Windschnittig wie ein Eisvogel

Ein Eisvogel-Skelett. Fotos: Holger Jürgensen
1 von 2
Ein Eisvogel-Skelett. Fotos: Holger Jürgensen

Skelett oft filigran, jedoch sehr stabil / Körperform half beim Bau moderner Züge

Avatar_shz von
13. August 2018, 11:58 Uhr

Holger Jürgensen Beim Verzehr eines Grillhähnchens kommt man den Knochen des Vogels immer näher, aber ihrer Betrachtung wird normalerweise dabei nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Bei der Beurteilung des Skeletts eines Eisvogels zum Beispiel fällt besonders das verhältnismäßig große Brustbein auf, das aus einer breiten Schale besteht, in der das Herz, der Magen und die Leber ruhen.

An dem sich nach außen erhebenden Brustbeinkamm sitzt die Flugmuskulatur. Im Vergleich zu diesem gewaltigen Knochen ist das Pendant zum Säugetier vergleichsweise winzig; nicht einmal die Fledermäuse haben es fertiggebracht, so einen Kamm zum Ansatz ihrer Muskeln zu entwickeln.

Es ist zu erkennen, dass die filigran „gearbeiteten“ Brustwirbel eine bewegliche Verbindung zur Wirbelsäule haben, hinter denen wieder Muskeln sitzen und das Atemgeschehen geregelt wird. Trotz der augenscheinlichen Feinheit ist so ein Kernskelett sehr stabil. Es endet in der Schwanzwirbelsäule, die aus einer Verschmelzung mehrerer Wirbel entstanden ist, an dem die meistens zwölf Schwanzfedern mit ihrer Muskulatur beiderseits ansitzen.

Ein Vogel besitzt bekanntlich keine Arme zum Greifen, anstelle dessen sind ihm Flügel gewachsen, und das gesamte Skelett steht unter dem Diktat der Fluganpassung. Die lange und bewegliche Halswirbelsäule muss das Fehlen von Armen kompensieren. Beim Betrachten des Eisvogels fällt besonders der überdimensionale Schnabel im Vergleich zum gesamten Körper auf, der ja als Werkzeug in Anpassung an seine unterschiedlichen Aufgaben zu dienen hat: Graben einer Brutröhre, erfolgreiches Tauchen und Erschlagen der Beute auf dem Ansitz. Grundsätzlich ist zu erwähnen, dass im Verlaufe der Evolution der Vögel statt vergleichsweise schwerer Zähne und ihrer Lagerung eine stabile Hornscheide getreten ist zur Abdeckung des Ober- und Unterkiefers; sie ist aber auch wieder nicht so widerstandsfähig wie ein Zahn. Daher wächst sie ständig nach, befähigt durch eine gute Durchblutung, und wird zuweilen sogar abgestoßen und komplett ersetzt. Ein gutes Beispiel dazu ist der große und bunte Schnabel des Papageitauchers.

Die auffallende Körperform unseres Eisvogels hat vor sechs Jahren in Japan zur Vorbildfunktion für den Bau moderner Hochgeschwindigkeitszüge geführt. Gefährliches Materialverhalten des Triebkopfes bei der Einfahrt in einen Tunnel konnte ausgeschlossen werden, nachdem man sich den stromlinienförmigen Körperbau des „Kingfishers“, so der Eisvogel im englischen Sprachraum, und seinen Tauchgang ins Wasser zum Maßstab für den Bau der Maschine wählte.

Weitere Infos unter www.vogelschutzeutin-badmalente.de

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen