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Ostholsteiner Anzeiger

22. Oktober 2017 | 23:52 Uhr

„Wir werden auf den Punkt fertig“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die LGS-Geschäftsführer Martin Klehs und Bernd Rubelt sprechen über den Berg an Arbeit, der für die letzten 100 Tage vor ihnen liegt, aber auch Schwierigkeiten und Erfolge

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 09:48 Uhr

Morgen sind es nur noch 100 Tage bis zur Eröffnung der Landesgartenschau. Zeit für ein kurzes Fazit und einen Blick nach vorn. OHA-Redakteurin Constanze Emde hat nachgefragt bei den beiden LGS-Geschäftsführern Bernd Rubelt und Martin Klehs.

Nur noch 100 Tage. Auf was sind Sie bisher stolz, was muss jetzt noch alles getan werden?

Rubelt: Die Daueranlagen sind zu einem großen Teil in toller Qualität hergestellt worden. Wir haben eine Menge Arbeit und Ärger gehabt, aber unterm Strich können wir stolz auf das Erreichte sein. All das ist allerdings für die LGS wenig wert, wenn der Rest nicht bis zum 28.April fertig ist. Wir haben noch einiges zu stemmen. Für das Gartenschauthema sind die nächsten 100 Tage entscheidend. Viele Betriebe sind trotz niedriger Temperaturen draußen im Gelände. Das zeigt, wie groß die Anstrengung ist, die noch erbracht werden muss.

Klehs: Uns ist gelungen – durch den baulichen Part und über Marketing – eine Begeisterung in der Stadt aber auch in der Region zu entfachen. Das sehen wir am erfolgreichen Verkauf der Dauerkarten aber auch an der Bereitschaft, sich ehrenamtlich auf der LGS zu engagieren. Ich war überwältigt ob der großen Teilnehmerzahl bei unserer ersten Veranstaltung. Das ist wirklich toll zu sehen und das verdanken wir unserem Team, das wirklich sehr gute Arbeit macht und für das Projekt LGS lebt. Klar gab es am Anfang Schwierigkeiten und Nörgeleien wegen der zahlreichen Behinderungen und Sperrungen. Aber wir haben von Anfang an gesagt: Wir machen das nicht, um die Menschen zu ärgern, sondern weil wir ein Ziel verfolgen.

Was war für Sie die schwierigste Zeit?

Klehs: Vom Gefühl her war es für mich die Ungewissheit in der Stadtbucht.

Rubelt: Schwierige Phasen gab es mehrere. Das politische und gestalterische Ringen um die Umsetzung des Wettbewerbs im Herbst 2013. Im Dezember 2014 gab es eine für mich persönliche schwierige Situation, weil die Planung in der Stadtbucht, wie sie auf dem Tisch lag, nicht umsetzbar war. Binnen drei Wochen mussten die Ingenieure massiv umplanen. Beim Baustopp war ich durch die gute rechtliche und fachliche Beratung sicher, dass wir mit unserer Haltung richtig lagen. Als LGS-Geschäftsführer war diese Situation besonders schwer, weil wir wussten, das wir ein tolles Projekt haben und dass dadurch ungerechtfertigt negative Schlagzeilen bekam. Auch die persönlichen bis ins private gehenden Anfeindungen muss ich in diesem Zusammenhang erwähnen.

Kommt da rechtlich noch was nach?

Rubelt: Nach Abschluss der Bauarbeiten wird ein Sachverständiger beurteilen, ob es tatsächlich Bauschäden gab. Und dann wird man sehen, ob wir uns auf dieser Basis einigen können oder ob es gerichtlich geregelt werden muss.

Sie werden immer wieder nach dem Zeitpuffer gefragt. Wie lang darf Ihr Winter sein?

Rubelt: (lacht) Und wie bisher auch werde ich da keine Zahl nennen. Der Januar ist ein Wintermonat, da sind frostige Temperaturen normal und gut. Und dennoch arbeiten selbst jetzt Betriebe, weil der Boden nicht komplett durchgefroren ist. Wir nutzen die Zeit für unsere organisatorische Vorbereitung, damit wir mit gutem Handlungsplan nach der Frostperiode wieder ins Gelände gehen können. Unsere Arbeitsliste ist lang und reicht bildlich gesprochen vom Forsthof bis ins Bauamt. Es geht um die Beschilderung, die Präsentation, die Wegeführung, die Ver- und Entsorgung und, und, und.

Klehs: Bei den verschiedenen Konzepten geht es uns vor allem darum, den Tag für den Besucher so entspannt wie möglich beginnen zu lassen. Heißt: Wie kommt er in Eutin an, wie wird er begrüßt, Kassenabläufe, wie kommt er auf den Freischütz, wenn er möchte, wie funktioniert kostenloser Busshuttle und so weiter. Im Tagesablauf sind das nachher alles selbstverständliche Abläufe, die aber, sollen sie gut sein und funktionieren, einer konkreten Abstimmung und Planung bedürfen.

Wird es vor Eröffnung einen Probelauf geben?

Rubelt: Ja, aber wir können so viel üben, wie wir wollen, wenn die ersten Menschen reingehen, dann beginnt die Realität. Dann müssen wir schauen, wie die Abläufe zu optimieren sind. Flexibilität ist uns wichtig. Der große Eröffnungstag mit der Feier ist am 30. April. Wir wollen dem Charakter einer Landesveranstaltung gerecht werden und haben so zwei Tage Probelauf, der aber auch schon sehr gut sein soll.

Klehs: Wir versuchen aus den Erfahrungen anderer zu lernen. Beim Besucherempfang haben wir gesehen, dass es gewisse Strukturen braucht. Die Landesgartenschau muss da beginnen, wo der Besucher am Ort ankommt: also am Großparkplatz und am Bahnhof. Dort wird die Begrüßung und Information durch Ehrenamtliche persönlich erfolgen. Ein „herzlich willkommen“ soll gelebt werden.

Kennen Polizei und Rettungsdienste das Sicherheitskonzept und sind Übungsszenarios geplant?

Klehs: Wir haben das Sicherheitskonzept allen vorgelegt und das Veranstaltungsprogramm mit der Polizei vorbesprochen. Wir sollten natürlich im Vorfeld mal eine Simulation mit den Partnern üben. Ich denke aber, wir können nicht jedes Szenario im Vorfeld üben. Wir versuchen, die möglichen Potenziale der Gefährdung zu beurteilen und Lösungen dafür zu finden. Zumal wir mit der Wassereinbindung im Gelände bei den Bootsfähren und dem Tretbootverleih eine spezielle Situation haben.

Zum Thema Blumen und Wechselflor. Wie oft wird gewechselt?

Rubelt: Wir wechseln einmal. Wann genau, das hängt vom Wetter ab, also wann der Frühling kommt. Geplant ist der Wechsel für Ende Mai Anfang Juni. Ist der Frühling sehr früh, passen wir uns an.

Auch in den Blumenhallen wird das Angebot variiert.

Rubelt: Ja, bei der Hallenschau in den Torhäusern wechseln wir deutlich häufiger, zehn Mal insgesamt. Der Planer hat ein tolles Konzept, denn Torhaus und Kuhstall ergänzen sich. Es wird trotz vieler Wechsel keinen Tag geben, wie auf anderen Schauen üblich, an denen beide Blumenhallen deshalb geschlossen sind. Da sind wir auch den Firmen an den Torhäusern sehr dankbar, dass sie die Termine gehalten haben und das Dach vor Weihnachten drauf war, somit können wir den Termin auch halten. Der Kuhstall wird noch renoviert und umgebaut. Wenn das abgeschlossen ist, gehen wir in die Einrichtung. Das beginnt so knapp sechs Wochen vorher. Der Planer der Hallenschau braucht dafür gar nicht so lange. Der hat ein sehr gutes Konzept.

Für was wird die Zeit richtig knapp?

Klehs: Wir werden auf den Punkt fertig. Man weiß, dass die Nächte vorher sehr kurz sein werden, aber alles ist auf den 28. April zugeschnitten.

Wie groß ist das LGS-Team und wie viele Menschen werden sich im laufenden Betrieb auf dem Gelände engagieren?

Klehs: Unser Team besteht aus 16 Mitarbeitern. Hinzu kommen Gastronomen, das Sicherheitsunternehmen, Garten- und Landschaftsbauer, Gartenbauunternehmen, die Hausgärten machen, die ganzen Aussteller und Ehrenamtliche aus den verschiedensten Bereichen.

Rubelt: Die Zahl der Menschen, die hier am Tag auf dem Gelände arbeiten und für die LGS da sein werden, schätze ich an normalen Tagen auf rund 500 Menschen. Über den Daumen können es an Spitzentagen auch locker bis zu 1000 sein. Viel davon passiert auch hinter der Kulisse: die Pflege, die Ver- und Entsorgung, da muss auch viel geplant und organisiert werden.

Was bedeutet der Nutzunsgvertrag mit der Stiftung Schloss Eutin ?

Rubelt: Wir haben eine vertraglich Vereinbarung, die dem Rechnung trägt, dass wir dort ein großes Förderprojekt durchführen. Durch die LGS und alle Baumaßnahmen erfährt das hochrangige Kulturdenkmal eine immense Aufwertung.Innerhalb der Vertragslaufzeit sind wir in der Unterhaltungspflicht.

Wann endet Vertrag?

Rubelt: Am 31.03.2017. Das ist ein Termin den wir damals als Vertragsgrundlage angenommen haben. Wir müssen den Rückbau gewährleisten und danach geht die Stadt ja wieder in die Pflegeverpflichtung.

Sie rechnen für den Rückbau mit einem halben Jahr?

Klehs: Nein, da werden wir einen Modus in der Vereinbarung mit der Stiftung finden. Wir beginnen direkt mit dem Rückbau nach der LGS aber das muss sehr sortiert ablaufen. Es liegt uns nahe, den Eutinern das Gelände schnellstmöglich zurückzugeben, haben aber auch eine verkehrssicherungspflicht. Mit Blick auf die Zeitschiene: Jeder Zaun, jeder Container kostet Geld, wenn ich ihn länger stehen lasse, als nötig.

Wie geht es danach weiter beispielsweise mit dem Küchengarten?

Klehs: Wir können sagen, dass wir mit den Partnern ein nachhaltiges Bildungsprojekt initiieren über den LGS-Zeitraum hinaus. Bei Plietschgrün können wir schon sagen, dass uns das gelingt. Wir haben mit der Sparkasse und der Stiftung verlässliche Partner, die das sehr ernstnehmen.

Was passiert mit dem Personal und der LGS gGmbH nach der Gartenschau?

Klehs: Wir wurden gegründet für die LGS und werden nach der Schlussrechnung abgewickelt.

Rubelt: Floral gesprochen können wir auch sagen, dass die LGS in einer sich stark weiterentwickelten Stadt aufgeht. Wir sehen, dass hier Personal von einer solchen Qualität arbeitet, dass es ein riesiger Vorteil für die Weiterentwicklung der Themen wäre, wenn dieses Know-how der Region erhalten bliebe.

Warum wird es das von vielen befürchtete Verkehrschaos nicht geben zur LGS?

Klehs: Weil wir die 65 Prozent, die laut Prognose zur LGS mit dem Auto anreißen, auf allen Zubringerstraßen Eutins mit einer schlüssigen Beschilderung zum Großparkplatz leiten. Ziel ist ganz klar, den Parksuchverkehr zu vermeiden. Durch Marketing machen wir von vornherein deutlich: Ab Großparkplatz oder Bahnhof beginnt LGS und Entspannung. Dort werden Besucher durch Ehrenamtler empfangen, geshuttelt und geleitet. Das gleiche gilt für Festspiele. Die bewerben den Großparkplatz ausschließlich als Besucherparkplatz für ihre Veranstaltung. In den Bahnhöfe machen wir durch Plakate und Sonderaktionen zusammen mit der DB und Nah.SH auf uns aufmerksam. So kommt beispielsweise ein Erwachsener und drei Kinder von Lübeck für 26 Euro nach Eutin zur LGS.

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