Wieder Ärger auf der Wilhelmshöhe

Neuem Käufer sind Hände gebunden / Betagte Mieter werden beklagt

shz.de von
08. Juli 2015, 13:04 Uhr

Die rund 80 betagten Bewohner der Seniorenresidenz auf Wilhelmshöhe kommen nicht zur Ruhe. Die Eigentumsverhältnisse sind weiterhin verworren. Jetzt gab das Eutiner Amtsgericht zwei Räumungsklagen gegen die Service-Gesellschaft statt, die demnach Büros, Rezeption, Schwimmhalle und Restaurant frei geben soll. Die Service-Gesellschaft, die den Mietern Essen und Reinigung anbietet, will Rechtsmittel einlegen.

Das größte Problem für die Bewohner laut Zwangsverwalter Peter Woidt: Carsten Maßmann, seit November 2013 Besitzer der Anlage, hat seinen Eigentumsanspruch im Grundbuch verankert, ohne je den Kaufpreis in Höhe von 4,5 Millionen Euro gezahlt zu haben. Solange sich daran nichts ändert, kann der neue Käufer – das Geld soll laut Informationen unserer Zeitung bereits seit März 2015 auf einem Notaranderkonto liegen – nichts machen. Laut Zwangsverwalter lässt sich Maßmann nur juristisch aus dem Grundbuch entfernen: „Wenn man davon ausgeht, und das überprüft die Staatsanwaltschaft derzeit, dass Maßmann von Anfang an eine Betrugsaktion geplant hatte, wird er versuchen, so lange wie möglich Geld aus der Anlage zu ziehen.“ Katrin Leinen, Richterin am Eutiner Amtsgericht, hatte Anfang des Jahres entsprechend geurteilt (der OHA berichtete).

Das bestreitet Andreas Dannenberg, Chef der Service-Gesellschaft und Maßmanns Vertrauter: „An den Betrugsvorwürfen ist nichts dran. Die Finanzierungszusage der Sparkasse hatten wir.“ Maßmanns Ziel sei immer noch, rechtmäßiger Eigentümer der Seniorenresidenz zu werden.

Den Hamburger Dennis Romeiser, der mit dem Noch-Eigentümer Dieter Ohlmann Anfang des Jahres einen Kaufvertrag geschlossen hat, bezeichnet Dannenberg als „Käufer in Warteposition“. Der Rücktritt Ohlmanns vom Kaufvertrag mit Carsten Maßmann sei unwirksam, „die Verfahren laufen“.

Zusätzlich zu diesem Hin und Her werden die Bewohner mit Klagebriefen überhäuft wegen Mietzahlungsforderungen und falscher Betriebskostenabrechnungen, wie der Zwangsverwalter bestätigt. Die Bewohner sind in Sorge: „Wir dachten, wir können hier in Ruhe unseren Lebensabend verbringen.“ Seite 5

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