zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 04:00 Uhr

„Wir sind auf einem guten Weg“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flüchtlingsbeauftragter: Unterkünfte sind unteres Niveau / Stadt im Gespräch mit Wohnungsbaugenossenschaften / Quote fast erfüllt

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 12:21 Uhr

Die Fenster sind geputzt, der Rasen gemäht, kein Sperrmüll liegt mehr am Eingang. Der Lindenbruchredder wurde nach der Berichterstattung des Ostholsteiner Anzeigers herausgeputzt – wohl nicht zuletzt auch, weil seitdem das öffentliche Interesse an dem Areal größer geworden ist.

Ortstermin: Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz und Julia Lunau vom Ordnungsamt zeigten den beiden Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Torsten Döhring und Stefan Schmidt, die Baracken und Holzhäuser, in denen derzeit 21 Flüchtlinge, meist einzelne Männer, neben Obdachlosen untergebracht sind. „Das geht nicht“, sagt Schmidt. „Man sollte schon sehen, dass man die Unterbringung für Flüchtlinge und Obdachlose trennt, allein wegen der Suchtproblematik.“

Er wertete zwar positiv, dass die Menschen vom Lindenbruchredder aus einen kurzen Weg zum Einkaufszentrum haben und „es auch nicht weit zu Fuß in die Stadt ist“, aber die Lage im Gewerbegebiet mit dem Ausblick „Schuttplatz“ als Nachbarn sei „nicht schön“. Döhring ergänzt: „Das ist auch ein ganz schlechtes Signal an den Rest der Bevölkerung à la ‚Die wohnen da draußen, mit den Obdachlosen zusammen. Die gehören nicht dazu.‘ “

Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz betonte, wie schwer es Eutin mittlerweile falle, geeigneten Wohnraum zu finden. „Wir suchen intensivst und führen Gespräche mit drei Wohnungsbaugenossenschaften.“ Doch das Problem laut Schulz: Die Mieter sollen Deutsch sprechen können, Vermieter wollen mit ihnen kommunizieren. Warum mietet die Stadt nicht? Schulz: „Klar wird die Stadt immer gern als Mieter gesehen. Aber wir bekommen nur Pauschalen und bleiben bei Leerstand und Renovierung auf den Kosten sitzen.“ Dass es Leerstand künftig wohl eher nicht geben wird, machten die Flüchtlingsbeauftragten klar: „Mehr als 70 Prozent der Flüchtlinge werden die Anerkennung bekommen. Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak können nicht abgeschoben werden.“

Unterdessen denkt die Stadt für eine schnelle Lösung auch über Container nach. Kosten: 150- bis 600 000 Euro für 20-Mann-Container. Als möglicher Standort sei der Festplatz im Gespräch, bis dort die neue Feuerwehr hinkomme. „Wenn man die Baracken dann abgerissen hat, könnten die Container hier stehen“, sagt Schulz. Es werde aber auch nach Bestandsgebäuden gesucht. Bis Jahresende müsse eine Entscheidung fallen, verdeutlicht der Bürgermeister. „Laut Quote“, so Julia Lunau, „müssen wir in diesem Jahr 41 Flüchtlinge aufnehmen. Da sind wir schon sehr nah dran.“

Schulz sehe es als Geschenk, „bei dem demografischen Wandel so viele neue Menschen dazu zu bekommen“. Schließlich habe Eutin vor dem Zweiten Weltkrieg auch nur aus 8000 Einwohnern bestanden und heute seien es mehr als doppelt so viele, dank der Flüchtlinge von damals aus Ostpreußen und Pommern. „Damals haben wir das mit der Integration auch prima hinbekommen. Wir sind auf einem guten Weg, aber nur gemeinsam schaffen wir was“, sagt er mit Blick in Richtung Landesvertreter. Die stuften die Unterbringung im Lindenbruchredder als „unteres Niveau“ ein, das den Mindeststandards für Unterkünfte eher nicht entspreche.

Ein großes Problem neben der Wohnsituation sind die Sprachbarrieren. Diese aufzubrechen ist Ziel vieler Sprachpaten, die sich neben dem Deutschunterricht beim VHS-Kurs auch in den DaZ-Klassen engagieren, in denen schulpflichtige Kinder unterrichtet werden. Doch zwischen beiden Sprachangeboten klafft eine Lücke, sagt Sprachpatin Barbara Grothe (64): „Wer 18 Jahre alt ist, fällt aus den DaZ-Klassen raus, ist dann aber noch lange nicht ausbildungsreif.“ Außerdem seien in den DaZ-Klassen die Sprachfähigkeiten so unterschiedlich, dass es schwer sei, jedem Schüler gerecht zu werden. Sophia Schutte, VHS-Deutsch-Lehrerin: „Im Haushalt des Landes für nächstes Jahr sind mehr Lehrerstellen für die DaZ-Zentren vorgesehen. Das ist auch dringend notwendig.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert