Wenn Worte zu Bildern werden

Zwischen den beiden Werken von Hans Christian Jenssen liegen rund 50 Jahre – „Die Segelboote“ malte er mit 26 Jahren.
Zwischen den beiden Werken von Hans Christian Jenssen liegen rund 50 Jahre – „Die Segelboote“ malte er mit 26 Jahren.

In seinen Werken vereint er Literatur und Malerei – jetzt stellt der in Eutin geborene Maler Hans Christian Jenssen bei Klausberger aus

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11. August 2017, 13:27 Uhr

Bis Ende September sind im Klausberger Kultur-Café Bilder des gebürtigen Eutiners und freischaffenden Künstlers Hans Christian Jenssen zu sehen. Seit 1970 lebt und arbeitet der 77-Jährige in seiner Wahlheimat Zürich und vereint Literatur mit der Malerei.

Die 17 ausgestellten Lithographien stammen aus der Werkreihe „MitSprache“. Der Name ist durchaus Programm, so sind die Werke von Jenssen nicht nur Gemälde „mit Sprache“, der Künstler räumt den Autoren, deren Texte er in seinen Werken verwendet, auch ein Mitspracherecht ein: Die Lithographien entstehen in Zusammenarbeit mit den Literaten.

Gemeinsam mit Schriftstellern wähle er in seinem Atelier Buchausschnitte oder Gedichte aus, die ihn anregen, erklärt Jensen. „Wenn ich den Text lese, habe ich ein Bild im Kopf festsitzen, von dem ich mich aber erstmal lösen muss. Je länger ich mich da hineindenke, desto abstrakter wird das Werk schließlich.“ Der Schriftsteller schreibe dann von Hand seinen Text in das Bild. Es gehe ihm um ein „gleichberechtigtes Miteinander von Text und Bild“, betont Jenssen. Er versuche das Werk zu ergänzen und nicht zu illustrieren. Das gelinge jedoch nicht immer, gesteht der Künstler.

Zu Eutin hat der ehemalige Voß-Schüler noch heute eine enge Verbindung. „Ich komme jedes Jahr zum Urlaub hierher und treffe meine Familie“, verrät der Maler. Die Ausstellung bei Klausberger kam auf Initiative von Jessens Frau zustande. „Eines Tages rief mich Heinke Jessen aus der Schweiz an“, berichtet Hans-Peter Klausberger. „Da kannte ich ihn noch gar nicht.“ Man sei sich schnell einig geworden. „Wir freuen uns sehr, ihn hier als freischaffenden Künstler zu haben“, betont Klausberger. Zur Vernissage hatte er eine Überraschung vorbereitet: Aus einem Hinterraum zauberte er zwei Frühwerke des Malers aus dem Jahr 1966 hervor.

Begonnen hat Jenssen seine Karriere als Bühnenbildner bei der „Bühne Morgenstern“ aus dem hiesigen Oldenburg. „Wir hatten mit der Theatergruppe einen Auftritt in Köln“, erinnert sich Jenssen. „Abends bin ich in eine Ausstellung von Friedrich Vordemberge gegangen, die mich sehr beeindruckt hat.“ Am nächsten Tag besuchte er Vordemberge, seinerzeit Direktor der Kölner Werkschulen, und wurde dessen Schüler. Nach sechs Jahren wechselte Jenssen als Meisterschüler an die Syracuse University in New York und erwarb einen Master of Fine Arts. Ihn habe der Pop-Art-Stil sehr fasziniert.

1970 zog es ihn und seine Frau dann zurück nach Europa: „Wir wollten gerne mitten rein, damit wir überallhin reisen können. Die Schweiz hat sich da angeboten.“

Seitdem wirkt Jenssen in Zürich, so widmete der Künstler alle 25 Zimmer des Züricher Stadthotels verschiedenen Schriftstellern und stattete sie mit seinen Werken aus.

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