„Wir brauchen einen Masterplan“

Autos, die dringend ersetzt werden müssten, zeigte 1. Polizeihauptkomissar Bernd Schröder den Besuchern.
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Autos, die dringend ersetzt werden müssten, zeigte 1. Polizeihauptkomissar Bernd Schröder den Besuchern.

Präsidium des Landtages bekundete der Polizeidirektion in Eutin Respekt und Bereitschaft, notwendige Investitionen mitzutragen

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01. Dezember 2017, 13:23 Uhr

Wenn die Landespolizei eine ausreichende Zahl an jungen Menschen als Nachwuchs gewinnen will, muss sie attraktive Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bieten. Darüber waren sich gestern die Spitze der Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und die Bereitschaftspolizei (PD AFB) in Eutin sowie vier Repräsentanten des Landtages einig. Viele Baustellen im wörtlichen wie im übertragenen Sinne wurden bei diesem historischen Besuch auf
der Hubertushöhe besprochen – historisch, weil zum ersten Mal Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) und seine drei Vertreter in die Polizeischule kamen.

Einen Anstoß für diesen Besuch hätten die massiven Angriffe auf Polizeibeamte beim G20 in Hamburg geboten, Schlie sagte. Neben der Anerkennung der Politik für den Einsatz der Polizeibeamten habe man aber in Eutin auch erfahren wollen, welche unerfüllten Wünsche es bei Personal wie Polizeischülern gebe. Neben Gesprächen mit Vertretern verschiedener Dienststellen unternahmen Schlie sowie Kirsten Eickhoff-Weber (SPD), Rasmus Andresen (Grüne) und Oliver Kumbartzky (FDP) einen Rundgang über das Schulgelände, nahmen Fahrzeuge, Unterkünfte und Lehrräume in Augenschein.

„Wir wollen ein deutliches Zeichen setzen über alle Fraktionsgrenzen hinweg“, betonte Schlie im Gespräch mit Journalisten, „wir stehen zu dieser, unserer Landespolizei.“ Und dieses Zeichen bedeute auch, sich im Parlament für eine ausreichende Ausstattung einzusetzen. „Wir sind uns einig, dass wir mehr Polizei brauchen, und das in einer Zeit, in der die demografische Entwicklung entgegen gesetzt läuft.“

Schlie unterstrich, dass er und seine Kollegen den Verantwortlichen der Polizeidirektion ohne Einschränkung vertrauten. Das gelte auch für Reaktionen auf Fehlverhalten einzelner Menschen: „Fehlverhalten gibt es in jeder Einrichtung, im übrigen auch in Parlamenten, es muss konsequent, aber auch mit der gebotenen Sensibilität aufgeklärt werden.“ Genau so wichtig sei aber auch die Klarstellung, dass nicht ganze Organisationseinheiten durch das Fehlverhalten einzelner Personen diskreditiert werden dürften.

Es gebe in der Landespolizeischule kein strukturelles Defizit in Sachen Sexismus, Mobbing und Rechtsextremismus, sagte der Chef der Direktion, Michael Wilksen. Es gebe Einzelfälle, jeder werde konsequent verfolgt, aber die Fürsorgepflicht für die Beamten und die Gefahr, den Anschein einer Vorverurteilung zu erwecken, verpflichte zur Zurückhaltung bei der Informationspolitik.

Der Leitende Polizeidirektor äußerte den Verdacht, dass die Medienberichte über solche Vorfälle den Bemühungen der Landespolizei bei der Nachwuchswerbung nicht förderlich seien. Und auch die Ausschreitungen beim G20 in Hamburg schreckten vielleicht den einen oder anderen potenziellen Bewerber ab.

Die 400 Ausbildungsplätze, die bei der Landespolizei im nächsten Jahr besetzt werden sollen, seien noch nicht alle vergeben. Vorgestern erst war die Bewerbungsfrist um gut drei Wochen bis zum 23. Dezember verlängert worden. Es gebe weniger Bewerber als vergangenes Jahr, aber er sei noch optimistisch, dass die vorgesehenen Einstellungszahlen auch erfüllt werden könnten, sagte Wilksen weiter.

Mit Blick auf die Bauwünsche waren sich Besucher und Vertreter der Direktion einig, dass es möglichst schnell einen Masterplan geben sollte, nach dem die als notwendig anerkannten Projekte umgesetzt und finanziert werden müssten: Während eine Einsatztrainingshalle nächstes Jahr fertig wird, stehen ein möglichst schneller Ersatz für Küchengebäude und Kantine, ein neues Lehrsaalgebäude sowie eine Aula auf der Liste der fehlenden Bauwerke, weiter auch moderne Unterkünfte für Polizeischüler und Teilnehmer von Fortbildungen. Mehrbettzimmer seien einfach nicht mehr zeitgemäß, stellte auch Klaus Schlie fest.

Und moderner Unterricht brauche auch moderne Ausstattung, sagte Polizeidirektorin Maren Freyher, stellvertretende Leiterin der PD AFB. Es fehlten zum Beispiel eine zeitgemäße Ausrüstung für die kriminaltechnische Ausbildung, eine moderne, digitale Bibliothek und auch moderne Medien für den Lehrbetrieb. Ziel bleibe die Ausbildung für eine moderne, gesellschaftsnahe und demokratisch verankerte Polizei.

Großes Lob für die Arbeit, die auf der Hubertushöhe geleistet wird, sprachen Schlies Stellvertreter Kirsten Eickhoff-Weber, Oliver Kumbartzky und Rasmus Andresen aus, Andresen nannte dazu den Austausch zwischen Parlament und Polizei sehr wichtig – ein Hinweis, dem auch Klaus Schlie beipflichtete: Er könne sich auch vorstellen, mit dem kompletten Landtag mal einen ganzen Tag bei der Landespolizei zu organisieren.

Verglichen mit den notwendigen Summen für die Bauwünsche sind die Wünsche von Bernd Schröder, Sachbereichsleiter Bauwesen, bescheiden: Er präsentierte Einsatzfahrzeuge, die angesichts Alter, Laufzeit und Reparaturbedarf längst eine Ausmusterung verdient hätten.

Beeindruckt zeigten sich die Besucher auch von den Schäden, die Fahrzeuge beim G20 erlitten haben: Allein
der Ersatz der demolierten Frontscheibe des Wasserwerfers werde rund 15 000 Euro kosten. Insgesamt summiere sich der Reparaturbedarf für Fahrzeugschäden nach dem Einsatz in Hamburg auf rund 100 000 Euro, sagte Maren Freyher.

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