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Ostholsteiner Anzeiger

24. November 2017 | 01:15 Uhr

Willkommen an Bord!

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Bundespolizei See feiert ihr 50-jähriges Bestehen am 9. und 10. August in Neustadt. Als Teil der Küstenwache patrouillieren die Schiffe täglich entlang der Nord- und Ostseeküste. Ihr Streifenfahrzeug hat mehr als 7000 PS, unzählige Fans und eine besondere deutsch-deutsche Geschichte – gehen Sie am Jubiläums-Wochenende auf eine interessante Entdeckungstour durch den Stützpunkt am Wieksberg und am Stadthafen. .

von
erstellt am 10.Apr.2014 | 14:57 Uhr

Das aufspritzende Ostseewasser glitzert in der Morgensonne. Langsam lässt die „Neustrelitz“ ihren Heimathafen Neustadt hinter sich und gleitet durch die Lübecker Bucht. Die 14-Mann-Crew der Küstenwache startet ihre Streifenfahrt auf See. Fünf Tage lang ist das knapp 50 Meter lange Schiff der Bundespolizei ihr Zuhause; das Revier reicht von Flensburg an der dänischen Grenze bis Wismar in Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr als 700 Seemeilen, knapp 1300 Kilometer, legen Kommandant André Seidel und seine Mannschaft mit einem Törn zurück. Sie tun nichts anderes als ihre Polizeikollegen an Land. „Wir sind für alle Fälle da; wenn es irgendwo brennt, sind wir zur Stelle“, sagt der 50-Jährige. Er ist genauso alt wie die Bundespolizei See in Neustadt.

Am 10. August 1964 wurden dort die ersten Grenzjäger einberufen. Wenige Tage später – am 20. August 1964 – wurde in Neustadt der damalige Bundesgrenzschutz See mit zwei Flottillen aufgestellt und die ersten „Grenzjäger zur See“ bezogen ihre Unterkünfte in der Marinekaserne auf dem Wieksberg. Bis heute sind Teile der maritimen Komponente der Bundespolizeidirektion Bad Bramstedt im Standort Neustadt präsent.

Seidel ist ein Teil von ihnen. Seine Crew kontrolliert Freizeitskipper, verfolgt Fahrfehler und Umweltdelikte, ermittelt nach Seeunfällen. Im Herbst 2010 eilte die „Neustrelitz“ der brennenden litauischen Fähre „Lisco Gloria“ zur Hilfe. Als erstes Schiff traf die Küstenwache damals am Unglücksort nordöstlich der Insel Fehmarn ein. Seit 1994 sind die zur See fahrenden Behörden – Bundespolizei, Zoll, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung – sowie die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Koordinierungsverbund Küstenwache vereint.

Vielen Fernsehzuschauern ist die Küstenwache seit der 1997 gestarteten gleichnamigen ZDF-Serie ein Begriff. Dort ist die „Neustrelitz“ noch bis Anfang 2016 in neuen Folgen als „Albatros II“ zu sehen. Hoch im Kurs steht die Serie vor allem bei Menschen im Ruhrgebiet oder im Süden, weiß Vize-Kommandant Klaus Priedigkeit. Dennoch hat das ZDF beschlossen, die Produktion der „Küstenwache“ nicht fortzusetzen und die Vorabendserie nach 17 Jahren mit der 17. Staffel zu beenden.

„Dürfen wir mal ein Bild mit ihnen machen?“ – diese Bitte hört der 48-Jährige öfter. Die rasanten TV-Verfolgungsjagden auf dem Wasser und der Schusswaffengebrauch der Crew um Kapitän Ehlers haben mit dem Alltag an Bord nur wenig zu tun. „Ein Cowboy- und Indianer-Spiel mit Verfolgungsjagden oder Festnahmen an Bord kommt selten vor“, sagt Kommandant Seidel. Verfolgungsjagden seien nicht nötig. „Mit Blaulicht hinterher – das gibt es bei uns nicht.“ Alle Schiffe steuerten früher oder später einen Hafen an.

Zur Not bittet die Crew andere Behörden um Hilfe oder den Hubschrauber, der täglich die Ostsee überfliegt. „Hier geht alles sehr ruhig und sittsam zu“, sagt der 50-Jährige. Seit einem Jahr steht er auf der Brücke der „Neustrelitz“. Zuvor war sein Heimathafen Warnemünde, der dritte Standort der Bundespolizei See neben Neustadt und Cuxhaven in Niedersachsen. Langweilig wird es dem Polizei-Hauptkommissar auch nach 28 Jahren auf See nicht. „Ich weiß nie, was auf mich zukommt“, sagt er. Viel Privatsphäre hat die Crew an Bord des „gut erhaltenen Oldtimers“ nicht, wie der Kommandant das nach der Wende umgebaute ehemalige Raketenboot der Volksarmee der DDR nennt. Je zwei Mann teilen sich eine Kabine.

Damit an Bord keine schlechte Stimmung aufkommt, legt sich in der kleinen Kombüse der Polizist Michael Rödel besonders ins Zeug. Der 53-Jährige ist Smut, Schiffskoch. „Reiz dieses Arbeitsplatzes ist, dass man jeden Tag ein messbares Arbeitsergebnis abzuliefern hat“, sagt er. „Die Kollegen sind nicht scheu. Die sagen einem ziemlich genau, wie sie das Essen fanden.“ Rödel bereitet in seinem wenige Quadratmeter großen Arbeitsraum nicht nur Frühstück, Mittagessen und Abendbrot zu oder backt auch mal einen Kuchen. Für Einkauf, Lagerung und Abrechnung der Lebensmittel ist er ebenfalls zuständig. Planung ist wichtig. „Es gibt ja keine Möglichkeit, kurz in den Supermarkt zu fahren“, sagt er. Nach 28 Jahren als Koch auf See mag Rödel seinen Arbeitsplatz nicht mehr gegen einen Job an Land tauschen.

Davon, wie das Leben an Bord aussieht, können sich Interessierte am 9. und 10. August selbst ein Bild machen – beim Fest „50 Jahre Bundespolizei See/Tag der Küstenwache“. An diesem Wochenende hat jeder die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen der realen und fiktiven Welt der Küstenwache zu werfen. Die Bundespolizei See präsentiert sich und ihre Arbeit im Rahmen von „Open ship“ und maritimen Vorführungen. Fans der Küstenwache können in die Filmwelt der Serie eintauchen und die Schauspielerinnen und Schauspieler der ZDF-„Küstenwache“ während der Autogrammstunden hautnah erleben. Im Studio 1 werden Originalrequisiten, unveröffentlichte Filmsequenzen und begehbare Filmkulissen gezeigt.

An der gesamten Hafenkante im Neustädter Kommunalhafen und auf dem Bundespolizeigelände wird ein buntes Rahmenprogramm geboten – angefangen vom ZDF-Torwandschießen, über Mitmachstationen für die Kleinen, Künstlern und bis hin zu Musik. Mit dabei ist ebenfalls das Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr der Marine.

Die Jubiläumsfeier findet am Samstag, 9. August, von 10 bis 18 Uhr, am Sonntag, 10. August, von 10 bis 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Es steht ein Bus-Shuttle bereit, vom Parkplatz Rettin um 9.30, 11 und 13.30 Uhr startet und unterwegs in Pelzerhaken (Schaarweg), am Klinikum Neustadt, am Bahnhof und am Wieksberg hält.

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