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„Winterweide von Anfang an nicht geeignet“

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Situation der Robust-Rinder auf den Weide am Sibbersdorfer See scheint leicht verbessert. Mit einem neuen Zaun werden die Tiere mittlerweile wirksam daran gehindert, in den bereits verschlammten Bereich zu gehen.

Doch nach der Maßnahme, die offensichtlich von den Betreibern vorgenommen wurde, gibt es neue Kritik: „Die 6,3 Hektar große, durchnässte und ohnehin viel zu kleine Weide, ist jetzt noch kleiner geworden“, beklagt Klaus Dahmke, Pressesprecher des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, der die Situation vor Ort beobachtet.

Mittlerweile beschwert sich auch der Wasser- und Bodenverband Schwentine in einem Brief an die Zuchtgemeinschaft „Schwentine-Rind“ und das Umweltministerium über den dortigen Zustand an Schwentine und Sibbersdorfer See. Und auch das Land ist als Eigentümer des angrenzenden Sibbersdorfer Sees aufmerksam geworden und wird Kontakt mit den Tierhaltern aufnehmen, wurde unserer Zeitung von der Behörde bestätigt.

Wie berichtet, wird direkt an der Schwentine und dem Sibbersdorfer See eine Herde von Robust-Rindern auf einer Winterweide gehalten. Die Weide ist durch den extrem feuchten Winter gekennzeichnet. Doch: Exkremente der Tiere gelangen offensichtlich in die Schwentine und den Sibbersdorfer See und sorgen so für einen erhöhten Eintrag von in der Masse gefährlichen Nährstoffen.

„Eine Herde von 39 Robust-Rindern auf 6,3 Hektar Weideland sind ein krasses Missverhältnis“, wunderte sich Klaus Dahmke, der selbst Robust-Rinder hielt. Er empfiehlt auf der Fläche maximal 12 bis 14 Tiere. Eigentlich noch weniger, weil ein Großteil der Winterweide am Sibbersdorfer See sogar überschwemmt ist. Schwarzerlen und Binsen zeigten die konstant hohe Feuchtigkeit der Weide an. Sie hätte gar nicht als Winterweide ausgesucht werden dürfen.

Klaus-Dieter Schlüter, Referent für Gewässer- und Bodenschutz bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ist ganz anderer Meinung: „Es gibt keine gesetzlichen Vorgaben über das Verhältnis der Anzahl der Tiere und der Fläche auf einer Weide.“ Er empfiehlt nach Beendigung der Winterweide die Anlage einer neuen Grundeinsaat.

Klaus Dahmke weiß aus eigener Erfahrung: „Die Rinderhalter hätten frühzeitig erkennen müssen, dass sich das Stück nicht als Winterweide eignet.“ Die nicht ordnungsgemäße Haltung dieser Robust-Rinder habe mit guter fachlicher Praxis nichts zu tun. Außerdem diene das Verhalten der Zuchtgemeinschaft aus dem Eutiner Stadtvertreter Jürgen Stange (Grüne) sowie Edda Kreidelmeyer und Christoph Greifenhain nicht dem guten Image der Bauern in Schleswig-Holstein. Dahmke rät: „Wenn man keine geeigneten Winterweiden für die 39 Tiere hat, dann sollte man so viele Viecher verkaufen bis es zu einem vertretbaren Maß an Tieren auf der vorhandenen Winterweide kommt.“

Gerd Schumacher vom Wasser- und Bodenverband Schwentine kritisiert, dass die Zuchtgemeinschaft einen Teil der bekannt feuchten Winterweide an der Schwentine und dem Sibbersdorfer See mit dem Traktor kaputt gefahren habe. Besser wäre es gewesen, andere Zufahrten zu finden und die Raufen als Futterstellen auf der viel zu kleinen Weide für die 39 Tiere zu verändern, empfiehlt Schumacher, der selbst 40 Jahre Erfahrungen in der praktischen Landwirtschaft als Tierhalter gesammelt habe.

Mit dem Traktor würden die im Boden gespeicherten Mineralien durch die Zerstörung der Grasnarbe unnatürlich freigesetzt. „Und bei
Regen macht sich die Brühe des mineralisierten Moorbodens zusammen mit den Kotabfällen der Robust-Rinder als Mineral-Cocktail auf den Weg in die Schwentine und den Sibbersdorfer See, der tatsächlich wie eine ,Sedimentfalle’ wirkt.“ Und im Sommer koche der See dann an der Vorlandzunge so richtig auf.

Schumacher empfiehlt, die derzeitige Winterweide am Sibbersdorfer See künftig nur als Mäh- und Sommerweide zu bewirtschaften. Auch Robust-Rinder benötigten einen fußtrockenen Standort und eine Überdachung mit Strohlager sowie ordentliche Futtervorlagen. „Nasse Rücken und nasse Füße der Robust-Rinder verbrauchen so viel Energie, dass der Gewichtszuwachs der Tiere bei gleich Null liegt“, rechnete Schumacher vor.

Der Landwirt kann sich nicht vorstellen, dass für die Rinderhaltung am Sibbersdorfer See auch noch Entschädigungen bezahlt werden. Er sieht in der dortigen Rinderhaltung auch eine Gefahr für die Verbraucher: „Durch die Feuchtigkeit werden Leber, Magen und Darm der Tiere von Würmern befallen – aber Medikamente dagegen darf die Zuchtgemeinschaft eigentlich nicht geben.“

Das allerdings scheint das Veterinäramt des Kreises Ostholstein ganz anders zu sehen. „Unsere Mitarbeiter des Fachdienstes für Lebensmittel und Tiergesundheit haben sich das Areal und die Tiere angesehen und sind nicht tätig geworden“, sagte Anja Sierks-Pfaff dem OHA.

Sorgenfalten auf der Stirn haben allerdings der Fischwirtschaftsmeister Helmut Schwarten und Johannes Fischer, Referent für Umwelt- und Naturschutz im Kreisangelfischerverband Ostholstein: „Nur 200 Meter aufwärts vom See sind etwa 15 Laichbetten für Bachforellen angelegt worden.“ Auch sei in der Schwentine von Sibbersdorf bis zum Sibbersdorfer See ein größeres Vorkommen von Gründlingen, Dreistachligen Stichlingen und der Steinbeißer festgestellt worden.

 

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erstellt am 13.Feb.2015 | 13:28 Uhr

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