„Wir haben für 2016 vieles geplant“

Ein Blick zurück: Sabine Kuhnert soll bei den Festspielen verabschiedet werden.
Ein Blick zurück: Sabine Kuhnert soll bei den Festspielen verabschiedet werden.

Geschäftsführerin Sabine Kuhnert kämpft um die Fortsetzung ihrer Arbeit für die Festspiele / „Herr Hagen hat Großartiges geleistet“

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30. Juli 2015, 13:45 Uhr

Hohe Wellen schlägt bei den Eutiner Festspielen der angekündigte Abschied von der Geschäftsführerin Sabine Kuhnert. Sie nimmt dazu in diesem Interview Stellung.

OHA: Frau Kuhnert, nach dem Willen der Mehrheit im Beirat der Eutiner Festspiele sollen Sie in wenigen Wochen Ihren Arbeitsplatz in der Opernscheune aufgeben. Werden Sie aufgrund der persönlichen Enttäuschung vielleicht schon früher gehen?

Kuhnert: Die Saison wird korrekt abgearbeitet. Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine Veranlassung, daran etwas zu ändern. Nebenbei gesagt: Ich habe vertragsgemäß noch Anspruch auf 25 Tage Jahresurlaub.

Welche Reaktionen haben Sie erreicht, nachdem die Entscheidung des Beirats publik wurde?

Wildfremde Menschen haben mich angerufen und ihre Unterstützung angeboten. Auch frühere Aufsichtsräte der Festspiele haben sich gemeldet, der Haupttenor war: Durchhalten und weitermachen.

Wer könnte denn an der Entscheidung überhaupt noch etwas ändern?

Ich bin sicher, dass der gesamte Vorstand der Wirtschaftsvereinigung noch einmal darüber beraten wird.

Alleinige Gesellschafterin der Neuen Eutiner Festspiele GmbH ist die Wirtschaftsvereinigung Eutin. Deren Vorsitzender Klaus Hoth ist mit Ihnen befreundet, was sagt er Ihnen?

Es hat in der letzten Woche kein Gespräch zwischen uns gegeben. Ich darf auch in meiner Position nicht groß über Freundschaft nachdenken, sondern habe Verantwortung zu tragen und kümmere mich professionell ums Tagesgeschäft, was an Aufführungstagen ein 16-Stunden-Job ist.

Sind Ihnen vom Beirat Gründe für die Nichtverlängerung Ihres Vertrages genannt worden?

Mir ist bisher keine offizielle Aussage dazu mitgeteilt worden.

Was denken Sie über die Beweggründe des Beirats, speziell auch die seines Vorsitzenden Hans-Wilhelm Hagen?

Vorweg will ich eines betonen: Herr Hagen hat mit sehr viel Kraft Großartiges für die Neuen Eutiner Festspiele geleistet - das steht außer Zweifel.

Und weiter?

Ich bin mit ihm, und wie auch viele andere, der Ansicht, dass die Festspiele langfristig zukunftsfähig aufgestellt werden müssen. Dabei gibt es für
mich zwei Hauptgesichtspunkte: allerhöchste Transparenz und unabhängig von den handelnden Personen. Wie diese Leitideen umgesetzt werden, dafür kann es unterschiedliche Modelle und Vorgehensweisen geben. Darüber sollte in Ruhe und ohne Zeitdruck beraten und entschieden werden.

Das klingt, als könnten Sie sich trotz allem eine Fortsetzung Ihrer Arbeit in der Opernscheune vorstellen.

Natürlich. Es kann auch keine zwei Meinungen darüber geben, dass das jetzige Führungsteam in der Opernscheune sehr geeignet ist, das LGS-Jahr 2016 gemeinsam zu schultern. Genau das sagen und wollen ja auch der Technische Direktor Arend Knoop und die Intendantin Dominique Caron. Wir haben für 2016 schon Vieles gemeinsam geplant.

Nach dem Willen der Beiratsmehrheit soll frisches Kapital und eine neue Gesellschaftsstruktur die Festspiele zukunftsfest machen. Was halten Sie davon?

Ein reines Erhöhen des Kapitals bedeutet nicht, dass die Festspiele automatisch zukunftssicher werden. Es geht zuerst um funktionierende Strukturen, unabhängig von handelnden Personen.

Wie viel Einfluss sollten die Zuschussgeber und Sponsoren haben?

Es wäre vermessen, die Zukunft zu planen ohne die Geldgeber von außen. Die Zuschussgeber und Großspender gehören mit an den Tisch, wenn über die Neuaufstellung der Festspiele beraten werden soll.

Letzte Frage: Was bedeutet für Sie persönlich die Geschäftsführung bei den Festspielen?

Ich empfinde es als Ehre, in einer so großen Tradition arbeiten zu dürfen. Dieses Kulturunternehmen besteht immerhin schon 65 Jahre, das macht mich demütig. Es bereichert zudem mein Leben, ich habe hier neue Freundschaften geschlossen. Und ich habe den Ehrgeiz, die Festspiele weiter zu entwickeln. Die Kraft dazu schöpfe ich ganz aus meiner Familie.


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