zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 17:39 Uhr

„Wir waren die Trockenwohner“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Polizisten des Einstellungsjahrganges 1956 – sie gehörten zu den ersten Polizeischülern in Eutin – trafen sich auf der Hubertushöhe

„Ich kann heute noch die Schweinegülle riechen, wenn ich mich an unsere erste Zeit hier erinnere“, sagt Gerd Pietsch (79) und schaut aus dem Fenster der Kantine: „Hier oben war ja vorher nichts, nur Acker. Und wir waren die ,Trockenwohner‘ der neuen Polizeikaserne.“

An alte Zeiten erinnern, das taten am Sonnabend 40 Männer. Alles Veteranen der „ersten Stunde“: 35 von ihnen gehörten zu den 105 jungen Männern, die am 11. April 1956 und damit fast auf den Tag genau vor 60 Jahren den Dienst bei der Landespolizei angetreten hatten. Und fünf gehörten zum Stab der Ausbilder.

Sie alle waren dabei, als am 1. Juni 1956 die Polizeikaserne in Eckernförde geschlossen wurde und Polizeischüler sowie Bereitschaftspolizei nach einem Marsch durch die Eutiner Altstadt in der neuen Polizeikaserne auf der Hubertushöhe einzogen. „Der Bau hatte 1954 begonnen, und als wir kamen, war noch lange nicht alles fertig“, schildert Gerd Pietsch. Wenn er heute die Baustelle der Landesgartenschau sehe, dann erinnere ihn vieles an die damals frisch eingesäten und bepflanzten Außenanlagen auf Hubertushöhe.

Im Volksmund habe der Standort der neuen Polizeikaserne seinerzeit Galgenberg geheißen, der offizielle Name sei Kastanienberg gewesen. Vor Baubeginn hätten dort nur Gestrüpp und Äcker existiert. Der Name der nahegelegenen Gaststätte Hubertushöhe habe sich erst später durchgesetzt.

Sonnabend fand das fünfte Treffen des Einstellungsjahrgangs 1956 statt. Die beiden ersten hatte es schon während der Dienstzeit gegeben, 2006 wurde das 50-jährige Bestehen der Polizeidirektion auf Hubertushöhe gefeiert und in diesem Zug trafen sich auch die Polizeischüler von 1956 wieder.

Vor fünf Jahren gab es noch mal ein Treffen in Eckernförde, wo allerdings von der ehemaligen Polizeikaserne nichts mehr zu sehen ist, und am vergangenen Wochenende fand wieder ein Treffen in Eutin statt. „Wir hatten 80 ladungsfähige Adressen ausfindig gemacht“, schildert Pietsch. Der Eutiner, der ein Viertel seiner Dienstzeit von 1987 bis 1997 das Amt des Landespolizeidirektors bekleidete, hatte gemeinsam mit Siegfried „August“ Vorpahl und Claus Schulenburg dieses Treffen vorbereitet.

65 Kollegen und Ausbilder seien auch noch telefonisch kontaktiert worden. 35 Jahrgangsmitglieder waren schließlich zum Treffen gekommen, sie sind alle um die 80 Jahre alt und leben noch in Schleswig-Holstein – mit einer Ausnahme, einer reiste vom Bodensee an.

Etwas älter sind die fünf Kollegen, die am Treffen teilnahmen und die 1956 zum Stammpersonal der Polizeischule gehörten, damit zu den Ausbildern von Pietsch und Kollegen: Der älteste Teilnehmer war 87. Kommen wollte auch Gerhard Szellinski, der 89-Jährige Eutiner musste kurzfristig wegen Unpässlichkeit absagen. „Zeit ist der flüchtigste Stoff im Leben“, sagte Gerd Pietsch zur Begrüßung und nannte das naheliegende Leitthema des Wiedersehens: „Weißt Du noch?“ Die Reise in die gemeinsame Vergangenheit solle ausgiebig erfolgen, allerdings gebe es eine Begrenzung: „Das Thema Krankheiten maximal eine Stunde,“ setzte Pietsch fest.

Das Treffen begann mit einem Lichtbildvortrag über vergangene Zeiten auf Hubertushöhe und die Polizeiausbildung heute. Ausgiebig erkundeten die Pensionäre anschließend die Liegenschaft mit Einrichtungen wie Schießhalle, Hörsälen oder Computer-Räumen. „Wir lernten noch Schreibmaschineschreiben, 130 Anschläge die Minute wurden erwartet, und 120 Zeichen Kurzschrift“, hat Gerd Pietsch noch parat.

Und seine Erinnerung an seine Ausbildung in Eutin wird nicht nur von der „würzigen Landluft“ geprägt, die mit dem Ausbringen tierischen Düngers in der Umgebung zusammenhing: „Bischof Wilhelm Kieckbusch sagte, er komme immer gerne zu uns in die Polizeikaserne, hier sei man dem Schöpfer näher. Ich nehme an, er bezog das auf Höhe des Hügels.“

zur Startseite

von
erstellt am 16.Apr.2016 | 12:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen