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Kirchenkreis Ostholstein : Wiechmann sagt „Adieu“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der dienstälteste Propst der Nordkirche wurde nach 21 Jahren in der St.-Michaelis-Kirche verabschiedet.

Eutin | Mit großer Anteilnahme aus Kirche und Gesellschaft wurde Eutins Propst Matthias Wiechmann am vergangenen Sonntag im Rahmen eines Gottesdienstes in der voll besetzten St. Michaeliskirche von Bischof Gothart Magaard von seinen Dienstverpflichtungen entbunden. Das Amtskreuz wird ab 1. November Peter Barz tragen, der am 9. November am gleichen Ort in sein Amt eingeführt wird.

Mit dem letzten Arbeitstag am 30. September geht nach 21 Jahren Amtszeit der dienstälteste Propst der Nordkirche mit vier Wochen Urlaub in den Ruhestand. So verabschiedete sich Nordfrieslands Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk vom „Stubenältesten“ des Pröpstekonvents im Sprengel Schleswig und Holstein und beschrieb einen herzlichen und echten Menschen, der sich durch seine Bescheidenheit auszeichne. Er riet Wiechmann den noch offenen halben Visitationsbericht möglichst bald abzuschließen, um endlich „völlig pflichtenlos“ zu sein.

Zuvor hatte sich Bad Schwartaus Pastor Matthias Kiehn im Namen des Pastorenkonvents des Kirchenkreises in einem Ständchen auf die Melodie des Neue Deutsche Welle Songs „Major Tom“ die zwei Jahrzehnte Dienstzeit Revue passieren lassen. Den Refrain „Völlig losgelöst vom Kirchenkreis schwebt Matthias Wiechmann völlig pflichtenlos“ sang die gesamte Gemeinde mit.

Synodenpräses Dr. Peter Wendt zitierte Ulla Wiechmann, die ihren Mann bisweilen ermahnt haben soll: „Jetzt denk doch auch mal an Dich“. Wendt sprach voller Begeisterung von der Gestaltungskraft und dem Engagement, mit dem Wiechmann die Entwicklung des Kirchenkreises vorangetrieben habe. Er habe „wichtige Impulse gegeben, zielgerichtet Pflöcke eingeschlagen und Wege und Straßen bereitet“, auf denen der Kirchenkreis nun kraftvoll in die Zukunft gehe.

Anerkennende Worte fand auch Ostholsteins Landrat Reinhard Sager, der wie Kreistagspräsident Ulrich Rüder und zahlreiche kommunale Vertreter, zu den Gästen gehörte. Die große Anzahl der Gottesdienstbesucher sei Ausdruck für die Anerkennung, die Wiechmann für sein Engagement für das Allgemeinwohl über die Kirche hinaus erfahre. Er habe im Propst immer einen interessierten und gleichwohl informierten Gesprächspartner gefunden. Dabei helfe ihm sicherlich die Gabe, gut zuhören zu können. Schon Bischof Magaard hatte die Diakonie als roten Faden in der Vita Wiechmanns entdeckt. So sei es nicht verwunderlich, dass dieser vor zehn Jahren den Mittagstisch der Kirchengemeinde Eutin maßgeblich aus der Taufe gehoben habe. Für dieses Projekt hatte der Propst ebenso wie für die Eutiner Bibelgesellschaft um Spenden anlässlich seines Abschieds gebeten.

Eutins Bürgervorsteher Dieter Holst dankte Wiechmann für seine wirkungsvolle Tätigkeit, für die ihm Respekt, Dank und Anerkennung gebühre. Er habe viel getan, was auch der Stadt dient. Nur eines könne Holst nicht verstehen: Warum Wiechmann sich Fehmarn als Alterssitz ausgesucht habe. Das Geheimnis lüftet dieser. Er folge damit einem alten ungeschriebenen Gesetz, nachdem ein Pastor nie an dem Ort bleibe, an dem er zuletzt gewirkt habe. Nach einer schönen Zeit von 1977 bis 1993 in Burg auf Fehmarn sei es eine Entscheidung von fünf Minuten zwischen ihm und seiner Frau gewesen. Für das neue Domizil gab es von seiner alten Eutiner Gemeinde ein Vogelhaus. In seiner letzten Predigt forderte Wiechmann von den Regierenden, das Evangelium des menschenfreundlichen Gottes im Auge zu behalten, und sprach sich für den Gottesbezug in der Landesverfassung aus. In der Vergangenheit hätten sich die Protestanten nicht lautstark genug zu Wort gemeldet und sich zu wenig politisch eingemischt. „Wir waren zu sehr nach innen gekehrt.“ Mit Blick auf die Flüchtlingssituation in Syrien und der Türkei forderte er dazu auf, „Flüchtlinge in Ostholstein zu empfangen“ und bemühte das Bonhöfer-Zitat, „dem Rad in die Speichen zu fallen“ wenn es darum gehe die „Festungsmauern Europas durchlässig zu machen“.

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erstellt am 23.Sep.2014 | 08:00 Uhr

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