EUTIN : „Wie aus dem Leben gegriffen“

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Rund 130 bildhauerische Arbeiten von Susanne Kraißer sind ab heute im Ostholstein-Museum zu sehen. Die Künstlerin hat sich ausschließlich der Bronze verschrieben – und der weiblichen Figur.

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05. September 2018, 15:37 Uhr

Es sind alltägliche Posen und Körperhaltungen, die jeder schon einmal gesehen oder selbst an den Tag gelegt hat. Die Skulpturen von Susanne Kraißer strahlen Natürlichkeit und Leichtigkeit aus. Vielleicht resultiert das auch aus der Größe: Die meisten Werke der Bilderhauerin passen locker zwischen den gespreizten Daumen und Mittelfinger einer Hand. „Ich falle auf durch meine Kleinheit“, sagt Kraißer. Denn nur sehr wenige Künstler widmen sich mit Bronze dem Miniatur-Format unter den Skulpturen.

In der neuen Ausstellung des Ostholstein-Museums sind aber nicht nur die rund 17 Zentimeter großen Kleinformate zu sehen. Auch lebensgroße Werke gibt es ab heute im Dachgeschoss des Ostholstein-Museums zu sehen. 130 Exponate hat Museumsleiterin Julia Hümme ausgewählt und mit der Künstlerin gemeinsam arrangiert. „Die Ausstellung hat große Lücken Zuhause hinterlassen“, sagt Kraißer augenzwinkernd. Schließlich lebt und arbeitet sie mit ihren Skulpturen im brandenburgischen Bad Belzig unter einem Dach.

Faszinierend sei die Wirkung der Arbeiten, so Hümme. Mitunter muten die Bronzen von der Bearbeitung her klassisch an, andere wiederum experimentell. Alle eint jedoch ein Faktor: „Sie sind wie aus dem Leben gegriffen“, sagt Hümme.

Denn im Mittelpunkt Kraißers kreativen Schaffens steht stets die menschliche, vorrangig weibliche Figur. Auch wenn pummelige oder invalide Menschen nicht im Fokus stehen: In der Formgebung widersprechen sie dem Schönheitsideal von 90-60-90. „So sind die Figuren zwar in ihrer Gesamterscheinung in hohem Maße ästhetisch – in der Regel aber nicht unbedingt ,schön’ in klassischem Sinne“, sagt Hümme und spricht über O-beinige Darstellungen, und darüber, dass manche geradezu mager wirken und „auch durch ihre Körperhaltung eine Existenz fernab des Perfekten signalisieren“.

Insbesondere die „kleinen Figuren in großer Alltäglichkeit“ haben es Hümme angetan. Sie war bereits vor Jahren auf die Mini-Bronzen in einer Lübecker Galerie aufmerksam geworden. „Die sind faszinierend und ließen mich nicht mehr los“, sagte Hümme, die Kraißer schließlich einlud, ihre Werke in Eutin auszustellen.

Schon seit mehr als einem Jahrzehnt habe es keine reine Ausstellung mit Bronzen mehr im Ostholstein-Museum gegeben, sagte Hümme. Umso mehr freue sie sich, dass es zudem eine der ersten reinen Museumsausstellungen Kraißers ist. Die Bildhauerin beteiligt sich seit 2006 nicht mehr an Wettbewerben, nimmt keine Auftragsarbeiten entgegen. „Das verschafft mir Freiheit. Das ist das Faszinierende an meiner Arbeit“, sagt Kraißer. Bildhauerei sei für sie vor allem Form und Material, Volumen und Größe. Die kleinen Miniaturen entstehen aus Wachs und werden anschließend im sogenannten Wachsausschmelzverfahren in Bronze gegossen. Großformatige Arbeiten werden ebenso in Aluminium gegossen oder entstehen direkt in Holz.

Die Ergebnisse dieser aufwändigen Entstehungsprozesse sind bis zum 25. November in der Ausstellung „Zweite Bronzezeit“ zu sehen. Eröffnet wird die Werkschau heute um 18.30 Uhr. Nach der Begrüßung durch den Kreispräsidenten Harald Werner führt Hümme in die Ausstellung ein. Musikalisch wird die Eröffnung durch die Kreismusikschule Ostholstein begleitet.

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