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Bankschließung in Bosau-Hutzfeld : Widerstand gegen Volksbank-Pläne

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

160 Hutzfelder demonstrierten am Dienstagabend gegen die Schließung der Filiale der Volksbank in Hutzfeld. Der Entschluss der Bank steht fest.

Die Volksbank Eutin hatte sich alle Mühe gegeben, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen:
Es gab Kartoffelsalat und Würstchen, auf den Tischen standen Getränke und auf jedem Platz lagen kleine Werbegeschenke. Insgesamt sechs Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder sowie etwa 20 Mitarbeiter versuchten am Dienstagabend, rund 160 Besucher in der Fritz-
Latendorf-Sporthalle von der Notwendigkeit der Filialschließung zu überzeugen. Trotz des ganzen Aufwandes gelang das nicht wirklich.

Den Trend zur Digitalisierung sowie die aktuelle Niedrigzinsphase nannte Volksbank-Vorstand Matthias Benkstein bei der Informationsveranstaltung als Gründe, weshalb die Neustrukturierung des Filialnetzes nötig sei. Neben der Filiale in Hutzfeld schließt die Eutiner Volksbank noch zwei weitere Standorte in Garbeck und Pönitz. Leicht seien Vorstand und Aufsichtsrat diese Entscheidungen nicht gefallen. „Wir machen heute nur noch Gewinne, weil die Personal- und Sachkosten gesenkt wurden“, erklärte Benkstein. Und: Der Neubau des Volksbankgebäudes in Eutin sei nicht der Grund für die Filialschließung.

Dennoch sei die Nähe ein festes Element des Markenkerns der Volksbank, betonte der Volksbank-Vorstand Hans-Wilhelm Hagen. „Sie wird nur nicht mehr in Metern zu messen sein.“ Stattdessen wolle die Volksbank ihren Kunden eine Mischung aus persönlicher und digitaler Nähe bieten. Dazu habe die Volksbank so genannte Servicefilialen eingerichtet, in denen die Kunden ihre Bankgeschäfte, etwa Überweisungen, telefonisch erledigen können.

Für Beratungsgespräche können die Bankmitarbeiter künftig zu den Kunden nach Hause kommen und Bargeld bis zu 2500 Euro können die Hutzfelder sich bis Ende 2016 einmal monatlich kostenlos ins Haus liefern lassen. „Das alles ist besonders für Senioren oder Kranke sehr komfortabel“, warb Hagen. Darüber hinaus blieben sowohl der Kontoauszugsdrucker sowie der Geldautomat in Hutzfeld erhalten. Sie würden künftig in Kooperation mit der Sparkasse betrieben. So soll laut Benkstein der ländliche Raum gestärkt werden.

Doch genau das mochten viele der Volksbankkunden nicht glauben. Waren doch auch die Automaten in Bosau und Glasau nach den Filialschließungen nur noch wenige Jahre erhalten geblieben, wandte ein Zuhörer ein. „Wir haben als Anteilseigner nur eine Chance uns zu wehren: Indem wir unsere Anteile kündigen“ sagte er und bekam für diese Aussage viel Applaus. Auch die Sicherheit der telefonischen Dienste machte den Hutzfeldern Sorgen. Der Kontakt werde nicht mit irgendwelchen Callcentern bestehen, sondern mit sechs Mitarbeiterinnen, die teilweise sogar in der Hutzfelder Filiale gearbeitet hätten, schilderte Benkstein. Und selbst bei persönlich bekannten Kunden würden Aufträge erst nach einer Verifikation ausgeführt. Sollte dann doch einmal etwas passieren, dann sei die Bank versichert, versprach Benkstein. „Unsere Mitarbeiterinnen sind doch keine fremden Menschen. Sie können uns vertrauen“, so das Vorstandsmitglied.

Die von vielen gewünschte konkrete Begründung, weshalb ausgerechnet die Hutzfelder Filiale zum 26. Februar geschlossen wird, lieferten Hagen und Benkstein nicht. „Eine Filiale mit weniger als 3000 Kunden und weniger als drei Vollzeitstellen ist nicht wirtschaftlich“, sagte Benkstein und gab erst auf mehrmaliger Nachfrage zu, dass die Hutzfelder Filiale rote Zahlen geschrieben habe.

Andrea Hinze waren diese Erklärungsversuche zu schwammig. Sie übergab Hans-Wilhelm Hagen eine Mappe mit insgesamt 387 Unterschriften für den Erhalt der Filiale. Diese Unterschriften hatte die 35-Jährige in nur vier Tagen gesammelt. Sie wolle einfach nicht, dass die Bank einfach so sang- und klanglos „untergehe“, begründete sie. Die Ausführungen des Volksbank-Vorstandes aber überzeugten sie nicht. Da verbringe sie die Zeit lieber mit ihrer kleinen Tochter, sagte sie und verließ die Veranstaltung.

Ändern werden die von Andrea Hinze gesammelten Unterschriften wohl ohnehin nichts. „Es schließt sich aus, die Filiale weiter zu betreiben“, hatte Benkstein kurz zuvor deutlich gemacht. Er bitte um Verständnis für diese Maßnahme, schloss der Aufsichtsratsvorsitzende Rolf Matzanke die Veranstaltung und appellierte an die Hutzfelder: „Testen Sie uns doch einfach!“ 

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erstellt am 04.Feb.2016 | 10:00 Uhr

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