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Ostholsteiner Anzeiger

24. November 2017 | 21:42 Uhr

Windkrafträder auf Kranich-Route?

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kreisverwaltung und Grünen-Fraktion warnen Landesplanung vor Windeignungsflächen, die seltene Vögel und Fledermäuse bedrohen

von
erstellt am 05.Okt.2017 | 11:02 Uhr

Bei der Ausweisung von Flächen, auf denen Windkrafträder gebaut werden dürfen, ist noch vieles im Prozess: Die neue Landesregierung hat die dafür entwickelten Regionalpläne erst einmal zurück gezogen, weil sie die Vorgaben überarbeiten will. Die Verwaltung des Kreises hatte im Juni eine Stellungnahme zu den Windeignungsflächen in Ostholstein nach Kiel geschickt, diese Stellungnahme wurde dem Kreistag am Mittwoch offiziell zur Kenntnis gegeben.

Die Hinweise auf Flächen, die vor allem aus Gründen des Naturschutzes nicht für den Bau von Windrädern zugelassen werde sollten, hat die Kreistagsfraktion der Grünen aufgegriffen und mit einer eigenen Stellungnahme ergänzt und unterfüttert. Es schade nichts und sei im Gegenteil gut, wenn auch die Politik auf Schwachpunkte in der Landesplanung hinweise, sagte Landrat Reinhard Sager (CDU).

Insgesamt 6500 Stellungnahmen seien im bisherigen Verfahren beim Land eingegangen, schilderte Sager weiter, und die müssten zunächst einmal abgearbeitet werden. Hinzu kämen Überlegungen der neuen Landesregierung, Vorgaben zu ändern, etwa größere Mindestabstände von Anlagen zu Häusern und Orten.

Auswirkungen auf die Pläne für Windkraftflächen in Ostholstein könnten auch noch durch die Aufgabe des letzten Funkfeuers kommen, die offensichtlich auch bevorstehe. Diese Einrichtung im Nordkreis bei Heringsdorf dient der Navigation von Flugzeugen und fordert große Abstände zu Windrädern.

Was am Ende dieses Prozesses heraus komme, könne nur Spekulation sein, stellte Sager fest. Unabhängig davon sollten der Landesplanung Hinweise gegeben werden, wo Windräder nicht gebaut werden sollten.

Monika Obieray (Grüne) betonte, dass die Grünen zum geplanten Ausbau der Windenergie stünden. Dieser dürfe aber nicht dort erfolgen, wo er erfolgreichen Naturschutz gefährde. Als ein Beispiel aus dem fünfseitigen Brief der Grünen-Fraktion an das zuständige Umweltministerium schilderte Obieray den Raum zwischen Curauer Moor (Gemeinde Ahrensbök, Scharbeutz und Stockelsdorf) und Ruppersdorfer See (Gemeinde Ratekau). In den zurückliegenden Jahrzehnten seien erhebliche Anstrengungen unternommen worden, das Moor wieder zu vernässen, und tatsächlich sei es zu einer deutlichen Erhöhung der Artenvielfalt gekommen. Dazu gehöre auch eine Population von rund 100 Kranichen, die regelmäßig zwischen dem Moor und dem Ruppesdorfer See pendelten. Folglich dürfe das betroffene Gebiet nicht als Eignungsfläche für Windenergie ausgewiesen werden. Windräder dürften nicht genau dort zugelassen werden, wo sich der Naturschutz seit vielen Jahren mühe, gefährdete Großvogelarten wie Adler, Rotmilan, Kranich und Kormoran zu sichern oder auch wieder heimisch zu machen. Das gleiche gelte für die Anstrengungen um den Fledermausschutz.

Bei Gnissau und Strenglin gebe es besonders viele geschützte Fledermausarten, die extrem gefährdet würden, wenn die Abstände von ihren Flugrouten nicht eingehalten werden. Der Warder See, der Seekamper See und die Kiesgrube Lebatz seien in den vergangenen Jahren zu Grünland- und Sukzessionsstandorten geworden, wo der Artenreichtum erfreulich zugenommen habe. Eine Naturwaldparzelle sei jeweils im Staatsforst „Kuhkoppel“ und im Wahlsdorfer Holz eingerichtet worden, weil es dort noch eine natürliche Ausprägung des Waldes gegeben habe.

Der Artenreichtum an Vögeln und Fledermäusen habe sich als Folge naturnaher Waldwirtschaft und begleitender Maßnahmen erfreulicher Weise auch außerhalb des Waldes entwickelt, das dürfe nicht durch falsch platzierte Windräder gefährdet werden. Obieray: „Nach Jahren der Windkraftnutzung wissen Fachleute inzwischen ziemlich genau, welche Abstände und Ausrichtungen von Windrädern das Tötungsrisiko für die Vögel verhindern können. Wir erwarten, dass die Landesplanung diese Erkenntnisse berücksichtigt.“

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