zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

19. August 2017 | 00:18 Uhr

Windkraftfinanzierer Prokon in großer Not

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Firmenchef bittet die Anleger um frisches Geld – und droht mit der Insolvenz

An Warnungen hat es nicht gefehlt: Seit Jahren weisen Vermögensverwalter und Verbraucherschützer auf die Risiken hin, die beim Kauf von Prokon-Genussscheinen lauern. Doch die Aussicht auf acht Prozent Verzinsung hat 75 000 Anleger verlockt.1,4 Milliarde Euro haben sie dem Itzehoer Windanlagenfinanzierer zur Verfügung gestellt. Jetzt droht Prokon mit Insolvenz, sofern Anleger weiter im großen Ausmaß ihr eingezahltes Geld abziehen.

Derzeit werden angeblich 150 Millionen Euro zurück gefordert, 2013 seien schon 130 Millionen ausgezahlt worden. „Es ist absehbar, dass wir die Zahlungen in dieser Höhe nicht fristgerecht leisten können“, schreibt Firmengründer Carsten Rodbertus auf der Prokon-Internetseite. Sollte es „nicht gelingen, die Liquiditätslage sehr schnell wieder zu stabilisieren, werden wir voraussichtlich Ende Januar gesetzlich gezwungen sein, eine Planinsolvenz einzuleiten“, heißt es in einem Schreiben an die Anleger. Sie werden zudem aufgefordert, ihre Kündigung wahlweise zurückzunehmen, frühestens in sechs Monaten ihr Geld in Raten zurückzufordern oder gar Neues nachzuschießen.

Alternativ können sie auch ankreuzen: „Ich werde meine Genussrechte zeitnah kündigen. Eine Insolvenz nehme ich bewusst in Kauf.“ Michael Herte von der Verbraucherzentrale in Kiel spricht von Erpressung. „Dass ein Unternehmen seinen Anleger so unter Druck setzt, habe ich noch nie erlebt.“ Hoffnungen, das sich Prokon noch berappelt, hat er wenig. Selbst wenn Anleger jetzt auf Rückzahlung verzichten, werde „der Untergang womöglich nur herausgezögert“. Prokon lebe davon, dass ständig frisches Geld ins Unternehmen fließt, „doch wer will jetzt noch investieren“.

Prokon hatte seine Geldgeber bereits im Dezember aufgefordert, die Zinsen für das zweite Halbjahr 2013 zur Entspannung der Liquiditätslage im Unternehmen zu belassen. Schuld an der misslichen Lage sei eine Medienkampagne , die Anleger verängstigt habe, so die Geschäftsführung.

Angesichts von 1300 gefährdeten Arbeitsplätzen – davon 500 in Itzehoe – will Kiels Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) Prokon heute Informationsgespräche anbieten. Kommentar Seite 17

zur Startseite

von
erstellt am 13.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen