Eutin : Wenn Urlauber die Klinik stürmen

Familie Dieckmann kurz vor der Abfahrt nach Neustadt mit ihrem ersten Kind Lisbeth. Dr. Katja Stenzel (l.) verabschiedet sie.
Familie Dieckmann kurz vor der Abfahrt nach Neustadt mit ihrem ersten Kind Lisbeth. Dr. Katja Stenzel (l.) verabschiedet sie.

Ferienzeit bedeutet für die Eutiner Kinderklinik Hochkonjunktur. Selbst von Fehmarn reisen Eltern mit ihren Kindern an.

shz.de von
25. Juli 2018, 15:45 Uhr

Sinja Körtge sitzt mit Nila im Flur der Kinderklinik in Eutin. Ihre zehn Monate alte Tochter fiel morgens kopfüber aus dem Bett. Nun wollen die Eltern sicher gehen, dass sich ihre Tochter keine Gehirnerschütterung zugezogen hat. Die Familie kommt aus dem niedersächsischen Ganderkesee. Auf Fehmarn macht sie drei Wochen lang Urlaub.

In der Kinderklinik der Eutiner Sana-Klinik gehören Urlauber im Sommer zum gewohnten Bild. „Für unser Haus ist das durch die Gäste entstehende Sommerhoch typisch“, sagt Dr. Katja Stenzel (47), Chefärztin der Kinderklinik. Weil die Eltern an ihrem Urlaubsort keinen Kinderarzt kennen, wie die Ärztin erklärt, fahren sie lieber gleich ins Krankenhaus. Bis zu einer Kinderklinik nähmen sie auch weitere Wege in Kauf. Selbst nachts reisten Familien von Fehmarn an. Pressesprecher Michael Hesse nennt Zahlen: „Im Juli letzten Jahres hatten wir in der Pädiatrie mit 176 Patienten knapp das Anderthalbfache im Vergleich zu den restlichen Monaten.“ Auch in diesem Jahr zeige sich eine solche Tendenz, er könne aber noch keine Zahl nennen.

Dieser Besuch war nicht geplant: Sinja Körtge kam von Fehmarn, ihrem Feriendomizil, mit ihrer zehn Monate alten Tochter in die Eutiner Kinderklinik.
Dieser Besuch war nicht geplant: Sinja Körtge kam von Fehmarn, ihrem Feriendomizil, mit ihrer zehn Monate alten Tochter in die Eutiner Kinderklinik.

Für das zehnköpfige Ärzte-Team um Stenzel gehören allergische Reaktionen auf Insektenstiche, Schädelprellungen und Brüche zu den derzeit üblichen Krankheitsbildern. Die Kinder zögen sich bei irgendwelchen Stürzen oder Zusammenstößen Gehirnerschütterungen zu. Sie fielen vom Pferd, von der Hüpfburg, stürzten mit dem Fahrrad oder Skateboard und kämen mit Knochenbrüchen zu ihnen in die Kindernotfallambulanz.

Wegen dieser sonnenreichen Wochen tritt ein Krankheitsbild Stenzel zufolge deutlich häufiger auf als im ostholsteinischen Sommer üblich, der Sonnenstich. Die Symptome Erbrechen, Fieber und Kopfschmerzen folgten übermäßigem Sonnenbaden, meistens begleitet vom Sonnenbrand, einer Verletzung der Haut. Stenzel warnt nicht nur vor den gesundheitlichen Folgen, sondern sagt auch, dass es Kindeswohlgefährdung sei, sein Kind nicht mit Sonnenschutzmittel einzucremen. „Zurzeit haben wir bis zu drei Mal in der Woche ein Kind mit Sonnenstich oder Sonnenbrand bei uns“, sagt Stenzel und erklärt, dass die Haut schon durch eine anhaltende Rötung gefährdet werde. Stenzel gibt Tipps, mit denen solche Schäden vermieden werden können: siehe Infokasten.

Für das Neustädter Ehepaar Inga und Sebastian Dieckmann war kein Sonnenbrand der Grund für ihren Aufenthalt in der Sana-Klinik. Die 32- und der 33-Jährige sind Eltern geworden. Inga Dieckmann brachte vor zwei Wochen ihre Tochter zur Welt, fünf Wochen früher als errechnet. Als Lisbeth Probleme mit der Atmung bekam, wurden Mutter und Tochter für vier Tage nach Neumünster verlegt. Die Neonatologie der Eutiner Klinik bietet zurzeit keine intensivmedizinische Behandlung an. Seit dem durch Wasserschäden bedingten Umzug der Station Ende Januar (wir berichteten), müssen Frühchen und Säuglinge, die eine intensivmedizinisch Behandlung benötigen, nach Lübeck, Kiel oder Neumünster verlegt werden. Der beschädigte Bereich im eigenen Haus sei bereits entkernt worden, seine Wiederherstellung werde geprüft, sagt Hesse und beruhigt: „Die Einhaltung der Versorgungsqualitäten als perinatales Zentrum ist weiterhin nicht gefährdet.“ Die steigende Geburtenzahl der vergangenen Wochen zeige das Vertrauen der Bevölkerung in die Geburtshilfe und Kinderheilkunde der Sana-Klinik Eutin.

Für die Dieckmanns ist die belastende Zeit mit Verlegung vorbei. Das Paar bereitet die Heimfahrt mit ihrem ersten Kind Lisbeth vor. Auch Sinja Körtge kann mit Nila die Kinderklinik verlassen. Die 28-Jährige ist erleichtert, denn die Ärzte haben keine Gehirnerschütterung bei Nila festgestellt. Noch am selben Tag steuert die Familie wieder den Campingplatz in Fehmarn an.

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