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Ostholsteiner Anzeiger

16. Dezember 2017 | 08:42 Uhr

Bosau : Windkraft spaltet Gemeinde

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Knapp 100 Interessierte besuchten Montag den gemeindlichen Bauausschuss. Ein Antrag der FDP auf Planungsstopp wurde abgelehnt,

von
erstellt am 07.Okt.2015 | 17:00 Uhr

Der geplante Bau von fünf jeweils bis 200 Meter hohen Windkraftanlagen zwischen Hutzfeld und Majenfelde rief am Montagabend knapp 100 Interessierte als Gäste des gemeindlichen Bauausschusses auf den Plan. Dabei übergab Cornelia Frerichs, Vorsitzende der Bosauer Bürgerinitiative „Gegenwind“, Bürgermeister Mario Schmidt 622 Unterschriften gegen Windkraftanlagen in der Gemeinde Bosau.

Vor einer teilweise hitzig geführten Debatte, in der Gemeindevertreter Ernst-Günther Schneider (FDP) gleich zwei Ordnungsrufe kassierte, erklärten Bürgermeister Mario Schmidt und Bauausschussvorsitzender Eberhard Rauch (CDU) die Geschichte der Windkraft in der Gemeinde Bosau. Über drei Jahre sei das Thema Gegenstand verschiedener Veranstaltungen – darunter auch eine Einwohnerversammlung mit nur fünf Teilnehmenden – in der Gemeinde. Durch einen landesweit festgestellten Verfahrensfehler seien ein Planungsstopp verhängt und die Regionalpläne aufgehoben worden.

Das Gebiet in der Gemeinde Bosau sei von der Landesplanung ausgewiesen worden, sagte Eberhard Rauch. Darauf habe die Gemeinde keinen Einfluss gehabt. Den könne sie allerdings jetzt bei der Bauleitplanung ausüben. Rauch: „Machen Sie nicht die Gemeindevertreter verantwortlich für den Bau der Windkraftanlagen.“

Zwischenzeitlich habe der Landtag die Änderung beschlossen und verfügt, dass in den nächsten zwei Jahren keine Genehmigungen für Windkraftanlagen erteilt werden, erklärte Mario Schmidt. In dieser Zeit passe das Land die Richtlinien an die gerichtlichen Urteile an. In einem neuen Planungsbeschluss vom 23. Juni dieses Jahres sei Bosau ins neue Planungsgebiet drei gekommen. Auf Anfrage der Gemeinde Bosau beim Land sei mitgeteilt worden, dass so schnell keine Entscheidung für die Fortsetzung der Planungen die fünf Windräder zu erwarten sei.

Mario Schmidt nannte Alternativen: die bisherigen Planungen in Bosau entsprechen nicht den Planungen des Landes, dann müsse das Verfahren neu aufgerollt werden – oder die Gemeinde könne mit den Planungen fortfahren, weil die Richtlinien des Landes es zulassen. Auf jeden Fall, so Schmidt, werde das Thema noch einmal im Bauausschuss und dann in der Gemeindevertretung behandelt: „Ohne den Bauausschuss läuft in der Angelegenheit Windkraft nichts.“ Schmidt sagte zu, dass die nächste Beratung in der Turnhalle Hutzfeld stattfinde und dort alle Aspekte besprochen werden sollen.

Aufgebracht vor den knapp 100 Gästen reagierte Ernst-Günther Schneider mit dem Vorwurf der Mauschelei: „Mich verarscht ihr hier nicht. Der Bauausschuss kann kurzfristig eingeladen werden und den Beschluss fassen.“ Erhard Hinrichsen aus dem Alten Schulweg klagte über den Wertverlust der Grundstücke: „Wir wohnen 40 Jahre in Hutzfeld und bekommen die Windkraftanlagen mitten vor die Nase gesetzt. Nach Hutzfeld würden wir nicht wieder ziehen.“

Dr. Joachim Rinke (FDP) forderte Erbauer, Betreiber und Planer zu einer Informationsveranstaltung einzuladen. Andere Diskussionsteilnehmer fürchteten eine schleichende Enteignung und im schlimmsten Fall „unverkäufliche Grundstücke“ mit einem Wert- und Imageverlust. Andere verwiesen auf die schöne Landschaft in der Gemeinde Bosau, die durch die Windkrafträder verschandelt werde.

Am Ende wurde dem FDP-Antrag nach einem Planungsstopp mit Stimmen von CDU, SPD und Grünen nicht entsprochen.  

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