Wer kauft den "Immenhof"?

Das Herrenhaus des Gutes Rothensande. Sein Wert soll um 588.000 Euro betragen.
Das Herrenhaus des Gutes Rothensande. Sein Wert soll um 588.000 Euro betragen.

Eine solche Versteigerung ist im Eutiner Amtsgericht nicht alltäglich: In den kommenden Monaten sollen das Gut Rothensande - bekannt durch die "Immenhof-Filme" - und der dazugehörige Hof "Nathenkuhl" unter den Hammer kommen. Verkehrswert: über acht Millionen Euro.

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09. Mai 2009, 04:59 Uhr

Bad Malente-Gremsmühlen | Hintergrund der "Immenhof"-Versteigerung sind Erbstreitigkeiten, die seit dem Tod des Eigentümers von Gut Rothensande und dem Hof Nathenkuhl, Artur Nörenberg, im Jahr 2002 toben. Jahrelang stritten sich die sechs Erben, wie die Testamente auszulegen seien. Der Streit endete erst im Jahr 2006 vor dem Oberlandesgericht in Schleswig.

Jetzt könnte der Erbschaftsstreit in eine neue Runde gehen. Da sich die Eigentümer uneinig sind, was mit dem Gut geschehen soll, hat Marina Nörenberg (50) bereits Anfang des Jahres 2007 die Zwangsversteigerung zwecks Aufhebung der Erbengemeinschaft beantragt. Die Zwangsvollstreckung erfolgt in zwei Teilen - zunächst kommt der Hof "Nathenkuhl" unter den Hammer, dann "Gut Rothensande".

Die Erbengemeinschaft besteht aus fünf Kindern sowie Anna Elisabeth Nörenberg. Sie ist die dritte und letzte Ehefrau des Erblassers und mit keinem der übrigen Erben leiblich verwandt. Die 63-Jährige lebt inzwischen auf Nathenkuhl, per Gerichtsbeschluss soll sie aus dem Herrenhaus auf Gut Rothensande vertrieben worden sein. Als ihr Hauptkontrahent dürfte der älteste Sohn Artur Nörenbergs, Frank Nörenberg (62), gelten, der in Hamburg eine eigene Anwaltskanzlei betreibt und der Erbrecht zu seinen Spezialgebieten zählt.

Das durch die "Immenhof"-Filme zu überregionaler Bekanntheit gelangte Gut Rothensande soll samt Betriebsteil Beutzkamp am Mittwoch, 8. Juli, ab 9 Uhr im Eutiner Amtsgericht versteigert werden. Gutachterlich ermittelter Verkehrswert: 5,83 Millionen Euro.

Dafür bekäme ein Bieter den Gebäudekomplex samt Herrenhaus, Torhaus, Reithallen, Ställen und einigen anderen Gebäuden sowie diverse Ländereien - alles zusammen eine Fläche von gut 181 Hektar. Denkbar ist aber auch, dass zugehörige Wiesen und Felder einzeln versteigert werden, wenn die Eigentümer dies nicht anders beantragen. Allein für das um 1902 errichtete und 1980 nach einem Brand im Erdgeschoss renovierte Herrenhaus hat der Gutachter einen Wert von rund 588.000 Euro ermittelt. Das - vermietete - Torhaus schlägt mit 296.000 Euro zu Buche, der Pensionspferdebetrieb mit 474.000 Euro. Allein das Jagdrecht auf 108 Hektar Fläche soll 12.000 Euro Wert sein.

Den Gebäuden der Gutsanlage bescheinigt das Gutachten aus dem Jahre 2007 einen "guten bis sehr guten Zustand". Sie sind beim Kreis Ostholstein als Kulturdenkmal eingetragen. Zum Gut gehört übrigens auch ein Urnenfriedhof der Eigentümerfamilie mit einer als Urnenhaus dienenden Blockhütte.

Etwas schwieriger als beim Gut Rothensande liegen die Dinge beim Hof Nathenkuhl, der bereits am 24. Juni, ab 9 Uhr zur Versteigerung ansteht und Flächen von rund 82 Hektar umfasst. Für große Teile des mit einem Verkehrswert von 2,39 Millionen Euro taxierten, als Pferdepension genutzten Betriebs hat Anna Nörenberg ein dauerhaftes Nutzungsrecht, das Artur Nörenberg ihr 1997 einräumte. Den Wert dieses Nießbrauchs bezifferte der Gutachter mit 450.000 Euro. Wer auch immer Nathenkuhl ersteigert, Anna Nörenberg dürfte den Betrieb wohl weiter nutzen.

Bis zuletzt könnte Marina Nörenberg eine Zwangsversteigerung verhindern, indem sie ihren Antrag zurückzieht. Selbst wenn jemand für Rothensande und Nathenkuhl bieten sollte, könnte sie einen Zuschlag ablehnen. Marina Nörenberg, die wie ihre Geschwister in Hamburg wohnt, wollte sich auf OHA-Anfrage nicht zu dem Verfahren äußern und verwies auf ihren Bruder Mark (45). Der gab sich ebenfalls zurückhaltend. Potenzielle Käufer habe es immer gegeben, versicherte er. Das Gerücht, dass Pop-Star Michael Jackson Interesse gezeigt habe, sei allerdings "eine richtige Ente" gewesen.

Anfang 2006 soll das Gut in einer überregionalen Sonntagszeitung angeboten worden sein - für zehn Millionen Euro. Gemunkelt wird, dass auch die jetzigen Eigentümer für die Besitztümer mitbieten könnten. Ob das realistisch ist, wollte Mark Nörenberg nicht kommentieren. Mögliche Interessenten einschließlich der Familienangehörigen würden sich allerdings an der Versteigerung nur über Mittelsmänner beteiligen, sagte er voraus. "Die wollen nicht in der Öffentlichkeit stehen." Das gilt wohl auch für Anna Nörenberg, die sich rar machte und für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung stand.

Dagmar Guth, Rechtsanwältin und mit 67 Jahren älteste Tochter Artur Nörenbergs, mochte sich ebenfalls nicht zu dem Verfahren äußern. Gelassener sieht Barbara Nörenberg, die bis 2003 auf Nathenkuhl wohnte, die Entwicklung. "Zur Versteigerung komme ich auf jeden Fall", kündigte die 65-Jährige an. Sie kann sich durchaus vorstellen, dass sich Interessenten finden werden: "Da kann man so viel draus machen, zum Beispiel ein Hotel", sagte sie. Dank der "Immenhof"-Filme habe das Gut noch heute eine enorme Anziehungskraft.

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