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100 Mieter verunsichert : Wilhelmshöhe: Krach um Verträge

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Ohlmann-Firma Vitapark AG kündigte abrupt den Service für Mieter . Der neue Eigentümer der Anlage beklagt eine unzureichende Erfüllung des Kaufvertrages.

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erstellt am 24.Apr.2014 | 19:30 Uhr

Alles andere als reibungslos verläuft der Eigentümerwechsel in der Seniorenwohnanlage Wilhelmshöhe. Anhaltender Streit zwischen der Verkäuferpartei, der Familie Ohlmann, und dem Erwerber, dem Immobilienunternehmer Carsten Maßmann, hat die rund 100 älteren Mieter stark verunsichert. Immerhin gibt es für sie jetzt einen Lichtblick: Zum 1. Mai soll ihnen eine neue Service-Gesellschaft die gewohnten Dienstleistungen anbieten.

Bisher hat sich die von Burkhard Ohlmann geführte Vitapark AG um Küchenbetrieb, Hausreinigung, Empfangsbereich und Veranstaltungsprogramm gekümmert. Doch dieses Versorgungsangebot stellt Ohlmanns Firma, deren Bilanzen seit Jahren mit roten sechsstelligen Zahlen gespickt sind, kurzfristig schon zum 30. April ein. Dies wurde den Mietern ebenso abrupt mitgeteilt wie den gut 15 Vitaparc-Mitarbeitern, denen sogleich außerordentlich gekündigt wurde. Dagegen setzen sie sich jetzt juristisch zur Wehr.

Von Burkhard Ohlmann war für den OHA zu den Vorgängen auf Wilhelmshöhe keine Stellungnahme zu erhalten. Ein mit seiner Interessensvertretung betrauter Rechtsanwalt war ebenfalls nicht zu erreichen.

Dafür machte gestern Andreas Dannenberg, kaufmännischer Leiter im Oldenburger Immobilienunternehmen Maßmann, kein Hehl aus seiner Enttäuschung über die Entwicklung: „Wir wussten, dass Verhandlungen mit der Familie Ohlmann schwierig sind. Aber dass man sich so massiv nicht an vertraglich festgehaltene Vereinbarungen hält, das war für uns nicht vorstellbar.“

Über Einzelheiten dazu wollte sich Dannenberg nicht weiter äußern. Er bestätigte aber, dass der zum 1. November geschlossene Kaufvertrag, mit dem das neun Hektar große Grundstück mit 260 Wohnungen für rund 4,5 Millionen Euro veräußert wurde, noch nicht abgewickelt ist. Begründung: „Es sind noch nicht alle Auflagen des Vertrages erfüllt, da fehlen noch diverse Punkte.“

An einen Rücktritt vom Kauf denke man bei Maßmann trotz der Misshelligkeiten nicht: „Wir gehen davon aus, dass die betroffenen Banken das jetzt alles regeln werden“, sagte Dannenberg.

Nach OHA-Informationen ist vor allem die Landesbank Baden-Württemberg als Geldgeberin für die Wilhelmshöhe-Alteigentümergesellschaft bestrebt, ihr hohes Kreditengagement zu einem Abschluss zu bringen. Aus dem Interesse hatte sie bereits 2013 eine Machbarkeitsstudie für künftige Nutzungen der Wohnanlage finanziert. Empfohlen wurde eine umfassende Sanierung der Bestandsgebäude mit flexiblen Grundrissen und eine Erweiterung des Wohnangebotes für Familien – eine von den Eutiner Stadtvertretern mittlerweile gut geheißene Zukunftsperspektive.

In diese Richtung denkt auch Andreas Dannenberg: „Die 60 Wohnungen, die jetzt leer stehen, können erst nach gründlicher Sanierung neu vermietet werden. Unser Fokus liegt aber weiterhin auf Senioren, da ja auch die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist.“

Mit der schnellen Gründung einer neuen Service-Gesellschaft solle jetzt für die betroffenen Mieter das gewohnte Leistungspaket erhalten bleiben. Und nicht nur das: „Wir bieten ihnen ein erweitertes Angebot zum gleichen Preis.“ Ursprünglich hätte das alles erst zum 1. Juli passieren sollen, doch durch den eiligen Ausstieg der Vitaparc AG habe man die Gründung der Service-Gesellschaft viel schneller als geplant vorantreiben müssen, sagte Dannenberg.

„Wir hoffen alle, dass die Dinge schnell und gut geklärt werden. Wir sind ja auf die Dienstleistungen angewiesen“, formulierte Ingrid Bock, Sprecherin des Mieterbeirates, die Ansprüche der Bewohner auf Wilhelmshöhe. Zugleich bedauerte sie die Art und Weise, wie teilweise jahrelange Bindungen durch die plötzliche Kündigung der alten Serviceverträge und langjährig vertrauter Mitarbeiter zerrissen worden seien. Auf der anderen Seite sei deutlich zu sehen, wie sehr sich der neue Eigentümer der Wilhelmshöhe um passende Lösungen für die Fortführung des gewohnten Angebotes bemühe.

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