Jugendarbeitslosigkeit : Wettstreit um Lehrlinge hat begonnen

Den Firmen werden bei der Nachwuchssuche verstärkte Anstrengungen abverlangt.

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22. Juli 2011, 11:12 Uhr

eutin | "Jugendarbeitslosigkeit ist in Ostholstein kein Thema mehr." Diese Feststellung traf gestern Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein. Im Gegenteil: Bei den Firmen habe der Wettstreit um Lehrlinge begonnen.

Angesichts des demografischen Wandels und drohenden Fachkräftmangels müssten Betriebe verstärkte Anstrengungen unternehmen, wenn sie Berufsnachwuchs gewinnen und auch halten wollten, etwa durch begleitende Fördermaßnahmen. Marzian: "Wir können es uns nicht mehr leisten, auch nur einen einzigen Jugendlichen zu verlieren."

Am Rande eines Pressetermins, bei dem Jobcenter und Kreishandwerkerschaft ein Beispiel für "Individuelles Coaching" vorstellten, nannte Marzian eine Zahl von 520 jungen Menschen bis 25 Jahre, die in Ostholstein arbeitslos seien. Das bedeute einen Anteil von acht Prozent am Bestand der Arbeitslosen im Kreis. Marzian: "Das ist nicht dramatisch. Wir hatten schon 13 bis 14 Prozent."

Dramatisch werde es vielmehr für Betriebe bei der Suche nach Berufsnachwuchs und Personal: "Wer jetzt nicht ausbildet, wird in Kürze zu den Verlierern auf dem Arbeitskräftemarkt gehören", prophezeit Marzian. Und es sei bereits schwerer geworden, Nachwuchs zu finden: "In Mecklenburg-Vorpommern haben sich die Zahlen der Schulabgänger halbiert, von dort kommen so gut wie keine Bewerber mehr."

Olga Nommensen von der Arbeitsagentur bestätigte dem OHA, dass der Rückgang bei Jüngeren unter allen Arbeitslosen stärker ausfalle als im Durchschnitt. Seit vier Jahren gebe es in Ostholstein mehr offene Lehrstellen als Bewerber, und das im rapide wachsenden Maß: Ende Juni gab es 1 122 offene Lehrstellen, fast doppelt so viele wie unversorgte Bewerber. Vor einem Jahr waren es 1,4 freie Stellen pro Bewerber.

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