zur Navigation springen
Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 21:22 Uhr

Wenn Inklusion spielend gelingt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Schleswig-Holstein-Auswahl für „Menschen mit geistiger Behinderung“ bereitete sich in Malente auf die Deutsche Meisterschaft vor

„Können wir das letzte Drittel ein bisschen verlängern?“, fragt Helmut Groskreutz. Der Vorsitzende der BSG Eutin ist mit seinen B-
Jugendfußballern auf dem Kunstrasenplatz im „Uwe-Seeler-Fußball-Park“ Gast der Schleswig-Holstein-Auswahl der „Menschen mit geistiger Behinderung“. „Wir
können in etwa das Niveau
erreichen, das B-Jugendmannschaften haben“, sagt Auswahltrainer Jens-Oliver Mohr, der sich freut, dass er einen sportlich passenden Gegner gefunden hat, denn die Landesauswahl ist dabei, wenn vom 2. bis 5. Juni in Saarbrücken um den deutschen Meistertitel gekickt wird.

Die Spieler in Mohrs Auswahlteam sind 18 Jahre und älter, ihr Intelligenzquotient (IQ) darf nicht höher als 75 sein, als „normal“ gilt ein IQ von 100. „Es geht um Inklusion“, stellt der Trainer fest, der bei seinem Studium der Sportwissenschaften mit den Fächern Pädagogik und Psychologie auf das Thema aufmerksam geworden ist. Seit dem Frühjahr 2013 ist er mit seinem Co-Trainer Stefan Zimmermann für die Mannschaft verantwortlich und legt wert darauf, dass sich seine Spieler auf Augenhöhe mit Nicht-Behinderten messen. Die Beiden werden zudem von Sebastian Grätsch und Wolfgang Ehm unterstützt, die als Betreuer in den Kappelner Werkstätten arbeiten.

Bis vor einem Jahr war die Auswahlmannschaft vor allem eine Angelegenheit der Werkstätten, in denen die Menschen mit Behinderung arbeiten. Das hat sich geändert, denn der Behinderten- und Rehabilitationssportverband (RBSV) hat den Fußballsport unter seine Obhut genommen. Zwar spielen die
Kicker unter dem Dach der Werkstätten in einer eigenen Liga, in der sie ungefähr alle zwei Wochen Punktspiele bestreiten, doch der RBSV will zusammen mit dem Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV) neue Wege gehen. Beim SHFV ist Kilian Weber für die Kooperation zuständig, die zum Projekt „Dribbeln ohne Limits“ gehört. Die BSG Eutin verfügt über viele Erfahrungen im Integrationssport. „Wir haben die Gelegenheit zum Freundschaftsspiel gerne wahrgenommen“, sagt Helmut Groskreutz.

„Malente ist ein super Basis-Baustein“, stellt Jens-Oliver Mohr fest. Er war mit seinem Team schon im März im Malenter Uwe-Seeler-Fußball-Park und hat dessen Vorzüge schätzen gelernt. Für seine Spieler bedeutet das Fußballwochenende einen echten Härtetest, aber auch eine Menge Erfolgserlebnisse: „Die Spieler nehmen hier auch fußballerisch eine Menge mit, das sich in Abwehr und Angriff auszahlt“, meint Jans-Oliver Mohr.

Am Sonntag stand mit dem Kick gegen die BSG Eutin III, einer Fußballmannschaft, die ebenfalls im Wesentlichen aus Menschen mit Behinderungen besteht, ein weiterer Test auf dem Programm. „Da hing Einigen nach drei anstrengenden Fußballtagen ganz schön die Zunge raus“, sagt Mohr. Aber die Mühe lohnt sich, denn in Saarbrücken wollen die 18 Fußballer aus Schleswig-Holstein, die der Trainer nominiert hat, zeigen, was sie in Malente gelernt haben.

zur Startseite

von
erstellt am 18.Mai.2014 | 15:29 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen