Wie manipulativ ist der Hauptbelastungszeuge?

Siebter Verhandlungstag im Prozess um Raubüberfall auf Edeka-Markt in Hutzfeld

shz.de von
23. März 2017, 10:45 Uhr

Auch am siebten Verhandlungstag im Prozess um den Raubüberfall auf den Edeka-Markt in Hutzfeld im Oktober 2015 stand Hauptbelastungszeuge Clemens G. im Fadenkreuz der Verteidigung. Der Mithäftling der beiden 27-jährigen, aus dem Kosovo stammenden Igor T. und Vladimir K. hatte die beiden Angeklagten schwer belastet. G. hatte vor Gericht von Gesprächen zwischen K. und T. sowie Pascal S. berichtet. Letzterer steht im Verdacht, im vergangenen Sommer im Drogenrausch in Bargteheide seine Freundin mit drei Schüssen getötet zu haben – mit einer Waffe, die Igor T. beschafft haben soll. S. wiederum soll laut Clemens G. derjenige sein, der den beiden Angeklagten seinen BMW M3 gegeben haben soll, mit dem T. und K. dann angeblich zum Überfall nach Hutzfeld gefahren sind. Um Spuren zu verwischen, behauptete S., dass der Wagen bei einem Einbruch gestohlen worden sei. Die Echtheit des Einbruchs hatten die Ermittler bereits am ersten Verhandlungstag bezweifelt.

Die Verteidiger von K. und T. bemühten sich gestern erneut, die Glaubwürdigkeit von Clemens G. überprüfen zu lassen. Deshalb wurde gestern ein weiterer Mithäftling gehört - Marc V. Der 29-Jährige hatte mehrfach mit Clemens G. Kontakt während der Haft, beschrieb diesen als manipulativ. „Mir kam es in unseren Gesprächen so vor, als wolle er mich auf seine Seite ziehen“, sagte V. und schilderte, dass G. die beiden Angeklagten anscheinend hasse. „Die machen nur Stress“, habe G. über die beiden Angeklagten gesagt. „Stimmt denn das?“, hakte Richter Kai Schröder nach und V. erwiderte: „Nö, in keinem Fall.“

Die Verteidiger hatten zudem die für G. zuständige JVA-Abteilungsleiterin erneut einbestellt. Die 58-Jährige hatte ihn an einem der vorangegangenem Verhandlungstage und auch gestern wieder als „disziplinarisch auffällig“ und „manipulativ“ beschrieben. G. hatte in der JVA Itzehoe einen Sicherheitsbeamten bestochen, um verbotenerweise an ein Handy zu gelangen. Mithäftlinge hatte er mehrfach versucht, für seine Zwecke zu beeinflussen.

Auch mit Clemens G. gab es gestern ein Wiedersehen: Erneut befragte ihn das Gericht zu seinen belastenden Aussagen über die Angeklagten. Diese wiederholte G. und betonte erneut, dass er seit seiner Aussagebereitschaft hinter Gittern bedroht werde – insbesondere von den Angeklagten und Pascal S. Mit den Aussagen von Mithäftling Marc V. konfrontiert, wies G. jedoch die Anschuldigungen gegen ihn zurück. „Das ist alles Blödsinn, was der gesagt hat. Eine Lüge“, sagte G. ruhig und gefasst. Ob nun die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen widerlegt wurde oder nicht – die beiden Verteidiger stellten einen neuen Beweisantrag. Nunmehr soll durch ein ergänzendes Gutachten geklärt werden, ob T. tatsächlich auf dem Blitzerfoto, das vom BMW auf dem Hinweg zum Überfall geschossen wurde, zu erkennen ist. Drei Gutachter hatten sich bereits damit befasst, waren jedoch zu keinen eindeutigen Aussagen gekommen. Der Prozess wird am 6. April fortgesetzt.  

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