Malente : Wenn nachts das Baby schreit

Die Baby-Simulatoren bescherten ihnen unruhige Nächte: Johann Scharf (14) und Svenja Schuster (16) gehören zu einer Gruppe von Neuntklässlern, die sich einen Eindruck davon verschafft hat, wie es ist, sich um ein Baby zu kümmern. Fotos: Schröder
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Die Baby-Simulatoren bescherten ihnen unruhige Nächte: Johann Scharf (14) und Svenja Schuster (16) gehören zu einer Gruppe von Neuntklässlern, die sich einen Eindruck davon verschafft hat, wie es ist, sich um ein Baby zu kümmern. Fotos: Schröder

Neuntklässler der Schule an den Auewiesen waren für drei Tage und zwei Nächte Eltern auf Probe.

shz.de von
09. November 2018, 13:15 Uhr

Die vergangenen Nächte waren für Svenja Schuster strapaziös. Nicht weil die Malenter Gemeinschaftsschülerin über die Stränge geschlagen hätte. Grund war vielmehr „ihr“ Baby. „In der ersten Nacht hat es sechs Mal geweint“, berichtet die Schülerin. In der zweiten Nacht gab es immerhin einen kleinen Lichtblick. „Von fünf bis 7.30 Uhr hat es durchgeschlafen.“

Die 16-Jährige gehört zu 15 Neuntklässlern, darunter neun Mädchen, an der Schule an den Auewiesen, die von Mittwoch bis Freitag freiwillig an dem dreitägigen Kursus „Eltern-Probezeit“ teilgenommen haben. Erzieherin Daniela le Grand leitete das Angebot im Auftrag des Familienzentrums des Eutiner Kinderschutzbunds.

Bei dem Kind, das Svenja zusammen mit ihrer Mitschülerin Anna Riquartz (15) Tag und Nacht betreute, handelt es sich um einen Baby-Simulator. Eine lebensgroße Puppe, die Lebensäußerungen echter Kinder nachahmt – etwa nächtliches Schreien. Das kleine Wesen hat dann vielleicht Bauchweh und muss wieder in den Schlaf gewogen werden, braucht neue Windeln oder hat Hunger.

Tagsüber ließen die Schüler ihre Kinder ebenfalls nicht allein. So trugen sie diese etwa beim Einkaufen in der Babyschale mit sich. „Wir sind ganz viel angesprochen worden“, berichtet Johann Scharf. Der 14-Jährige kümmerte sich mit zwei Mitschülern um ein Baby. Sein Fazit: „Ich habe gelernt, dass so ein Baby schon anstrengend ist und dass man damit eine Verantwortung hat.“ Der Kursus habe sie in ihrer Haltung zu eigenem Nachwuchs bestätigt, sagt Svenja. „Ich möchte noch ein bisschen warten – so in 15 Jahren vielleicht.“

Der amtierende Schulleiter Karsten Fritz lobt des Projekt beim Blick auf weitere Erkenntnisse, die mit Kreide auf der Tafel notiert sind – etwa, dass die jungen Teilnehmer sich der Grenzen ihrer Belastbarkeit bewusst wurden. „Viele erfahren das erst 20 Jahre später“, weiß er. Daniela le Grand spricht auch noch andere Themen an, wie Verhütung oder die Kosten einer Erstausrüstung fürs Baby. „Dafür haben die Schüler in einem Second-Hand-Laden gefragt“, berichtet sie.

„Unser Ziel ist, präventiv zu arbeiten“, erklärt Süntje Schwarten, Koordinatorin im Familienzentrum. Den Schülern solle beispielsweise bewusst werden, wie wichtig eine stabile Partnerschaft für die Elternschaft sei.

Daniela le Grand, die bei der Lebenshilfe Ostholstein in Bad Schwartau arbeitet, hat das Projekt Eltern-Probezeit vor einigen Jahren aus eigenem Antrieb ins Leben gerufen. Kurse gibt die 46-jährige, selbst Mutter von drei Söhnen zwischen sieben und 18 Jahren, in ganz Schleswig-Holstein. In Ostholstein zählen etwa auch die Eutiner Wisser-Schule und die Gemeinschaftsschule in Hutzfeld zu ihrem Einsatzgebiet.

Mittlerweile hat die Erzieherin so viele Erfahrungen gesammelt, dass sie selbst Kompetenztrainer für Probezeit-Eltern ausbildet. Im kommenden Jahr soll erneut eine Weiterbildung starten. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon 0160/7771502 mit Daniela le Grand in Verbindung setzen.

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