Raps und Getreide : Wetter hat Ernte verdorben

Der Mähdrescher steht bereit: Der Winterweizen von Landwirt Heinrich Mougin muss erst noch trockener werden, bevor die Ernte beginnen kann. Regnet es in den kommenden Tagen, könnten die Erträge noch schlechter werden als befürchtet. Foto: Gehm
Der Mähdrescher steht bereit: Der Winterweizen von Landwirt Heinrich Mougin muss erst noch trockener werden, bevor die Ernte beginnen kann. Regnet es in den kommenden Tagen, könnten die Erträge noch schlechter werden als befürchtet. Foto: Gehm

Zu nass, zu kalt, zu trocken: Schleswig-Holsteins Bauern rechnen mit Einbußen von acht Prozent beim Getreide und 43 Prozent beim Raps.

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22. Juli 2011, 11:08 Uhr

Grömitz | Es wird in diesem Sommer keine gute Ernte geben: Die Landwirte in Schleswig-Holstein werden voraussichtlich deutlich weniger Getreide und Raps einfahren als im Vorjahr. "Wir schätzen die Erntemenge beim Getreide auf knapp 2,2 Millionen Tonnen, das sind acht Prozent weniger als 2010", sagte Claus Heller, Präsident der Landwirtschaftskammer, gestern in Grömitz (Kreis Ostholstein). Beim Raps reduziere sich die Erntemenge auf 278 000 Tonnen, ein Verlust von 43 Prozent.

Das Wetter hat den Betrieben übel mitgespielt. "Es war erst zu nass, dann sehr früh sehr kalt und schließlich zu trocken", so Heller. "Nach starken Regenfällen erfolgte die Aussaat von Wintergetreide und Raps im Herbst auf nassen Böden." Wegen der schwierigen Bedingungen seien einige Flächen gar nicht erst bestellt worden. Der frühe Wintereinbruch im November habe dann verhindert, dass die Pflanzen kräftige Wurzeln bilden konnten. Im Frühjahr hätten lange und tiefe Bodenfröste, gefolgt von einer Trockenperiode bis Ende Mai, die Lage verschärft.

"Es war für die Pflanzen purer Stress", sagte Landwirt Heinrich Mougin, der einen 480-Hektar-Hof in Grömitz betreibt. Er und alle anderen Landwirte hätten versucht, darauf zu reagieren. "Wo die Bestellung mit Wintergetreide wegen der Witterung abgebrochen werden musste oder verkümmerte Rapsfelder schließlich umgepflügt wurden, ist Sommerweizen, Sommergerste und Hafer nachgesät worden."

Damit die ausgedünnten Bestände von Wintergerste und Winterweizen, der 70 Prozent der schleswig-holsteinischen Getreideanbaufläche von 292 000 Hektar ausmacht, doch noch qualitativ hochwertige Körner liefern, brauchen die Landwirte jetzt trockenes Erntewetter. Regen würde zu Halm- und Ährenknicken führen, die Erträge weiter senken. Ein Vorteil hat die geringe Erntemenge für die Bauern allerdings: die Preise dürften steigen. "Es gibt zur Zeit kaum noch Lagerbestände", erklärt Heinrich Kröger von der Erzeugergemeinschaft für Getreide. Die Hoffnung ruhe damit auf umfangreichen Exporten. Wenn nicht zu viel Getreide aus der Ukraine auf den Weltmarkt komme, könne der Preis nach oben springen.

Wird dann auch das Brötchen teurer? Heller: "Bäcker erzählen das gerne ihrer Kundschaft. Tatsächlich beträgt der Getreidepreis am Brötchen nur einen halben Cent. Der Rest sind Lohn- und Produktionskosten."

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