musst jeden Tag ans Limit gehen, aber keinen Fall darüber“, sagt Dirk von Zitzewitz. Der 47-Jährige aus Langenhagen am Bungsberg belegte bei der Rallye Dakar 2016 als Navigator an der Seite des Südafrikaners Giniel de Villiers im Toyota Hilux den dritten Platz, einem Pickup mit Benzinmotor – der bei der Dakar technisch gegen Buggys und Dieselfahrzeuge kaum Siegchancen hat. Die Dakar 2016 über 9000 Kilometer, von denen die Fahrer rund 4800 auf Wertungsprüfungen zurücklegten, gewann Stéphane Peterhansel im Peugeot. Das Duo de Villiers/von Zitzewitz ist bei der Dakar immer weit vorne zu finden, in den letzten acht Jahren fuhren die Zwei sechs Podestplätze heraus, 2009 gewannen sie im VW Race-Touareg die Rallye.

VW zog sich 2011 von der Dakar zurück. Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz starteten fortan im Toyota Hilux. Nach der Dakar ist vor der Dakar, die Teams sind zurzeit mit der Nachbereitung und den Konsequenzen für die Dakar 2017 beschäftigt. „Es gibt drei Optionen: eine Weiterentwicklung des Benziners, mit dem wir dieses Jahr gefahren sind, einen Diesel oder einen Buggy“, sagt von Zitzewitz. Konkrete Entscheidungen stehen noch aus, die Tendenz gehe zum Buggy. Das Toyota-Team ist in Südafrika zu Hause, der Dakar-Hilux wurde im Team „Hallspeed“ entwickelt.

Dirk von Zitzewitz ist einer der erfahrensten Dakar-Starter. Er war 1997, seinerzeit noch in Afrika, zum ersten Mal dabei. „Er hat damals seinen Schlafsack vergessen“, erinnert sich Ehefrau Sabine von Zitzewitz. Dirk von Zitzewitz muss lachen, er sei mitten in der Nacht hochgeschreckt und habe gerufen: „Ich habe den Schlafsack vergessen!“ Auf die Schnelle habe eine Mitarbeiterin der Rennleitung in Dakar einen Schlafsack nähen lassen. „Die Dakar war damals viel mehr Abenteuer als heute“, sagt von Zitzewitz. Die Camps zwischen den Teilstrecken seien frei zugänglich gewesen. Sabine von Zitzewitz ist froh, dass sich die Kommunikation grundlegend verbessert hat. In den neunziger Jahren sei ihr Mann nach einem technischen Defekt an seinem Motorrad ausgefallen. Ein „Besenwagen“ habe ihn eingesammelt. Im Camp habe es lediglich ein einziges Satellitentelefon gegeben, ihr Mann sei aber im Begleitfahrzeug nicht erreichbar gewesen. „Nach zwei Tagen habe ich jemanden von Eurosport erreicht und ihn gebeten, herauszufinden, wo Dirk geblieben ist. Und das haben die Fernsehleute tatsächlich gemacht“, sagt sie.

Die Verhältnisse seien in Südamerika – nicht nur wegen der Riesenfortschritte der Kommunikationstechnik – ganz anders, erläutert Dirk von Zitzewitz. Die Organisatoren hatten die Rallye Dakar 2008 wegen Terrordrohungen kurzfristig abgesagt und von Afrika nach Südamerika verlegt. „Die Rahmenbedingungen sind besser geworden, wir haben mehr Fans an der Strecke, der Sport ist anspruchsvoller und das Marketing professioneller als in Afrika“, weiß der gebürtige Eutiner. Dafür sei die frühere Rallye Dakar eigentlich ein Wüstenrennen gewesen, dieser Aspekt sei in diesem Jahr sehr viel geringer gewesen. Seine Prophezeiung: „Wir werden mit der Veranstaltung erst einmal in Südamerika bleiben.“

Die Rallye im Januar dieses Jahres brachte für Dirk von Zitzewitz einige Erkenntnisse: „Wir hatten sechs Plattfüße, das ist zuviel!“ Dabei sei vor allem die Suche nach einem geeigneten Ort für den Reifenwechsel zeitaufwendig, der eigentliche Wechsel habe 1:19 Minuten gedauert. Besonders geärgert hat sich der Navigator darüber, dass sich ein technisches Problem aus der Vorbereitung wiederholt hat. Ein Sicherungsstift einer Antriebswelle hatte sich gelöst, so dass von Zitzewitz das Auto auf freier Strecke reparieren musste. Nachdem die beiden einen Platz für die Reparatur gefunden hatten, legte der Beifahrer Hand an – und wechselte die Welle in rekordverdächtigen sieben Minuten aus.

„Die Rallye Dakar ist eines der schwersten Rennen und nicht kalkulierbar“, weiß der erfahrene Navigator, der auch von seiner Intuition profitiert. Für ihn brachte die Dakar 2016 zwei neue Erfahrungen. „Wir haben zwei Strafen auf Bewährung kassiert“, räumt von Zitzewitz ein. Die erste gab es für einen Reifen, den die beiden nach einem Plattfuß auf der Strecke gelassen hatten. „Eigentlich hätten wir ihn mitnehmen müssen. Aber so ein Reifen ist verdammt heiß, er kann auch auf der Ladefläche noch anfangen zu brennen und das ganze Auto abfackeln“, begründet er das Vergehen. Im anderen Fall habe er bei einer Ankündigung des Überholvorgangs durch den Finnen Mikko Hirvonen nicht rechtzeitig Platz gemacht. Hirvonen legte
Protest ein, de Villiers/von Zitzewitz bekamen die Bewährungsstrafe – und der Finne entschuldigte sich für seinen Protest.

Mit dem Südafrikaner Giniel de Villiers bildet er ein zuverlässiges Team: „Wir sitzen seit zehn Jahren zusammen im Auto und sind immer ins Ziel gekommen.“ Er wünscht sich, dass der diesjährige Sieger Stéphane Peterhansel – entgegen seiner eigenen Ankündigung, dass er aufhören wolle – auch 2017 an den Start geht, denn: „Wir wollen Peterhansel schlagen!“ Für die nächste Dakar wünscht sich Dirk von Zitzewitz eine Änderung in der Vorbereitung, eventuell durch mehr Starts, wie zum Beispiel bei der „Silk Way Rallye“, die von Moskau nach Peking führt. Vor der Dakar 2016 waren de Villiers/von Zitzewitz im Wettkampf nur bei der Rallye Marokko dabei. „Das war enorm wichtig als letzter Test vor der Dakar und eine echte Standortbestimmung.“

Von Zitzewitz hat große Ziele: „Ich bin seit 2012 in diesem Team – und ich will mit diesem Team die Dakar gewinnen!“ Wie sein Auto im Januar 2017 aussehen wird, wird die Teamleitung bald festlegen, Ende März wird der Veranstalter den groben Verlauf der Route für die Rallye bekanntgeben. Und dann stimmt das Team seinen Dakar-Fahrplan ab.

Bei der Rallye selbst geht es um 100 Prozent Konzentration, in den zwei Januarwochen stellen die Teams die Weichen für ein ganzes Motorsportjahr. Dirk von Zitzewitz weiß: „Du darfst 14 Tage keinen Fehler machen, wenn du eine Chance haben willst, die Dakar zu gewinnen!“

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erstellt am 04.Feb.2016 | 11:09 Uhr

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