Wildwest auf der A 1: Geldstrafe

Süseler schneidet anderen Autofahrer und bremst ihn aus

shz.de von
15. August 2018, 12:40 Uhr

Er soll einen Autofahrer auf der A 1 in Wildwestmanier massiv bedrängt und dann ausgebremst haben. Dafür saß ein 55-jähriger Berufskraftfahrer gestern auf der Anklagebank des Eutiner Amtsgerichts. Der Mann stellte sich zwar selbst als Opfer dar. Amtsrichterin Anja Farries überzeugte er damit jedoch nicht. Sie folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Süseler wegen Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit Nötigung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen. Damit muss er 1600 Euro zahlen.

Er sei mit seiner Schwester und einer Freundin gemütlich von der Ostsee auf dem Weg nach Hause gewesen, erinnerte sich der bedrängte Fahrer vor Gericht. Als er gerade mit etwa Tempo 130 einen Lkw überholt habe, sei der Angeklagte mit seinem Citroën Berlingo von hinten herangefahren und habe das Fernlicht eingeschaltet. Nach dem Überholen des Lastwagens habe ihn der Angeklagte seinerseits überholt und sei dann extrem knapp vor ihm eingeschert: „Wir reden da über vielleicht 30 Zentimeter“, schilderte der 29-jährige Hamburger. Als Reaktion sei er ausgewichen und habe gleichzeitig scharf gebremst: „Ich habe schon gut den Anker geschmissen“, berichtete er. Die Bremswirkung sei so stark gewesen, dass sich die Warnblinkanlage seines Audi A6 automatisch eingeschaltet habe.

Besonders seine beiden Mitfahrerinnen seien geschockt gewesen. Seine Schwester habe per Handy die Polizei informiert. Bis Lübeck-Moisling sei man dem Angeklagten hinterhergefahren, dann habe ihn die Polizei gestoppt. Die Beifahrerin des Mannes bestätigte die Aussage.

Ganz anders schilderte der Angeklagte den Vorgang. Demnach sei der Audi-Fahrer extrem langsam an dem Lkw vorbeigefahren. „Das waren 81 km/h und 80 km/h.“ Per Lichthupe habe er den Überholvorgang beschleunigen wollen. Doch stattdessen habe der Audi gebremst. Er selbst wäre bei dem Bremsmanöver „fast in die Leitplanke gegangen“. Danach habe der Audi auf dem Seitenstreifen gestoppt. Er habe sich davor gesetzt, um den Fahrer zur Rede zu stellen. Doch der sei „vom Tatort geflüchtet“.

Für die Justiz ist der Angeklagte kein unbeschriebenes Blatt. Er bringt es auf 25 Eintragungen im Bundeszentralregister, kassierte Geld- und Gefängnisstrafen wegen Körperverletzung, Bedrohung, Betrug, Urkundenfälschung, Tierquälerei und Fahren ohne Fahrerlaubnis. Außerdem hat er sechs Punkte in der Flensburger Verkehrssünderdatei, bei acht ist der Führerschein weg.

Amtsrichterin Farries sah davon ab, dem Mann auch noch den Führerschein wegzunehmen. Dafür sei die Tat zu lange her. Seitdem habe er schließlich schon wieder sieben Monate Lkw gefahren, ohne sich etwas zu Schulden kommen zu lassen. Der Angeklagte war über diese Aussicht so froh, dass er sich spontan der Forderung der Staatsanwaltschaft anschloss und das Urteil anschließend sofort akzeptierte.

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