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Dreharbeiten in Stendorf : Wie ein leeres Haus filmreif wurde

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Szenenbildnerin Sonja Strömer berichtet über ihre Arbeit für den Film „Der Geschmack von Apfelkernen“. Die Dreharbeiten fanden in Ostholstein statt.

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erstellt am 02.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Selbst im wärmsten Mai sind in Ostholstein noch keine Johannisbeeren reif, erst recht keine weißen. Was also tun, wenn das Drehbuch für eine symbolisch entscheidende Filmszene helle Früchte am grünen Strauch verlangt? Da ist die Findigkeit der Requisiteure gefragt – und die haben für den weitgehend in Stendorf gedrehten, jetzt in den Kinos angelaufenen Film „Der Geschmack von Apfelkernen“ vortreffliche Illusionsarbeit geleistet.

„Vier Leute haben weltweit nach weißen Johannisbeer-Sträuchern gesucht. Doch die Natur setzt einem mehr Grenzen, als man es für möglich hält. Da war zu der Zeit einfach wenig zu machen. Wir haben dann zwar Büsche aus Südtirol und dem Nahen Osten nach Stendorf schaffen lassen, doch die Beeren daran waren doch noch nicht reif genug“, erinnert sich Sonja Strömer an den Auftakt der Dreharbeiten im Mai 2012 auf Gut Stendorf.

Die quirlige Hamburgerin ist Architektin, arbeitet schon seit 13 Jahren als
Szenenbildnerin für Film und Fernsehen. Das Johannisbeer-Problem löste sie zusammen mit ihrem Kollegen Tobias Wiehn schließlich auf trickreiche Weise: Sie fädelten hell schimmernde Plastikperlen auf zu kleinen Beerentrauben und befestigten sie, als wären sie dort gewachsen, im Filmgarten an den grünblättrigen Büschen.

Regisseurin Vivian Naefe, die überaus strenge Anforderungen an die Realitätsnähe jeder Szenerie stellte, war es am Ende des Drehtages zufrieden. Kein Wunder: Wer auf der Leinwand die vermeintlich weißen Johannisbeeren in Großaufnahme sieht, wird sogleich an Gelee denken – von wegen Plastik.

Dabei kommen die Szenenbildner ohne Kunststoffe und -griffe gar nicht aus. Manche im Film stabil wirkende Mauer erwies sich für Zaungäste am Drehort unversehens als Leichtgewicht; die laut Drehbuch über Nacht kräftig erröteten Äpfel am alten Baum hinter dem urigen Landhaus waren in stundenlanger Handarbeit mit Magneten an die Zweige geklippt worden. Denn bis zur natürlichen Apfelreife im Herbst hatte Filmproduzentin Uschi Reich nicht warten wollen, Zeit wird auch in der Traumfabrik schnöde in Geld bemessen.

Sonja Strömer hatte immerhin sechs Wochen Vorlauf, um für das leer stehende Verwalterhaus in Stendorf die fürs Filmgeschehen passende Einrichtung zusammen zu stellen. Wobei es mit einer stimmigen Ausstattung pro Zimmer nicht getan war: Da die Romanvorlage drei Generationen einer Familie in dem Haus begleitet, mussten dort Möbel, Lampen und Tapeten epochengerecht wechseln. Der Großvater mit Nazi-Vergangenheit saß am schweren Schreibtisch mit Löwenklauen an den Eichenfüßen, während seine Enkelin im flattrigen Ikea-Stil haust. Dreh- und Angelpunkt des Filmgeschehens ist die Küche: Wo die Großmutter einst mit der Hand den Kuchenteig rührte, muss 50 Jahre später ein Mixer ran, natürlich nicht das neueste Modell von heute.

„Man muss viel recherchieren, was für die jeweilige Zeit typisch war. Ich habe für die Ausstattung in Stendorf überall Haushaltsauflösungen besucht. Einmal hatten wir richtiges Glück: Eine Dame hatte noch original verpackte Töpfe, Pfannen und Konserven aufbewahrt. Und sie hatte 30, 40 Jahre alte Plastiktüten gesammelt. Das ist Gold für einen Requisiteur“, berichtete Strömer über ihre Schatzsuche.

Fündig wurde sie auch im Sozialkaufhaus in Eutin: „Da haben wir einige Sachen geliehen, die gingen nach den Dreharbeiten zurück.“ Und dann gibt es noch die üblichen Adressen: Suchanzeigen für alte Bravo-Ausgaben bei Ebay, Stöbern im Fundus der Bavaria Filmproduktion, private Kontakte abklappern.

Doch nicht immer passt der Regisseurin das ins Bild, was die Szenenbildner vor der Kamera aufgebaut haben. „Dann muss man Vollgas geben“, lacht Strömer. Das Ergebnis ihrer Arbeit überzeugt: Filmkritiker bescheinigen den Produzenten, „das perfekte Anwesen“ für den Romanstoff gewählt zu haben.

 

 

 

 


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