Windkraft hat nicht nur Freunde

Noch ist die Landschaft unverbaut: in diesem Bereich möchte ein Energiekonzern fünf Windräder aufstellen.
Noch ist die Landschaft unverbaut: in diesem Bereich möchte ein Energiekonzern fünf Windräder aufstellen.

In der Gemeinde Bosau regt sich Widerstand gegen den Bau von fünf Windkraftanlagen im Bereich des Hassendorfer Dreiecks

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26. Mai 2015, 16:22 Uhr

Seit etwa zweieinhalb Jahren laufen in der Gemeinde Bosau bereits die Planungen zum Bau eines Windparks. Dort, wo am Hassendorfer Kreuz einst eine Mülldeponie des Zweckverbandes Ostholstein entstehen sollte, ist jetzt der Bau von fünf Windrädern geplant. Sie können die Region mit „grünem Strom“ versorgen.

Bis vor Pfingsten lagen die Pläne zur Einsichtnahme in der Gemeindeverwaltung aus. Nach Informationen unserer Zeitung soll es schon einige Einsprüche zu den Planungen gegeben haben – darunter sogar ein Gemeindevertreter als „Privatperson“ aber auch einige Bewohner aus Thürk, die befürchten, dass bis zu 200 Meter hohe und zur Flugsicherung beleuchteten Windräder ihre bisher so hohe Lebensqualität schmälern.

Genauer gesagt geht es um den Bebauungsplan Nr. 35 und den 9. Fächennutzungsplan für das Eignungsgebiet für die Windeenergienutzung östlich von den Ortsteilen Hutzfeld und Brackrade, südlich von Tedrahnshöhe, östlich der Landstraße 306, nördlich der Landstraße 176 – Windpark Hutzfeld – in der Gemeinde Brackrade. Das Land, auf dem die Windräder gebaut werden sollen, gehört drei Eigentümern.

Cornelia Frerichs aus Thürk gehört zu den Gegnern des geplanten Windparks Hutzfeld. „Wir Anwohner haben den von uns gewählten Gemeindevertretern vertraut, dass sie im Sinne ihrer Wähler und zum Wohle aller in der Gemeinde entscheiden, wenn es um die Nutzung der Windenergie in unserer Gemeinde geht“, schreibt sie in ihrem Einspruch, der dem OHA vorliegt. Darum hätten so viele Menschen in der Gemeinde die Hände in den Schoß gelegt und sich auf ihre Vertreter verlassen.

Die Planungen stehen nach den Worten von Cornelia Frerichs massiv im Interesse der Anlagenbetreiber und der Eigentümer aber gegen die Interessen der Einwohner: „Die wenigsten von uns machen sich klar, was das für uns und unsere Region bedeutet,wenn diese Industrieanlagen erst einmal gebaut werden.“ Die Planungen seien eine Katastrophe für den gesamten Raum um den Plöner See. Frerichs: „Wir sind ein Erholungsgebiet und leben vom Fremdenverkehr. Unser großer Schatz ist die unverbaute herrliche Landschaft.“

Die Bosauer sollten sich nicht dem Diktat des finanzierenden Konzerns beugen. Es würden sich andere Wege der Finanzierung kleinerer Anlagen ohne Flugsicherungsbeleuchtung finden. „Möglicherweise ließe sich dann auch unser Traum von einem Bürger-Windkraftwerk realisieren“, sagte Cornelia Frerichs, die sich bereits an der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Turnhalle der Heinrich-Harms-Schule beteiligt.

Cornelia Frerichs fürchtet um weitere Einschränkungen: „Für den Schwerlasttransport der über 60 Meter langen Monsterflügel muss die Zuwegung auf der Tedrahnshöhe verstärkt werden, müssen neue Straßen auf dem Anlagengelände gebaut,
Flächen versiegelt, Knicks durchbrochen und Bäume gefällt werden.“ Sie fürchtet, dass der „Windpark“ zu einer negativen Visitenkarte für den Luftkurort Bosau wird und den Erholungswert beeinträchtige.

Erwartete höhere Einnahmen der Gemeinde aus der Gewerbesteuer bezeichnete sie als „Milchmädchenrechnung“. Frerichs: „Internationale Energiekonzerne wissen ganz genau, wie man Gewinne wegrechnet.“ Keinen Zweifel ließ sie daran, dass Windenergie benötigt werde. Aber für die Gemeinde Bosau gebe es keinen Zwang, den Bebauungsplan umzusetzen.

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