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Kreuzfeld : Widerstand gegen Pläne des Kieswerks

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Neue Abbaufläche, Zukunft für Motocross: Das Vorhaben von Johann-Peter und Volker Wandhoff rief bei einer Dorfschaftsversammlung in Kreuzfeld Emotionen hervor

Den Vertretern von Behörden, der Planung, aber auch den Eigentümern
des Kies- und Schotterwerks Kreuzfeld wehte von Beginn an ein scharfer Wind ins Gesicht: Fast 150 Bürger, davon 85 Kreuzfelder und zahlreiche Bewohner aus der Umgebung waren am Montagabend zur Dorfschaftsversammlung ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen. Thema waren Pläne für den derzeit noch bis 2018 genehmigten Kiesabbau.

Für eine aggressive Stimmung sorgten von Beginn an zwei dem Rest der Dorfschaft offenbar unbekannte Kreuzfelder Grundstücksbesitzer, die direkt hinter den Kiesgrubenbetreibern Johann-Peter Wandhoff und seinem Sohn Volker Platz genommen hatten. Bis sie schließlich mit großem Getöse die Versammlung verließen, sorgten sie mit permanenten Zwischenbemerkungen und persönlichen Angriffen für Unruhe. Dorfvorsteher Wilfred Knop forderte sie immer wieder vergeblich zur Ruhe auf, sogar Rolf Röhling, als direkter Anlieger der Kieskuhle nicht gerade ein ausgewiesener Freund des Kiesabbaus, forderte, doch erst einmal zuzuhören.

Johann-Peter Wandhoff will mit der angestrebten 11. Änderung des Flächennutzungsplans auch ein Gewerbegebiet auf dem Gelände (östlich des Holmer Wegs) einrichten. Dies könnte zum einen der Wertsteigerung dienen, wie Wandhoff mit Hinweis auf Forderungen der Banken offen einräumte. In dem Gewerbegebiet sollen nicht nur auf dem Betriebsgelände verstreute Firmen wie ein Mörtelwerk oder Brecheranlagen angesiedelt werden. Wandhoff will das Gewerbegebiet auch für neue Geschäftszweige nutzen: „Ich brauche Gewerbeflächen, ich bekomme sonst keine Genehmigung für eine Halle.“ Dort plane er etwa, Sande herzustellen.

Kritisch sieht der Kreis Ostholstein den Wunsch nach einem Gewerbegebiet. „Das ist ein Landschaftsschutzgebiet. Da passt ein Gewerbegebiet nicht hinein“, erklärte Bernd Straßburger, Leiter des Fachbereits Planung, Bau und Umwelt. Dennoch sah er eine Chance für eine Umsetzung, wenn die bestehenden Betriebe dort angesiedelt würden und zugleich das nur auf dem Papier bestehende Gewerbegebiet in der Nachbarschaft entwidmet würde.

Gar nicht anfreunden kann sich Straßburger mit Sondergebieten für Transportbeton (4 Hektar) sowie für Abfall, ein Mörtelwerk und weitere Anlagen zur Herstellung von Baustoffen (8,5 Hektar). Diese Sondergebiete seien nicht begründbar, da die Wirtschaftsbetriebe durch die Verbindung mit dem Kiesabbau ohnehin abgesichert seien. Für ein ebenfalls geplantes Motocross-Gelände ist aus Straßburger Sicht zwar ein Sondergebiet denkbar, jedoch nicht an vorgesehener Stelle. Nach Wandhoffs Angaben soll der Motor-Club Malente dort bleiben, wo er jetzt ist, direkt östlich des Holmer Wegs, jedoch – nach Abbau des dort noch vorhandenen Kieses – zehn Meter tiefer.

Die Aussicht, den Motocross auch künftig ertragen zu müssen, stößt bei Anliegern, aber auch weiter entfernt Wohnenden auf wenig Begeisterung. „Die Auswirkungen bleiben unerträglich“, monierte ein direkt betroffener Anwohner, der sich von Lärm und Staub durch An- und Abfahrten belästigt fühlt. Er klagte, Motorsportler würden auf dem Gelände sogar ihren Urlaub verbringen. Doch auch Helmut Spiller, der am Hafkamp und damit auf der
anderen Seite des Dieksees wohnt, ist lärmgeplagt: „Es ist die Hölle, es ist Terror, es ist nicht auszuhalten.“

Moto-Club-Vorsitzender Horst von Hörsten warb um Verständnis: „Wir wollen einfach nur unseren 240 Mitgliedern die Möglichkeit geben, ihren Sport auszuüben.“ Er stellte eine permanente Lärmüberwachung in Aussicht. Knop wies darauf hin, dass zumindest die Gebäude auf dem Motocross-Gelände nur bis Ende 2015 geduldet würden. In welchem Umfang danach ein Übungsbetrieb auf dem bestehenden Gelände erlaubt sein wird, hängt von der Zustimmung der Gemeinde ab.

Beifall erhielt Dorfvorsteher Knop, als er aus Sicht der Dorfschaft feststellte, dass weder Motocross noch eine neue Kiesabbaufläche westlich des Holmer Wegs gewünscht sei. Denn Wandhoff hat mittlerweile westlich des Holmer Wegs und südlich der bestehenden bewaldeten Kiesabbaufläche eine landwirtschaftliche Fläche erworben. Auf dieser will er auf rund 10,5 Hektar ebenfalls Kies abbauen. Dies begründet er jedoch nicht mit wirtschaftlichem Interesse, sondern mit Naturschutzbelangen. Der Umweg über das neu erworbene Gebiet auf die bereits genehmigte künftige Abbaufläche ermögliche es ihm, eine Allee alter Eichen zu schützen. Aus Sicht von Straßburger ist dieses Argument allerdings nicht stichhaltig: „Es geht um zwei oder drei Eichen.“ Wenn keine Fahrzeuge hindurch müssten, sondern nur Transportbänder, könnten auch alle Eichen stehen bleiben.

Bekannt wurde auf der Sitzung, dass Wandhoff mittlerweile auch ein acht Hektar großes Gelände einer ehemaligen Kiesgrube auf dem Gebiet der Gemeinde Bösdorf erworben hat und dass ihm auch rund 24 Hektar südlich der Landesstraße 56 zwischen Kreuzfeld und Rachut gehören. Diese Gebiete sind jedoch von der derzeitigen Planung unberührt und werden vielleicht in einigen Jahrzehnten relevant.

Mit der aktuellen Planung werde sich der Planungsausschuss wieder in der zweiten Jahreshälfte befassen, erklärte Andreas Nagel vom Planungsbüro Ostholstein. Bis dahin würden auch Stellungnahmen von Behörden zu dem Vorhaben vorliegen. Dann ist es an der Kommunalpolitik, zu entscheiden, ob und in welcher Form das Vorhaben weiter vorangetrieben werden soll. Er habe noch keine Signale von den Fraktionen, erklärte Malentes Bürgermeister Michael Koch.

Aufklärung lieferte unterdessen Johann-Peter Wandhoff auf Nachfrage, wie viele Obstbäume er denn mittlerweile zur Rekultivierung alter Abbauflächen gepflanzt habe. Es seien einmal 5000 gewesen, von denen aber etwa 60 Prozent wieder eingegangen seien. Deshalb habe er noch einmal 1000 Bäume nachgepflanzt. Spontan bot der 75-Jährige eine Führung durch bereits rekultivierte Flächen an. Sie soll am Sonnabend, 28. Juni, stattfinden. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Bürogebäude in der Kiesgrube. Teilnehmer sollten Gummistiefel und Zeit mitbringen, riet Wandhoff. Die Führung werde etwa fünf Stunden dauern.

 

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erstellt am 13.Mai.2014 | 11:51 Uhr

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