Wie lange wird das noch gutgehen?

Der Klimaforscher Mojib Latif schilderte in Plön das drohende Schicksal für die Weltmeere durch Müll und Kohlendioxid.
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Der Klimaforscher Mojib Latif schilderte in Plön das drohende Schicksal für die Weltmeere durch Müll und Kohlendioxid.

Der bekannte Klimaforscher Mojib Latif sorgte – obwohl er nur düstere Aussichten hat – für einen vollen Rittersaal des Plöner Schlosses

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29. Mai 2015, 12:23 Uhr

Es ist schon paradox: Da öffnet ein renommierter Wissenschaftler den Blick in eine düstere Zukunft für die Menschheit – und trotzdem bleibt die Stimmung des sehr konzentriert zuhörenden Publikums gelassen bis heiter. 230 Menschen verfolgten Donnerstag – wie kurz berichtet – einen Vortrag des bekannten Klimaforschers Professor Mojib Latif im voll besetzten Rittersaal des Plöner Schlosses. Den ernsten Stoff vermittelte der Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Geomar) kurzweilig und humorvoll.

Mojib Latif berichtete, dass ihn der Bohrloch-Unfall im Golf von Mexico 2010 und das Atomreaktor-Unglück von Fukushima, bei dem große Mengen radioaktiv verseuchten Wassers in den Pazifik geflossen seien, zu einem Blick auf die Entwicklung der Meere angeregt hätten. Und die in einem Buch veröffentlichten Erkenntnisse stimmen nicht fröhlich.

Einerseits wisse die Wissenschaft viel über das Leben in den Meeren, zugleich wisse man aber auch sehr wenig. Mojib Latif schilderte als Beispiel, dass sich große Mengen an weißen Haien regelmäßig in einem nährstoffarmen Gebiet zwischen Hawai und Kalifornien treffen und dort auch scheinbar sinnlosen „Schabernack“ trieben. Über die Bedeutung dieser Treffen gebe es bisher nur Vermutungen. Und Latif schilderte beeindruckende Schwimmleistungen von verschiedenen Schildkrötenarten, die aus verschiedenen Gründen vom Aussterben bedroht sind.

Das Verschwinden jeder Art in einem komplexen, hoch empfindlichen System habe sehr viel Auswirkungen. So habe der dramatische Rückgang an großen Fischen wie Thunfisch, Schwertfisch und Hai den Muschelfischern an der US-Ostküste das Geschäft verdorben, weil eine wachsende Population an kleinen Haien und Rochen die Muscheln vertilgten.

Eine riesige Bedrohung stelle die wachsende Verschmutzung dar, ob durch legale Ölverschmutzungen oder durch radioaktive Abfälle bis zu dem sehr langlebigen Plastikmüll, von dem geschätzt jährlich etwa zwölf Millionen Tonnen in die Ozeane gelangten – und über die Nahrungskette auf den Speiseteller der Menschen.

Langlebigkeit des Plastikmülls und Strömungszusammenhänge seien sehr anschaulich geworden, nachdem im Jahr 1992 ein Frachter im Nordpazifik in schwerer See drei Container mit insgesamt 29  000 Quietscheenten und anderem Badewannen-Spielzeug verloren habe: Im Jahr 2000 tauchten die ersten Enten an der US-Ostküste auf, 2003 und 2007 schafften es welche nach England, außerdem gab es Fundmeldungen aus Australien und Südamerika.

Die vielleicht größte Gefahr aber sei in der Öffentlichkeit kaum bekannt, betonte Latif: Etwa ein Viertel des Kohlendioxids, dessen enorm gewachsener Ausstoß als Hauptverursacher des Klimawandels gilt, werde durch die Meere aufgenommen und bewirke eine Versauerung des Wassers. Der nachweisbar steigende Säuregrad des Wassers störe alle Prozesse der Kalkbildung, vom Wachstum der Muscheln oder Garnelen (darunter die für Wale wichtige Nahrung Krill) bis zu aus Kalk gebildeten Körperteilen bei Fischen.

Störungen dieser Prozesse seien bereits nachweisbar. „Wir wissen aber nicht genau, wie lange das noch gut geht.“ Vor diesem Hintergrund sei nicht nur wegen des Klimawandels eine sehr schnelle Reduzierung des CO2-Ausstoßes geboten.

Grundsätzlich sei das alles auch den Regierungen bekannt. Aber immer noch denke die Menschheit nicht langfristig, sondern sei nur am kurzfristigen Profit orientiert. Und die jüngste erteilte Genehmigung für Ölbohrungen in der Antarktis vermittele den Eindruck, dass es bei der Ausbeutung der Ressourcen und den damit programmierten weiteren Umweltzerstörungen „keine Schranken mehr gibt.“

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